Luzern träumt von Lärmblitzern – London zeigt,  wies geht
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Sie sind schnell und vor allem laut: die Lärmposer. (Bild: Adobe Stock)

Kampf gegen Lärmposer Luzern träumt von Lärmblitzern – London zeigt, wies geht

3 min Lesezeit 4 Kommentare 06.03.2021, 16:00 Uhr

Der Kanton Luzern foutiert sich um die Anschaffung von sogenannten Lärmblitzern. Die rechtliche Grundlage fehle und überhaupt stecke die Technik noch in den Kinderschuhen, argumentierte die Luzerner Regierung zuletzt. Aktuelle Bilder aus London zeigen aber, dass man das Rad nicht neu erfinden müsste.

Zu komplex, zu unausgereift, Sache des Bundes. Der Luzerner Regierungsrat nannte diverse Argumente, die gegen die Anschaffung von Lärmblitzern sprechen würden. Im Kampf gegen die Lärmposer hatte Kantonsrätin Monique Frey (Grüne) die Regierung aufgefordert, eine solche Anschaffung zu prüfen (zentralplus berichtete).

Unter anderem argumentierte die Luzerner Regierung damit, dass die Technologie, die analog zu den «Tempoblitzern» auch Lärmsünder ahnden könnte, noch in den Kinderschuhen stecke. Im Londoner Stadtbezirk Kensington und Chelsea scheint man diesen Kinderschuhen aber bereits entwachsen zu sein.

Kameras mit Mikrofonen installiert

Der Stadtbezirk Kensington und Chelsea gehören zu den schickeren Adressen der Metropole. Entsprechend hat dort die Anzahl von Luxussportwagen in den vergangenen Jahren stetig zugenommen – zum Ärgernis der übrigen Anwohner. Dies weil das Aufheulenlassen von Motoren dort zum Volkssport geworden ist, wie «The Guardian» berichtet.

Die Lokalbehörde hat nun reagiert und neue Formen von «Lärmblitzern» installiert. Die Geräte werden aktiv, wenn die Marke von 74 Dezibel überschritten wird. In diesem Fall registriert eine Kamera das Nummernschild, während gleichzeitig Tonaufnahmen gemacht werden.

Bei den Aufnahmen wird es teilweise sehr laut. So wurde bereits ein Auto mit 104 Dezibel registriert – das Äquivalent eines Helikopters, der in der Nähe vorbeizieht. Die Lokalbehörde hat einige dieser Aufnahmen auf Twitter veröffentlicht, um anderen Lärmposern aufzuzeigen, dass man ihnen auf den Fersen ist. So wurde etwa auch dieser Lenker dabei gefilmt, wie er unnötig aufs Gas drückt:

Innert der ersten zwei Wochen nach der Installation der Lärmkameras wurden über 100 Verwarnungen ausgesprochen, berichtet «The Guardian» weiter. Ein zweites Vergehen resultiert in einer Busse von zwischen 100 und 2500 Pfund. Unbelehrbaren Wiederholungstätern kann auch das Fahrzeug entzogen werden.

Auch dieser Töfffahrer wurde wegen seines unnötigen Aufdrehens des Motors belangt:

Wo liegt die Grenze zum Lärm?

In seiner Stellungnahme zum oben genannten Postulat argumentierte der Luzerner Regierungsrat auch damit, dass es – im Gegensatz zu Atemalkohol- und Geschwindigkeitskontrollen – keine definierten Grenzwerte gebe, welche bei einem Lärmblitzer verwendet werden könnten. Dies müsste «mit Hilfe von wissenschaftlichen Untersuchungen definiert» werden, so die Regierung.

In London scheint man nicht auf «wissenschaftliche Untersuchungen» gewartet zu haben. Viel eher hat man sich wohl an den geltenden Lärmgrenzwerten orientiert. Die gibt es auch in der Schweiz. So liegen die Belastungsgrenzwerte in Wohnquartieren zwischen 65 und 70 Dezibel.

Zwei Vorstösse auf Bundesebene pendent

Gut möglich, dass der Bund nun aber bald die gesetzlichen Grundlagen schafft, um Forderungen nach Lärmblitzern und ähnlichen Technologien endlich einen Schub zu geben. Eine entsprechende parlamentarische Initiative ist im Nationalrat noch hängig, während eine Motion gegen übermässigen Motorenlärm auf der Traktandenliste der Nationalratsession steht (zentralplus berichtete).

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4 Kommentare
  1. Bigi Jery, 10.03.2021, 03:58 Uhr

    weshalb kompliziert wenn es auch einfach geht?
    unter 30ig z.b. kein fahrzeug über 100ps. auto auf anderer name einlösen verboten. problem gelöst.
    nebeneffekt: die autoprämie wird bei allen günstiger weil die fetten autos nicht mehr auf papa oder mama eingelöst werden können. zahlen dann die wirklichen prämien. können auch nicht mehr leasing auf mana und papa machen. daher nur noch kleineres auto möglich.

  2. Oliver Heeb, 07.03.2021, 13:59 Uhr

    Sehr guter Beitrag. Er zeigt einmal mehr, wie bei der Exekutive getrödelt und verzögert wird. Und einmal mehr, wird die billige Ausrede der fehlenden wissenschaftlichen Grundlagen feilgeboten. Man muss das Rad in der Tat nicht neu erfinden. Hier fehlt der politische Wille. Mit den steigenden Temperaturen werden auch diese infantilen Poser wieder ihr Unwesen treiben und die Bevölkerung terrorisieren. Ein Grund mehr, bei den nächsten Wahlen genau darauf zu schauen, wem man/frau die Stimme gibt. Vielleicht muss ich als bürgerlicher Wähler wohl eher wieder einmal die Linke berücksichtigen.

  3. Tell, 06.03.2021, 18:18 Uhr

    Pfui Regierungsrat! Unsere Gesundheit ist egal, Hauptsache die Spassgesellschaft überbordet weiter und die Wirtschaft brummt. Danke Zentralplus und danke für einmal den Grünen. Die Tage der Ewiggestrigen unter den Bürgerlichen sind eh gezählt…

  4. digiradio, 06.03.2021, 16:15 Uhr

    Herzlichen Dank für diesen Bericht. Was sich diese spätpubertierenden Lenker mit ihren Boliden erlauben können, wird für grosse Teile der Bevölkerung zu einem Ärgernis. Trotzdem verschliesst die Polizei Augen und vor allem Ohren – jedenfalls im Kanton Zug, in Luzern sieht es ja ein wenig besser aus. Man darf sich fragen, weshalb die Zuger Polizei dem Problem aus dem Weg geht. Man setze auf Prävention, wurde mir schon gesagt. Bloss merken wir Anwohner herzlich wenig davon. Es wird nämlich von Jahr zu Jahr schlimmer. Danke, dass Zentralplus hier dran bleibt!

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