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«Luzern soll kein Disneyland werden»
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Yannick Gauch wird aller Voraussicht nach der offizielle Kandidat der Juso für den Stadtrat. (Bild: zvg )

21-jähriger Juso will in den Stadtrat «Luzern soll kein Disneyland werden»

4 Min 02.12.2015, 09:37 Uhr

Nächster Angriff auf GLP-Stadträtin Manuela Jost. Die Jungsozialisten werden Yannick Gauch ins Rennen schicken. Der 21-Jährige fühlt sich fähig für das Amt und will sich für eine zukunftsorientierte Stadt einsetzen. Und er räumt sich grössere Chancen ein als dem SVP-Präsidenten. Doch was sagt die Mutterpartei dazu?

Am 1. Mai finden die Neuwahlen des Luzerner Stadtrats und Grossstadtrats statt. Langsam aber sicher stehen die Kandidaten fest. Zurücktreten wird nur SP-Stadträtin Ursula Stämmer. Stellt sich somit als Erstes die Frage, was die SP unternimmt. Und bei den Genossen gibt es drei Kandidaten, die es aufs Ticket schaffen möchten: Beat Züsli, Daniel Furrer und Girgio Pardini (zentral+ berichtete). Die Entscheidung fällt am kommenden Freitag, 4. Dezember. Wer da nominiert wird, hat sehr gute Chancen, tatsächlich ins Stadthaus einzuziehen. Denn der Sitz der SP steht eigentlich nicht zur Debatte. Ja, die SP streckt sogar die Hand nach dem Stadtpräsidium aus, und auch eine Diskussion brandete auf, ob die SP nicht nach einem zweiten Stadtratssitz streben sollte (zentral+ berichtete).

Ganz anders sieht die Situation bei den Grünliberalen aus und dem Sitz von Baudirektorin Manuela Jost. Die Grünliberale tritt zwar wieder an (zentral+ berichtete), rein rechnerisch reicht es der Minipartei allerdings nicht für einen Sitz im Stadtrat. Dementsprechend wird sie attackiert – von mehreren Seiten. Die SVP schickt ihren Präsidenten Peter With ins Rennen (zentral+ berichtete). Die BDP hat eine wohl chancenlose Kandidatur ihres Präsidenten Denis Kläfiger lanciert (zentral+ berichtete). Und jetzt greifen auch die Jungsozialisten mit Yannick Gauch an.

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Via Facebook gibt Yannick Gauch bekannt, dass er für den Stadtrat kandidieren möchte.

Via Facebook gibt Yannick Gauch bekannt, dass er für den Stadtrat kandidieren möchte.

Zwar nominieren die Jungsozialisten offiziell erst am 12. Dezember, die Nominierung sollte aber nur eine Formsache sein, wie Präsident Nik Rigert auf Anfrage sagt. Der Vorstand steht hinter der Kandidatur. Yannick Gauch ist 21 Jahre alt und hat eine Ausbildung als Grafiker absolviert. Er arbeitet als politischer Sekretär bei der SP Luzern, als Redaktor bei Radio 3fach und als selbstständiger Grafiker. Zurzeit befindet er sich in einem Sprachaufenthalt in den Vereinigten Staaten. zentral+ erreicht ihn via Facebook für ein kurzes Interview.

zentral+: Herr Gauch, Sie wollen Stadtrat werden. Für was stehen Sie ein?

Gauch: Ich stehe ein für eine zukunftsorientierte Stadt Luzern. Dies bedeutet: Förderung des Langsamverkehrs und des öVs, lebendige und gut durchmischte Quartiere, zahlbarer Wohnraum und eine breite und kreative Kulturszene. Zudem engagiere ich mich für einen gesunden Tourismus – es braucht endlich eine Lösung für das desaströse Car-Chaos, und ich wünsche mir eine belebtere Altstadt, nicht nur Uhren- und Tourismusgeschäfte im Zentrum. Luzern soll nicht zu einem zweiten Disneyland verkommen.

Zudem stehe ich ein für eine starke Wirtschaft, was bedeutet: Entlastung der Strassen, gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr und zahlbarer Gewerberaum. Und zu guter Letzt: Eine ausgewogene Regierung soll alle Generationen enthalten. Es braucht auch eine Stimme der U30-Generation. Immerhin geht es um unsere Zukunft!

In einem Video auf seiner Homepage erklärt er seine Standpunkte

 

zentral+: Was qualifiziert Sie für dieses Amt?

Gauch: Ich bin seit über sechs Jahren politisch aktiv. Als junger Politiker verstehe ich, was junge Menschen beschäftigt. Ich kann unbeschwert und zielorientiert neue Herausforderungen anpacken. Als ehemaliger Lehrling weiss ich, was es bedeutet, wirtschaftlich und effizient zu arbeiten. Zudem bin ich gerade daran, mich selbstständig zu machen. Ich habe über vier Jahre die Juso Luzern präsidiert und meine Teamfähigkeit und Führungskraft bewiesen.

«Was Stadträtin Manuela Jost aus gesellschaftlich-liberaler Sicht vertritt, vertrete ich auch. Was sie aus grüner und ökologischer Sicht vertritt, vertrete ich konsequenter.»

Yannick Gauch, Juso-Stadtratskandidat

zentral+: Aber bei allem Respekt, Sie sind 21 Jahre alt. Ist diese Kandidatur nicht völlig vermessen?

Gauch: Ich traue mir das Amt auf jeden Fall zu, sonst würde ich dafür nicht kandidieren. In einer ausgewogenen Regierung braucht es Platz für die Jungen.

Gauch war vier Jahre Präsident der Juso Luzern.

Gauch war vier Jahre Präsident der Juso Luzern.

(Bild: zvg)

zentral+: Wie schätzen Sie ihre Chancen ein?

Gauch: Vor vier Jahren hat die Juso bewiesen, dass sie bei Exekutiv-Wahlen besser als die SVP abschneidet. Manuela Jost hat in ihrer Legislatur gezeigt, dass sie oftmals am Volk vorbeipolitisiert (z.B bei der Industriestrassen-Abstimmung). Was Stadträtin Manuela Jost aus gesellschaftlich-liberaler Sicht vertritt, vertrete ich auch. Was sie aus grüner und ökologischer Sicht vertritt, vertrete ich konsequenter.

zentral+: Die Juso versteht es, geschickt mit solchen Kandidaturen ihre Leute der breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen. Geht es Ihnen nicht einfach darum, zusätzlichen Schub für den Grossstadtrats- oder für folgende Wahlkämpfe zu holen?

Gauch: Wenn ich in den Stadtrat gewählt werde, muss ich mir vorerst keine Gedanken über andere Wahlkämpfe machen. Lacht.

zentral+: Speziell ist Ihre Lancierung via Facebook. Auch an der Nominationsversammlung können Sie nicht anwesend sein. Ist das kein Problem?

Gauch: Ich habe meine Kandidatur parteiintern und gegenüber den verantwortlichen Gremien bereits im vergangenen Frühling bekanntgegeben. An der Nominationsversammlung werde ich per Skype hinzugeschaltet und stehe somit allen Mitgliedern für Fragen zur Verfügung.

Bei der SP der Stadt Luzern hat man keine Angst, dass die Kandidatur der Jungpartei dem SP-Kandidaten Stimmen kosten könnte. «Im Gegenteil», sagt Präsident Claudio Soldati, «das ist eine Bereicherung und wird sogar positive Effekte mit sich bringen». Und dass Gauch den Ansprüchen an das Amt nicht genügen könnte, verneint Soldati ebenfalls. «Er ist ein talentierter und sehr engagierter Politiker, der Visionen hat und grosses Potenzial mit sich bringt. Alles andere kann man lernen», so Soldati.

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