Luzern: So sieht es im ersten Game-Museum der Schweiz aus
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Angela Vögtli auf ihrem «Throne of Games». (Bild: cbu)

Uralte Brettspiele, PlayStations und lokales Bier Luzern: So sieht es im ersten Game-Museum der Schweiz aus

4 min Lesezeit 1 Kommentar 27.06.2020, 05:00 Uhr

Am Luzerner Hirschengraben bietet ein interaktives Museum ein Zuhause für Zocker und Brettspielfreunde. Heute Samstag öffnet es seine Tore. Aber nicht nur Gameliebhaber kommen auf ihre Kosten.

Im Schaufenster am Luzerner Hirschengraben stehen ein Turm aus Brettspielen, ein Plüsch-Pikachu und Majora’s Maske aus dem Videospiel «Legend of Zelda». Im neuen Lokal mit dem Namen «Gameorama» treffen ab Samstag digitale und analoge Welten aufeinander. Vergangenheit trifft auf Gegenwart.

Laut Angela Vögtli, eine von drei Inhabern, geht es nebst dem Spass am Spiel auch darum, Wissen zu vermitteln. «Wir nehmen das sehr ernst.» So sei das Gameorama nie als einfache Spielhalle geplant gewesen, sondern als Museum mit interaktivem Charakter (zentralplus berichtete). Infotafeln an den Wänden erzählen von den Anfängen des Spielens bis zu den aktuellen technischen Errungenschaften. Vom uralten Brettspiel bis zur PlayStation 4.

Schweizer Spiele werden gefördert

Angela Vögtli ist mit Brettspielen aufgewachsen. «Wir haben als Familie viel gespielt. Bei uns gab es keinen Fernseher, dafür einen Flipperkasten im Wohnzimmer.» Später hat sie selbst Brettspiele entwickelt und auf den Markt gebracht. Sie schätzt deren sozialen Charakter. «Mir gefällt es, mit Freunden zusammenzusitzen, ein Bier zu trinken und ein Spiel zu spielen.»

Ihre beiden mittlerweile schweizweit bekannten Werke «Arschlochkind» und «Kampf gegen das Bünzlitum» finden sich ebenso im museumseigenen Shop wie eine Auswahl anderer Schweizer Gesellschaftspiele. «Wir finden es toll, dass die Schweizer Brettspielekultur langsam erwacht. Das unterstützen wir natürlich», sagt Vögtli.

Das Gameorama befindet sich am Hirschengraben 41. (Bild: cbu)

Ein Bistro mit Bier aus der Region

Das Museum selbst gliedert sich in drei Teilbereiche. Beim Eingang gibt es nebst der Bar und dem Shop auch den öffentlichen Spielebereich, wo sich Freunde und Familien zu einem Kaffee und Brettspiel treffen können. Bis zu 16 Personen finden hier Platz. Zur freien Verfügung stehen rund 300 verschiedene Brettspiele.

Der hintere Museumsbereich ist eintrittspflichtig und bietet eine ausführliche Reise durch die Welt der Brettspiele, Arcadeautomaten und Spielkonsolen. Vieles davon ist zum Anfassen und Ausprobieren – selbst «Bagatelle», ein mechanischer Flipperkasten aus den 20er-Jahren.

Ebenfalls unterstützt werden lokale Brauereien. «Wir bieten im Bistro drei verschiedene Biere aus der Region an. Waschecht im Gameorama-Look», so Vögtli. An der Wand im Bistro hängen Kunstwerke von Schweizer Künstlern – allen gemein ist das Spielthema.

Platz für Sonderausstellungen

Im hintersten Bereich bietet ein Raum Platz für Sonderausstellungen. «Wir planen einen halbjährlichen Wechsel», sagt Angela Vögtli. Die aktuelle Ausstellung behandelt ein urschweizerisches Spiel: den Jass. Gezeigt werden unter anderem verschiedene Generationen von Spielkarten. Von Designs aus dem 16. Jahrhundert bis zur Neuinterpretation des Luzerner Künstlers Benedikt Notter (zentralplus berichtete).

«Wir bieten wohl nicht das, was sich die Stadt unter Kultur vorstellt.»

Angela Vögtli

Zudem kann ein gesonderter Raum mit Spieltisch und Kühlschrank gemietet werden. «Etwa für ausufernde Pen- und Paper-Spiele», erklärt Vögtli lachend.

Trotz Eröffnung noch nicht ganz fertig

Noch ist aber nicht alles bereit. «Wir haben noch ein paar kleinere Baustellen.» So fehlen bei den selbstgebauten Vitrinen nebst dem Inhalt auch noch die Abdeckung. «Die wertvollen Exponate stellen wir erst aus, wenn wir die Scheiben haben.» Das sei aber eine ziemliche Herausforderung.

Wegen der Coronakrise seien die Preise für Plexiglas in die Höhe geschossen. «Plexiglas scheint fast so wertvoll wie Gold zu sein», sagt Vögtli lachend. «Wir sind jetzt auf Panzerglas umgestiegen. Das war tatsächlich günstiger, es dauert aber noch eine Weile, bis alles zugeschnitten ist.»

Aufwand fast im Alleingang gestemmt

Die Kosten für das Museum beliefen sich schätzungsweise auf 250’000 Franken. Unterstützung erhielten die Gameorama-Macher zwar vom Migros Kulturprozent und erfolgreichen Crowdfunding-Kampagnen. Den Löwenanteil der Kosten haben Angela Vögtli und ihre Mitstreiter Marco Röllin und Jerome Müller jedoch aus eigener Tasche gestemmt.

Wenig Hilfe kam von Seiten der Stadt oder des Kantons. «Ein Gesuch ist zwar noch hängig, aber wir bieten wohl nicht das, was sich die Stadt unter Kultur vorstellt. Vielleicht können wir sie noch überzeugen», sagt Vögtli schmunzelnd.

Auch Techkonzerne sind an Bord

Anklang fand die Idee aber bei der Spielebranche. So haben Sony, Nintendo und Co. beispielsweise Spielkonsolen geliehen. Das rund 300 Stück starke Brettspielsortiment wurde zum Teil von Bekannten, Gönnern oder den Verlagen selbst zur Verfügung gestellt.

Einen ersten Einblick in das Gamerorama erhältst du im Video:

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1 Kommentare
  1. Roli Greter, 27.06.2020, 10:53 Uhr

    Wow! Das sieht nach ganz viel Herzblut aus! Gratulation zu diesem tollen Ort, ich freu mich auf zahlreiche unterhaltsame Momente bei Euch.

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