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Luzern-Land: Bürgerliche wollen Sitze halten, Linke greifen an
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Die Auswahl an Kandidatinnen und Kandidaten ist im Wahlkreis Luzern-Land gross. 239 treten zur Wahl an. (Bild: bic)

Grüne sind im vielfältigsten Wahlkreis gefordert Luzern-Land: Bürgerliche wollen Sitze halten, Linke greifen an

8 min Lesezeit 22.03.2019, 04:43 Uhr

Die Stadt Kriens, das Bergdorf Schwarzenberg oder die Seegemeinden: Sie alle gehören zum vielfältigen Wahlkreis Luzern-Land. Entsprechend viel Terrain bietet er für die verschiedenen Parteien. Und die Grünen haben noch eine Rechnung offen.

Mit über 100’000 Einwohnern ist der Wahlkreis Luzern-Land der grösste im Kanton. Folglich stehen ihm mit 30 Sitzen auch die meisten Mandate im Kantonsrat zu. Allerdings ist Luzern-Land wohl auch der heterogenste Wahlkreis. Sowohl was seine Geografie als auch was die Sozialstruktur betrifft. Insgesamt kämpfen dieses Jahr 239 Frauen und Männer um einen Sitz im Parlament. 

Es gibt also für alle Parteien und politischen Richtungen einiges an Wählerpotenzial, das genutzt werden kann. Entsprechend unterschiedlich schnitten die Parteien vor vier Jahren in den einzelnen Gemeinden ab.

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Linke in grossen Agglogemeinden stark

Vor allem ein Blick auf die zwei linken Parteien ist interessant, denn hier wird die grosse Diskrepanz bezüglich politischer Einstellung zwischen den einzelnen Regionen innerhalb des Wahlkreises offenbar.

In den Agglogemeinden Adligenswil, Kriens, Horw und Buchrain ist die Linke relativ stark und sitzt auch im Gemeinderat. Sie ist damit in vier von 17 kommunalen Exekutiven vertreten, was mit Blick auf andere Wahlkreise vergleichsweise hoch ist.

Bei den Wahlen vor vier Jahren machten alleine die Sozialdemokraten in Adligenswil ganze 18,8 Prozent. Damit waren sie drittstärkste Kraft in der Gemeinde. Gesamthaft erreichte die Linke in Adligenswil nicht weniger als 27,6 Prozent der Stimmen. Mit Jörg Meyer stammt dieses Jahr auch der Regierungsratskandidat der SP aus der Agglogemeinde. Die Verteidigung der Sitze dürfte der SP im Wahlkreis wohl also gelingen.

SP gibt sich kämpferisch

Da die Linke in den genannten Kommunen aber bereits heute einen hohen Wähleranteil besitzt, dürfte ein Zuwachs schwierig bleiben. Umso mehr, da es auch Gemeinden gibt, wo die Linke kaum relevant ist. In Meierskappel erreichten SP und Grüne 2015 lediglich 5,4 beziehungsweise 4,4 Prozent Wähleranteil. In sechs Gemeinden lagen beide linken Parteien sogar hinter der kleinen GLP.

Die SP tritt mit einer vollen Liste an und kann auf ihre vier bisherigen Kantonsräte zählen. In der grossen Gemeinde Horw wird mit Gemeinderat Oskar Mathis zudem ein bekanntes Gesicht portiert. Folglich zeigt sich die Partei erwartungsgemäss angriffig. «Unser Ziel ist es, in Luzern-Land einfach Sitze von der rechten Mehrheit zu gewinnen», so David Roth, Präsident der Kantonalpartei.

«Wir Grünen sind im Aufwind.»

Maurus Frey, Präsident Grüne Kanton Luzern

Dabei setzen die Sozialdemokraten auf die bekannten Themen: Bezahlbarer Wohnraum, Kantonsfinanzen und Steuern, Prämienverbilligungen sowie Bildung. «Wir glauben, damit überall im Kanton punkten zu können», so Roth.

Sollen die SP-Sitze verteidigen: Marianne Wimmer-Lötscher, Helene Meyer-Jenni, Peter Fässler und Regierungsratskandidat Jörg Meyer.

Sollen die SP-Sitze verteidigen: Marianne Wimmer-Lötscher, Helene Meyer-Jenni, Peter Fässler und Regierungsratskandidat Jörg Meyer.

(Bild: zvg)

Grüne setzen auf Ökologie und Verkehr

Angriffig sind auch die Grünen. Diese verloren vor vier Jahren einen Sitz an die SVP und büssten 2,4 Prozent Wähleranteil ein. Vor allem die Abwahl des designierten Kantonsratspräsidenten Nino Fröhlicher schmerzte. Die Partei besetzt aktuell zwei Mandate in Luzern-Land. «Wir Grünen sind im Aufwind», sagt Parteipräsident Maurus Frey. «Deshalb streben wir den Gewinn eines dritten Sitzes an.»

Der Zeitpunkt dürfte günstig sein. Die Klimadebatte dominiert aktuell die Schlagzeilen. Anders als vor vier Jahren, als Umweltthemen kaum eine Rolle spielten. Stimmen wird man dafür wohl vor allem in den grossen Gemeinden wie Kriens holen müssen, wo die Grünen mit Cyrill Wiget den Stadtpräsidenten stellen.

Auf der Liste der Grünen stehen 21 Kandidaten. Ausgerechnet in Kriens geriet aber der Grüne Kantonsrat Hannes Koch jüngst in die Schlagzeilen. Mit einem Flugblatt wurde Stimmung gegen den Politiker gemacht. Hintergrund waren angebliche Verfehlungen als Chef der Spitex Kriens (zentralplus berichtete). Ob sie ihm und der Partei schaden werden, wird sich zeigen.

Wollen im Kantonsrat bleiben: Die Grünen Hannes Koch und Christina Reusser.

Wollen im Kantonsrat bleiben: Die Grünen Hannes Koch und Christina Reusser.

(Bild: zvg)

Luzern-Land gleich SVP-Land

Auch, ob die Themen der Linken in den sonnenbeschienenen, mit Palmen aufgemotzten Quartieren in Weggis, Kastanienbaum oder Greppen, wo viele Einfamilienhäuser einen eigenen Swimmingpool haben, tatsächlich ziehen, wird sich weisen müssen. Zudem dürfte für die Wählerinnen der Agglo die Erreichbarkeit der Stadt mit dem Auto eine wichtige Rolle spielen. Dies könnte für die Linke eine Hypothek sein, könnte hingegen der SVP in die Karten spielen.

Ein Blick auf die politischen Schwerpunkte der SVP-Kandidaten zeigt, dass das Thema Verkehr bei vielen zentral ist. Als Gegenpol zur links-grünen, oft als autofeindlich betitelten Stadt könnte die Volkspartei in der Agglo also sehr attraktiv erscheinen.

«Unser Ziel ist es primär, unsere Sitze zu halten.»

Jasmin Ursprung, Präsidentin SVP Luzern-Land

Mit acht Mandaten ist die SVP seit 2015 gemessen an den Sitzen neben der CVP die stärkste Kraft im Wahlkreis Luzern-Land. Mit einem Zuwachs von 3,7 Prozent machte sie hier vor vier Jahren einen grossen Schritt vorwärts und ist die wählerstärkste Partei im Wahlkreis. In acht der 17 Gemeinden lag sie vor vier Jahren auf Platz 1.

Der Wahlkreis Luzern-Land

Zum Wahlkreis Luzern-Land gehören die Gemeinden Adligenswil, Buchrain, Dierikon, Ebikon, Gisikon, Greppen, Honau, Horw, Kriens, Malters, Meggen, Meierskappel, Root, Schwarzenberg, Udligenswil, Vitznau und Weggis. 100’689 Menschen lebten Ende 2017 im Wahlkreis. Mit gut 27’000 Einwohnern ist Kriens die grösste und mit 391 Honau die kleinste Gemeinde. Nach der Stadt ist Luzern-Land die am zweitdichtesten besiedelte Region im Kanton.

Mit 30 Kandidatinnen und Kandidaten präsentiert die SVP eine volle Liste und ist somit sehr gut aufgestellt. Allerdings muss sie die Rücktritte von Marcel Zimmermann (Horw) und Ruedi Stöckli, Präsident des Luzerner Gastroverbandes aus Meierskappel, verkraften. Für den Wahlerfolg setze man auf eine breite Auswahl an Kandidatinnen und die Verteidigung der kantonalen Finanzpolitik, sagt Jasmin Ursprung, Präsidentin der Wahlkreispartei.

Auch die weiteren Themen, mit denen die SVP in den Wahlkampf zieht, dürften in den gut betuchten Gemeinden von Luzern-Land ankommen. «Wir haben in den letzten Jahren immer wieder bewiesen, dass wir für einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Steuergeldern einstehen.» So habe man beispielsweise im Jahr 2017 mit dem Referendum eine kantonale Steuerfusserhöhung verhindern können, betont Ursprung.

Treten für die SVP wieder an: Räto Camenisch, Reto Frank, Franz Gisler, Daniel Keller, Barbara Lang-Schnarwiler und Guido Müller (im Uhrzeigersinn).

Treten für die SVP wieder an: Räto Camenisch, Reto Frank, Franz Gisler, Daniel Keller, Barbara Lang-Schnarwiler und Guido Müller (im Uhrzeigersinn).

(Bild: zvg)

Tiefe Steuern begünstigen die SVP

Tiefe Steuern dürften insbesondere in Luzern-Land auf Anklang stossen. So befinden sich fünf Gemeinden aus dem Wahlkreis in den Top Ten der steuergünstigsten Kommunen des Kantons. Hier lohnt sich auch ein Vergleich mit den Boomgemeinden Eich und Schenkon am Sempachersee, die aufgrund ihrer Lage mit den Seegemeinden und Horw vergleichbar sind und wo die SVP ebenfalls stärkste Kraft ist. Die Dörfer liegen auf Rang zwei und vier im Kanton.

«Wir sind deshalb überzeugt, unsere Wahlziele zu erreichen», sagt Jasmin Ursprung. Mit der momentanen Situation gibt sie sich aber entsprechend zufrieden. «Unser Ziel ist es primär, unsere Sitze zu halten.» Man strebe aber einen zusätzlichen Sitz an. Chancenlos dürfte die SVP dabei nicht sein, auch wenn sie mit über 27 Prozent ihren Zenit wohl mehr oder weniger erreicht hat.

FDP sucht das Heil im Haustür-Wahlkampf

Einen Sitzgewinn gibt auch die FDP als Wahlziel aus. Bisher hat sie sechs Mandate inne. «Wir haben viele gute Kandidaten mit guten Ausbildungen und einem grossen Netzwerk in den Gemeinden. Zudem sind sie im Wahlkampf sehr engagiert», sagt Wahlkreispräsidentin Beatrice Senn.

Die Liberalen müssen jedoch auf zwei bisherige Parlamentarier verzichten. Johanna Dalla Bona-Koch (Kriens) und Ruedi Burkard (Horw) treten nicht mehr an. Die FDP kann dafür auf eine fast komplette Liste zählen. 29 Kandidaten stehen zur Wahl. Fünf von ihnen sitzen in einem Gemeinderat, unter ihnen der Krienser Stadtrat und Bauvorsteher Matthias Senn. Dies könnte der Partei zusätzlichen Schwung verleihen.

Entsprechend zuversichtlich ist Senn. «Unsere drei Kernthemen Bildung und Arbeitsplätze, Mobilität und Raumplanung sowie Finanzen und Steuern sprechen in unserem Wahlkreis für uns», sagt Senn. Denn die Stimmbeteiligung sei in den letzten Jahren zurückgegangen. «Wir müssen mobilisieren, um unsere Ziele zu erreichen. Hier setzen wir auf den direkten Kontakt mit den Wählern, auch mit unserem Haustür-Wahlkampf.»

Steigen wieder ins Rennen: Die FDP-Kantonsräte Irene Keller, Heidi Scherer, Gaudenz Zemp und Ruedi Amrein.

Steigen wieder ins Rennen: Die FDP-Kantonsräte Irene Keller, Heidi Scherer, Gaudenz Zemp und Ruedi Amrein.

(Bild: zvg)

GLP: Ökosteuer und starker ÖV

Ähnlich wie den Grünen erging es 2015 auch den Grünliberalen. Obwohl sie ihre beiden 2011 gewonnenen Sitze halten konnten, verloren sie zwei Prozent Wähleranteil. Auch hier dürfte die Themenkonjunktur nicht zum Vorteil gewesen sein. Heuer möchte die GLP deshalb wieder zulegen. Als Zugpferd dient Parteipräsident und Regierungsratskandidat Roland Fischer.

«Wir streben einen Sitzgewinn von heute zwei auf drei an», sagt Lukas Portmann vom Vorstand der Wahlkreispartei. Man setze sich deshalb für eine flexiblere Schuldenbremse und damit eine langfristig ausgerichtete Finanzpolitik ein. Weiter möchte die GLP den ÖV, den Langsamverkehr und den Umweltschutz stärken.

Hier hallt auch einiges an linker Rhetorik wider. Es wird sich also zeigen müssen, welche der beiden grünen Parteien die angesprochenen Wählerinnen besser erreichen wird. Beide werden wohl nicht gleichzeitig zulegen können. «Unsere Themen bewegen die Menschen und wir sind darum zuversichtlich, unsere Ziele zu erreichen», sagt Portmann. Mit Blick auf die Klimadiskussion dürfte er recht haben.

Treten für die GLP wieder an: Michèle Graber und Urs Brücker.

Treten für die GLP wieder an: Michèle Graber und Urs Brücker.

(Bild: zvg)

CVP will mit nationalem Thema punkten

Mit den momentan acht Mandaten ist man bei der CVP zufrieden. «Mit den sehr guten 29 Kandidatinnen und Kandidaten sind wir überzeugt, unsere CVP-Sitze zu halten und vielleicht sogar einen dazu zu gewinnen», sagt Gianmarco Helfenstein, Kantonsrat und Präsident der Wahlkreispartei. Die Christdemokraten müssen jedoch auf den langjährigen Kantonsrat Erwin Arnold (Buchrain) verzichten. Dafür können sie auf drei amtierende Gemeinderäte zählen.

Trotz des nationalen Abwärtstrends konnte die CVP vor vier Jahren in Luzern-Land um 0,4 Prozent zulegen. In Horw, Malters sowie im Rontal konnte sie ihre Vormachtstellung halten. Mit der nationalen Gesundheitsinitiative, mit der die Partei den Kampf gegen die steigenden Krankenkassenprämien aufnimmt, habe man zudem ein wichtiges Thema, das die Leute beschäftige. «Wir haben viel Lob für unsere Anstrengungen bei diesem Thema erhalten», sagt Helfenstein. Ob sich die CVP im Luzerner Agglogürtel dem nationalen Negativtrend erneut entgegenstellen kann?

Wollen es für die CVP nochmals wissen: Christine Kaufmann-Wolf, Gianmarco Helfenstein, Daniel Gasser, Claudia Bernasconi, Marlis Krummenacher, Daniel Piazza und Peter Zurkirchen (im Uhrzeigersinn).

Wollen es für die CVP nochmals wissen: Christine Kaufmann-Wolf, Gianmarco Helfenstein, Daniel Gasser, Claudia Bernasconi, Marlis Krummenacher, Daniel Piazza und Peter Zurkirchen (im Uhrzeigersinn).

(Bild: zvg)

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