Bye Bypass – so die Haltung gegenüber dem Strassenbauprojekt in Luzern.
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Der Widerstand gegen das Bypass-Projekts nimmt Fahrt auf. (Bild: Jan Rucki)

Mit «toter» Spange Nord geplant Luzern: Bypass-Gegner tischen vernichtendes Gutachten auf

2 min Lesezeit 11 Kommentare 25.11.2021, 10:11 Uhr

Die Verbände WWF und VCS verschärfen ihren Widerstand gegen das Autobahnprojekt. In einem neuen Gutachten zweifelt Mobilitätsprofessor Alexander Erath das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Bypass-Projekts an. Zudem gingen die Planer von völlig falschen Voraussetzungen aus, lautet der Vorwurf.

Veraltete Normen und falsche Voraussetzungen: Die Gegner des Luzerner Bypass-Projekts haben ein Gutachten erstellen lassen, das dem Autobahnprojekt diverse Mängel ankreidet.

Die beiden Verbände WWF und VCS gehörten zu den ersten Einsprechern gegen das Strassenbauprojekt, welches das Nadelöhr rund um Luzern lösen sollte (zentralplus berichtete). In ihrem Auftrag hat Mobilitätsprofessor Alexander Erath von der Fachhochschule Nordwestschweiz analysiert, unter welchen Voraussetzungen die Realisierung des 1,7-Milliarden-Projekts geplant wurde.

Spange Nord und Lochhof längst vom Tisch

Das nun vorliegende Gutachten hinterfragt insbesondere die Kosten-Nutzen-Analyse des Bypass-Projekts. Diese sei unter der Voraussetzung erstellt worden, dass der Zubringer «Spange Nord» und der Anschluss Lochhof realisiert werden. Die Spange Nord ist bekanntlich in hohem Bogen an der Urne gescheitert und auch der Anschluss Lochhof ist aktuell vom Tisch (zentralplus berichtete).

Daher sei davon auszugehen, dass das tatsächliche Kosten-Nutzen-Verhältnis des Ausführungsprojekts schlechter ausfällt, als dies auf Basis des generellen Projekts ermittelt worden ist.

Veraltete Prognose zur Verkehrsentwicklung

Weiter wird bemängelt, dass die Planer teilweise sehr alte Daten nutzten, um eine Verkehrsprognose für das Jahr 2040 zu erstellen. So sei etwa die Wirkung des ÖVs nicht in die Rechnung aufgenommen worden, ob es den Bypass zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch brauche. Explizit wird dabei etwa der geplante Durchgangsbahnhof genannt.

Gemäss dem Gutachten hat die Dienststelle Verkehr und Infrastruktur des Kantons Luzern in der Zwischenzeit ein neues kantonales Verkehrsmodell erarbeiten lassen. Bei diesem Modell bestehen die oben benannten Mängel bezüglich der Verhaltensdaten nicht mehr.

Empfehlung: Zurück auf Feld eins

Das Gutachten fordert deshalb, dass für den Bypass eine komplett neue Kosten-Nutzen-Analyse zu erstellen sei. Diese soll auf den Daten beruhen, die mit dem genannten neuen Verkehrsmodell ermittelt wurden. Dieses soll folgende Aspekte beleuchten.

  • Berücksichtigung der Wirkung der verdichteten Siedlungsentwicklung auf den Autobesitz.
  • Prognose der Verkehrsnachfrage mit besserer Berücksichtigung der demografischen Entwicklungen.
  • Berücksichtigung der Wirkung von ÖV-Angebotsverbesserungen wie dem Durchgangsbahnhof Luzern.
  • Personengruppenspezifisches Verkehrsverhalten differenziert nach Mobilitätswerkzeugbesitz und Altersgruppe gemäss aktueller Verhaltensdaten.

Im Sinne einer Gesamtperspektive soll zudem überprüft werden, wie mit den Überkapazitäten auf der Stadtautobahn umzugehen ist, etwa einer Reduktion der Autospuren.

Aktuell laufen die Einsprachverhandlungen mit dem Bund. Wie Bund und Kanton auf das Gutachten reagieren, ist noch nicht bekannt. Gemäss aktuellstem Stand könnte der Baustart des 1,7-Milliarden-Franken-Projekts frühestens im Jahr 2025 erfolgen (zentralplus berichtete).

Update folgt …

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11 Kommentare
  1. Roli Greter, 26.11.2021, 01:15 Uhr

    Wir möchten gerne Bypass-Schwurbler, Verkehrsgegner und Massnahmenskeptiker genannt werden, danke.

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  2. Onlyone, 25.11.2021, 21:11 Uhr

    Diese links-grünen Verhinderer sollen doch in den Urwald gehen. Jeder normale Menschen muss doch einsehen, dass es um Luzern massive Verkehrsbehinderungen gibt.

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  3. Lucommenter, 25.11.2021, 17:51 Uhr

    Der Journalist verbreitet hier falsche Informationen. Die Studie zeigt, dass Planungsannahmen für Analysen zum Bypass aufdatiert werden müssen und fordert eine neue Analyse. Sie beinhaltet aber diese neue Analyse nicht und erwähnt nur Vermutungen zum möglichen Ergebnis dieser Analyse. Wenn der Journalist Ismail Osman das Gutachten nun als «vernichtend» für den Bypass bezeichnet, bedeutet dies, dass er das Gutachten nicht gelesen oder schlicht nicht verstanden hat.

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    1. Redaktion Ismail Osman, 25.11.2021, 18:17 Uhr

      Guten Tag,

      Danke für den kritischen Kommentar zu diesem Artikel.
      Das Gutachten fordert nichts Geringeres, als eine Überarbeitung des gesamten Projektes auf einer komplett anderen Grundlage. Das ist weit mehr als eine simple Aufdatierung einiger Zahlen. Davon abgesehen, beinhaltet das Gutachten diverse weitere kritische Anmerkungen und Schlussfolgerungen – etwa in Bezug zu den Klimakosten oder den Auswirkungen des Baus auf die betroffenen Standortgemeinden. Mit Verlaub: Wenn nach 10 Jahren Planung und intensiver politischer Debatte ein Gutachten zum Schluss kommt, dass man de facto von vorne beginnen muss, darf dieses Gutachten durchaus als «vernichtend» gewertet werden. Genau diese Wertung habe ich vorgenommen.

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  4. Enrico Ercolani Einwohnerrat FDP Kriens, 25.11.2021, 14:54 Uhr

    Das schlimmste an diesem Bericht ist, dass der WWF und der VCS das Recht haben, Einsprache gegen solche Projekte zu erheben. Das Verbandsbeschwerderecht sollte aufgehoben werden. Milliardenschäden haben diese Verbände in der Schweiz durch Einsprachen schon verursacht! Leider hat die Stadtbevölkerung die Spange Nord und früher auch die Nordumfahrung bis zum Verkehrshaus verhindert. Pro Jahr wären mit diesen Projekten zehntausende von Autos weniger durch die Stadt gefahren. Mir zeigen solche Verhinderungsaktionen zu denen auch das Parkhaus Musegg gehört, dass die Mehrheit der Stadtbevölkerung den Such- und Durchgansverkehr durch die Stadt wollen und lieben.

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    1. Kasimir Pfyffer, 25.11.2021, 18:11 Uhr

      Die Spange Nord war ein brachiales Stadtzerstörungsprojekt aus den tiefsten 1970er Jahren. Ähnliche Projekte im Nachkriegsdeutschland hat man treffenderweise als «frewillige Vollendung des Bombenkriegs» bezeichnet. Jeder normal denkende Mensch ist froh, dass diese Horroridee nicht umgesetzt wird.

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  5. Sandra Püntener, 25.11.2021, 13:13 Uhr

    Man soll prüfen, wie mit den Überkapazitäten auf der Stadtautobahn umzugehen ist, etwa einer Reduktion der Autospuren. Von welcher Stadtautobahn spricht der Mann? Die Autobahn von Zürich / Zug hat bei Luzern genau eine Spur, will er die wirklich reduzieren? Überkapazitäten kann niemand feststellen, der die abendlichen Verkehrsnachrichten mit den Staus bis zurück in den Kanton Zug hört. Vermutlich war er gar noch nie hie rund verwechselt Luzern mit einem anderen Ort.

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  6. Philipp, 25.11.2021, 13:11 Uhr

    Der Bericht ist nutzlos. Egal wie stark der Verkehr steigt, wir brauchen auch ohne zusätzlichen Verkehr einen Bypass. Denn schon jetzt ist das Verkehrsnetz überlastet. Wenn die sogenannten Spezialisten das nicht sehen, sollen Sie sich mal persönlich auf die Luzerner Strassen begeben.

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  7. Thomas Aeberhard, 25.11.2021, 13:07 Uhr

    Lächerlicher Einwand. Man kann bei jedem Projekt 10 Jahre später kommen und bemängeln, dass bei der einstigen Planung gewisse heutige Erkenntnisse nicht eingeflossen seien. So wäre nie ein Verkehrsprojekt gebaut worden. Zudem rechnet der «Professor» tatsächlich damit, dass der Tiefbahnhof gebaut wird und kritisiert, dass die Auswirkungen dieses höchst ungewissen Projektes nicht eingeflossen seien. Das zeigt, dass es sich hier um ein reines gekauftes Gefälligkeitsguthaben handelt. WWF und TCS könnten einfach so ehrlich sein und mitteilen, dass sie den Bypass nicht wollen.

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  8. mvonrotz, 25.11.2021, 11:27 Uhr

    Der Bypass ist ja vor allem für die Entflechtung von Transit und lokalem Verkehr gedacht. Den Transit kann Luzern mit nichts beeinflussen. Da hilft auf der Durchgangsbahnhof nur marginal. Eine Reduktion der Spuren auf der Stadt-Autobahn kann durchaus möglich sein wenn die Steuerung der gesperrten Spuren über Signale aufgehoben werden kann wenn nötig (Unfall im Bypass Tunnel z.B.). Aber der Bund kann gerne noch Einmal über die Bücher gehen und dann entscheiden Luzern im Verkehr ersticken zu lassen respektive die Stadt noch unattraktiver für Besucher zu machen als die Roten und Grünen in der Stadt dies jetzt schon machen.

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  9. Aluveitie, 25.11.2021, 11:22 Uhr

    Die Gegner denken mal wieder sehr kurzfristig. Schon heute ist die Autobahn zu Stosszeiten überlastet. Passiert noch ein Unfall im Sonnenberg steht der Verkehr im Grossraum Luzern still, auch der ÖV. Gerade mit dem massiven Wohnungsbau entlang der Autobahn von Kriens bis Horw braucht dringend einen weiteren Tunnel zur Umfahrung, besser heute als morgen.

    Der Durchgangsbahnhof Luzern wird auch da nicht viel ändern wenn die Einwanderung so weiter geht.

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