Luzern als Kulisse für rechtsextremes Propagandavideo
  • Gesellschaft
Drei Mitglieder der «Jungen Tat» vor den Allmend Türmen (Bild: Screenshot Telegram)

«Junge Tat» präsentiert sich kampfbereit Luzern als Kulisse für rechtsextremes Propagandavideo

2 min Lesezeit 13 Kommentare 18.11.2020, 11:56 Uhr

Auf der Plattform Telegram kursiert ein Video der Gruppierung «Junge Tat», die rechtsextremen Kreisen zugeordnet wird. Zahlreiche Aufnahmen stammen aus Luzern und zeigen die maskierten Männer beim Boxen oder mit rechter Literatur.

Bereits 13’000 Klicks hat das Video einer Gruppe, die sich «Junge Tat» nennt, nach gut zehn Tagen auf der Videoplattform Telegram erzielt. Das Video zeigt, wie Maskierte Transparente mit der Aufschrift «Junge – NAF – Tat» aufrollen. «NAF» steht für «Nationale Aktionsfront». Unter diesem Namen sind bereits andere einschlägige Videos veröffentlicht worden, die der rechtsextremen Szene zugeordnet werden können. Der Luzerner Journalist und Beobachter der rechtsextremen Szene Hans Stutz (Grüne) sagt gegenüber «20 Minuten», die Machart der Videoszene sei aussergewöhnlich, doch kenne man die dargestellte Transparent-Aktion von Aktionen der Identitären.

Die Gruppe «Junge Tat» ist hingegen zumindest auf Telegram bisher nicht aufgefallen. Weitere Szenen aus dem Video zeigen Personen beim Kampftraining oder beim Abfackeln von Feuerwerk im Wald. Schnell wird klar: Viele der Aufnahmen sind in Luzern entstanden. So sind etwa die Türme der Allmend, das Armee-Ausbildungszentrum oder das Gebiet um den Nordpol zu sehen.

Hans Stutz: «Es enthält die Botschaft: Ihr müsst euch durch Bildung und durch körperliches Training vorbereiten auf kommende Auseinandersetzungen. Sei es beim Boxen, beim Wandern oder bei militärischen Übungen im Gelände.»

Im Video werde jedoch nicht genauer darauf eingegangen, auf wen oder was sich die «Junge Tat» vorbereite. «Die Gegner werden nicht bezeichnet. Ob sich dies gegen Linke, Muslime, Juden, Homosexuelle oder andere Gruppen richtet, bleibt offen», sagt Stutz.

Auf der Plattform Telegram reagiert auch die Nationale Aktionsfront auf die Aussagen von Stutz: «Lieber Hans Stutz, Du bekommst in Zukunft bestimmt noch einige Gelegenheiten dich zu unserem „aktivistischen“ Flügel zu äussern. 😉»

Rechtsextreme Literatur

Im Video wird auch rechtsextreme Literatur und Kunst gezeigt. So sieht man beispielsweise, wie ein Mann das Buch «Vom mutigen Leben und tapferen Sterben» aufschlägt und darin liest. Dieses Buch stammt vom deutschen Schriftsteller und nationalsozialistischen Kulturpolitiker Kurt Eggers.

Neben deutscher Literatur schätzt die «Junge Tat» offenbar auch Bücher von Dominique Venner. Er war ein französischer Autor und Mitglied der rechtsextremen Terror-Organisation «Organisation de l’armée secrète (OAS)». Auch der musikalische Hintergrund des Videos ist bewusst gewählt. Man hört Musik von den beiden NS-Rappern Komplott und Prototyp.

Linke reagieren

Die Antworten von linken Bewegungen liessen nicht lange auf sich warten. Einem in der Zwischenzeit gelöschten Post veröffentlichte die «Linke Jugend Luzern Süd» ein Foto eines Transparent mit der Aufschrift: «Junge Tat not welcome».

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13 Kommentare
  1. B Suter, 18.11.2020, 17:45 Uhr

    Wieso werden Autoren namentlich genannt? Wieso gibt Zentralplus solchen Leuten eine Platform?

    1. Redaktion Redaktion zentralplus, 18.11.2020, 17:57 Uhr

      Diese Autoren / Musiker sind bereits einschlägig bekannt und erscheinen mit einer einfachen Suche auf Google. Aus diesem Grund werden sie im Zusammenhang mit der Berichterstattung über das rechtsextreme Propagandavideo in den Medien genannt.

    2. B Suter, 18.11.2020, 19:40 Uhr

      Der Unterschied ist, dass man aktiv danach suchen muss. Hier wird aber eine breite Masse auf das Material hingewiesen und damit ein erster Schritt zu einer eventuellen Radikalisierung gelegt. Ein Beispiel: Islamisten schauen die Youtube Videos von X, hören die Musik von Y und informieren sich auf Webseiten wie Z. Der eine oder andere besucht dann auch so eine Quelle aus Neugier.
      Journalismus muss auch informativ sein aber so eine gesamtheitliche Zusammenstellung rechtsextremer Quellen ist trotzdem fragwürdig.

  2. Dunning-Kruger, 18.11.2020, 13:49 Uhr

    Man darf die Statistik des Bundesamtes für Justiz für das Jahr 2018 zitieren (erhobene Fakten), um aufzuzeigen, woher objektiv die extremistische Gewalt in diesem Land in erster Linie droht:
    Linksextremistische Ereignisse: 226; davon 78 gewaltsame Ereignisse (100 im 2017)
    Rechtsextremistische Ereignisse: 58; davon 0 gewaltsame Ereignisse (1 im 2017)
    Jegliche Art von Extremismus ist illegitim und entschieden abzulehnen. Den „guten“ oder gerechtfertigen Extremismus gibt es nicht. Die demokratische Gesellschaft hat keinerlei Interesse daran. Wer sich aus subjektiven oder moralischen oder vermeintlich hehren Überlegungen darüber hinwegsetzt, das Gewaltmonopol des Staates ablehnt, wird selber zur Gefahr für die Allgemeinheit und muss – jenseits des politischen Spektrums – abgeurteilt werden.

    1. Paul Bründler, 18.11.2020, 18:10 Uhr

      @Dunning-Kruger: Ich sehe das genau so wie Sie.
      Im Moment droht die grössere Gefahr vom Linksextremismus, nur schon, weil er leider in dem Medien viel grössere Akzeptanz geniesst.
      Nach dem Motto „Haltet den Dieb“ wird immer nach Rechts fokussiert und die viel grössere Gefahr von Links mehrheitlich verharmlost.

    2. B Suter, 18.11.2020, 20:03 Uhr

      Sie haben die Daten alleine genommen. Laut Direktors des NDB ist die rechtsextreme Gefahr besonders gegeben, da über ein grosses Waffenarsenal verfügt wird und die Gewaltbereitschaft in der Szene hoch ist. Nackte Zahlen von Vorfällen sagen wenig über die effektive Gefahr für die Bevölkerung aus. Auch muss man bedenken, dass der Rechtsextremismus genau wie der Islamismus sich tendenziell unauffällig verhält, dafür aber umso brutaler äussert. (Anschläge und Morde). Kein Extremismus ist zu rechtfertigen. Bei einem Artikel geht es aber über die rechtsextreme Szene. Hier ist Ihr Hinweis „woher“ extremistische Gewalt angeblich droht, doch verharmlosend und damit auch nicht angebracht.

    3. Irene Aebi, 18.11.2020, 21:03 Uhr

      Was Sie in ihrer Filterblase zu vergessen erwähnt haben: Die Zahl rechtsextremer Ereignisse hat in der letzten Zeit massiv zugenommen. Im von Ihnen zitierten Jahr 2018 waren es dreimal mehr Fälle als noch im Vorjahr. Ausserdem verfügen die Rechtsextremen laut Nachrichtendienst über grössere Mengen an Waffen. Das macht mir dann doch etwas mehr Angst…

  3. Lex Tanner, 18.11.2020, 13:31 Uhr

    Ich glaube nicht, dass es nötig ist, Namen von Büchern, Videos und Rappern zu nennen. Es sei denn, sie sind interessiert daran, diesen Leuten in die Hände zu spielen. Auf jedenfall ist das doch recht gute Werbung für deren Sache. Die Szene freuts.

    1. Redaktion Redaktion zentralplus, 18.11.2020, 17:57 Uhr

      Diese Autoren / Musiker sind bereits einschlägig bekannt und erscheinen mit einer einfachen Suche auf Google. Aus diesem Grund werden sie im Zusammenhang mit der Berichterstattung über das rechtsextreme Propagandavideo in den Medien genannt.

  4. Michael, 18.11.2020, 13:11 Uhr

    Verstörende Szenen. In Luzern gibts keinen Platz für solche „Gruppierungen“. Wird es auch nie geben. Keinen Fussbreit.

    1. Der Nazijäger, 18.11.2020, 13:24 Uhr

      Wir Stadtluzerner dulden keine Rechtsgesinnten! Vielleicht kann Bildung diesen Trotteln helfen, sich von diesem menschenverachtenden Gedankengut abzuwenden.

    2. Karin, 19.11.2020, 21:00 Uhr

      Doch, doch, wir sind schon lange da!
      Wir sind dein Mitarbeiter, dein Mitstudent, dein Brötchenbacker, dein Gestelleinräumer, dein Chef und dein Professor!

  5. CScherrer, 18.11.2020, 12:30 Uhr

    Warum die Medien solchen geistigen Tieffliegern immer wieder eine Plattform gibt, ist mir unerklärlich. Natürlich muss unsere Gesellschaft alles dafür tun, dass solche Gruppierungen keinen Nährboden mehr finden. Diese Gruppierungen sind zu verbieten, weil sie nachgewiesen, rechtsextrem sind. Es ist mehr als nur schwer erträglich, dass es in der heutigen Zeit immer noch solche Idioten gibt. Faschismus, Nationalismus, rechtes Gedankengut haben in einer aufgeklärten Gesellschaft nichts zu suchen. Hier ist die Politik einmal mehr gefordert, denn nur wirklich gute Bildung ist die richtige Waffe gegen Rechtsextremismus.

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