Luxusknast Grosshof? «Ich möchte da nicht rein»
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(Bild: Kanton Luzern)

Kriens: Neuer Gefängnistrakt ist bald bezugsbereit Luxusknast Grosshof? «Ich möchte da nicht rein»

5 min Lesezeit 29.12.2016, 13:21 Uhr

Das Grosshof-Gefängnis in Kriens wurde in den letzten zwei Jahren erweitert und ausgebaut. Neben zusätzlichen Zellen gibt es neu auch eine Mehrzweckhalle oder einen Fitnessraum. Ein Verantwortlicher erklärt, weshalb der Grosshof trotzdem kein Luxusgefängnis ist und wie ein Ausbruch während der Bauphase verhindert werden konnte.

In den letzten zwei Jahren wurde das Grosshof-Gefängnis für 14,9 Millionen Franken ausgebaut. Neu hat das Gefängnis 104 Haftplätze, im Vergleich zu den 64 ursprünglichen Plätzen bei der Fertigstellung der Justizvollzugsanstalt 1998. Im Januar stehen noch letzte intensive Sicherheitstests an, spätestens im Februar erfolgt die Schlüsselübergabe an die Vollzugsbeamten.

Der Umbau war keine einfache Aufgabe, sagt Franz Mülller, Vorsitzender der Baukommission und Leiter Baumanagement bei der Diensstelle Immobilien des Kantons Luzern: «Grundsätzlich ist jeder Umbau unter Betrieb mit Risiken verbunden. Aber ein Gefängnis unter Betrieb auszubauen, das war eine echte Herausforderung.»

 

Der Ausbau auf einen Blick: In Dunkelgrau die drei bestehenden Trakte, die um einen Stock erweitert wurden sowie der komplett neue Gefängnistrakt im Süden.

Der Ausbau auf einen Blick: In Dunkelgrau die drei bestehenden Trakte, die um einen Stock erweitert wurden, sowie der komplett neue Gefängnistrakt im Süden.

(Bild: Kanton Luzern)

«Das Gefängnis ist aus allen Nähten geplatzt»

Die ursprüngliche Kapazität wurde durch die Umnutzung von Räumen und Doppelbelegung von Einzelzellen von 64 auf 97 Plätze erhöht. Das stiess auf Kritik: Mit ein Anstoss für den Gefängnisausbau war unter anderem ein Bericht der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter (NKVF) 2011, der die knappen Platzverhältnisse bemängelte.

Der Grund für den Ausbau des Grosshof ist deshalb klar: «Das Gefängnis ist aus allen Nähten geplatzt», sagt Müller. «Es gibt einen gewissen Bedarf an Haftplätzen und durch die Überbelegungen konnten die gegebenen rechtlichen Standards nicht mehr eingehalten werden.» Namentlich die Vorgaben des Bundes für den Massnahmenvollzug und die Empfehlungen des Europarates für den Freiheitsentzug. Die engen Verhältnisse können zu Problemen führen und sind für die Vollzugsbeamten belastend: «Die Anforderungen ans Personal sind grösser, wenn die Belegung hoch ist», gibt Müller zu bedenken.

«Jeder, der das Baugelände für die Arbeiten am Grosshof betrat, wurde hier genau durchsucht.»

Franz Müller, Präsident Baukommission Grosshof

Sicherheitsschleuse für Bauarbeiter

Als die Bautätigkeiten im Jahr 2014 aufgenommen wurden, waren die Projektverantwortlichen auf mehreren Ebenen gefordert. Insbesondere das Thema Sicherheit hat Müller sehr beschäftigt. Um einen Ausbruch zu verhindern, wurden alle involvierten Personen erst nach einer Sicherheitsprüfung zugelassen.

Es wurde eigens eine Sicherheitsschleuse im Südeingang für die Bauphase errichtet. «Jeder, der das Baugelände für die Arbeiten am Grosshof betrat, wurde hier genau durchsucht», erklärt Müller. Das hat sich bewährt: «Es kam weder zu einem Unfall noch zu einem Ausbruch», bilanziert Müller.

«Ich denke, mit diesen Massnahmen kann man ein Stück Aggressionen und Spannungen helfen abzubauen.»

Franz Müller, Präsident Baukommission Grosshof

Häftlinge haben keinen Sportplatz mehr

Auch die Betreuer der Gefängnisanstalt waren gefordert: Laut Müller war die Bauphase für die Vollzugsbeamten nicht einfach. Die Kommunikation zwischen den Gefängnismitarbeitern und der Bauleitung war sehr intensiv, da konstante Absprachen notwendig waren, um die Sicherheit des Haftbetriebes sicherstellen zu können. Dazu gehören Überlegungen, wann wo gebaut wird und was die Auswirkungen auf die Unterbringung oder die Nutzung in gewissen Bereichen des Gefängnisses waren. «Dies funktionierte nur dank dem gegenseitigen Verständnis und dem Befolgen der gemeinsamen Sicherheitsrichtlinien.»

Die grösste Einschränkung im Zusammenhang mit dem Ausbau war für die Häftlinge wohl der Wegfall des Sportplatzes. Dieses Areal wird nun für den neuen Gefängnistrakt verwendet. Der neu erbaute Mehrzweckraum dient als Kompensation. Der Wegfall der Aussensportanlage hat zwei massgebliche Vorteile: Einerseits ist die Überwachung in geschlossenen Räumen einfacher, andererseits kann er nicht das ganze Jahr hindurch genutzt werden.

Luxusknast Grosshof?

Neben den zusätzlichen Haftplätzen in der geschlossenen Vollzugsanstalt wurden auch dazugehörende Büro- und Arbeitsräume für die Betreuungspersonen geschaffen. Es wurde zusätzliche Infrastruktur für Jugendliche und weibliche Insassen gebaut, ausserdem entstehen weitere Arbeits- und Gewerberäume sowie ein Mehrzweckraum für Bildung und Sport.

So sieht eine Einzelzelle im Grosshof Luzern aus. Die neuen Zellen entsprechen exakt dem Standard der bisherigen.

So sieht eine Einzelzelle im Grosshof Luzern aus. Die neuen Zellen entsprechen exakt dem Standard der bisherigen.

(Bild: Kanton Luzern)

Fitnessräume, ein Spazierhof, eine Bibliothek, ein Mehrzweck- und Werkraum: Das scheinen keine allzu schlechten Haftbedingungen. Ist der Grosshof ein Luxusknast? Müller winkt ab: «Ich möchte nicht da rein. Im Gefängnis kann man nicht raus und sich frei bewegen.» Man biete den Häftlingen gewisse Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, Arbeit sowie Bewegung. Das sei aber auch notwendig: «Ich denke, mit diesen Massnahmen kann man ein Stück Aggressionen und Spannungen helfen abzubauen. Erst dadurch kann man diesen Betrieb überhaupt führen.»

Im Grosshof sind Häftlinge mit einer Haftdauer von weniger als sechs Jahren untergebracht. Wer länger im Bau bleiben muss, wird in anderen Gefängnissen untergebracht. Sie sitzen ihre Haft beispielsweise in den Justizvollzugsanstalten Thorberg oder Lenzburg ab. Damit jederzeit die Aufnahme von Häftlingen gewährleistet werden kann, wurden ausserdem mit dem Umbau auch Notplätze installiert. Im Rahmen des Ausbaus wurde auch der Frauentrakt erweitert: Vier der 32 neuen Zellen sind für die weiblichen Häftlinge vorgesehen.

Blick auf die Rückseite der Justizvollzugsanstallt Grosshof in Kriens.

Blick auf die Rückseite der Justizvollzugsanstalt Grosshof in Kriens.

(Bild: Kanton Luzern)

Alles wird auf Herz und Nieren geprüft

Die Bauarbeiten sind so weit abgeschlossen, jetzt stehen noch intensive Sicherheitstests an. Die ganze Überwachung des Anbaus muss in den bisherigen Bestand aufgenommen werden. Auch mit der Erweiterung läuft alles über die Sicherheitsschleuse am Haupteingang. Das ist sozusagen das Herz der Anlage. Hier laufen alle Informationen und Meldungen zusammen.

Dafür werden spezielle Sicherheitsberater eingesetzt. «Vor der Inbetriebnahme werden jede Tür und jede Überwachung auf Herz und Nieren geprüft», erklärt Müller. «Die absolute Sicherheit gibt es natürlich nie», gesteht Müller jedoch ein.

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