Lustenberger: «Ich schäme mich für diese Politik»
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Die Nationalrats-Kandidaten der Alternative-die Grünen Zug, echauffiert und fröhlich nach einem kleinen Spiel: V.l. Astrid Estermann, Andy Lustenberger und Hanny Schriber-Neiger. (Bild: mbe.)

Zuger Grüne schicken Trio ins Rennen Lustenberger: «Ich schäme mich für diese Politik»

4 min Lesezeit 07.05.2015, 00:24 Uhr

Die Alternative-die Grünen Zug schicken den jungen politischen Senkrechtstarter Andy Lustenberger für die Nationalratswahlen ins Rennen. Zusammen mit Hanny Schriber-Neiger und Astrid Estermann. Das Trio setzt dabei auf bekannte Positionen.

Die drei jetzigen Zuger Nationalräte ständen nicht für die gesamte Zuger Bevölkerung, betonte Andy Lustenberger an der Nominationsversammlung der Grünen am Mittwochabend. Der Zuger ALG-Kantonsrat verhehlte auch nicht, was er von deren politischen Leistungen hält: Gar nichts.

«Wenn ich sehe, welche Politik sie machen, schäme ich mich. Sie haben sich die letzten vier Jahre in keinster Weise für grüne und soziale Anliegen eingesetzt.» Dafür hätten die Parlamentarier zum Beispiel Kriegsmaterialexporten in Kriegsgebieten zugestimmt. Oder mitgeholfen, das Botschaftsasyl abzuschaffen.

Die Alternative-die Grünen seien die einzige Partei, die sich konsequent für die Energiewende und die bedingungslose Hilfe für Menschen in Not einsetze, sagte Lustenberger.

«Nicht Zuwanderung ist schuld an zugebauter Schweiz»

Lustenberger gab sich also kämpferisch und kam gut an bei den knapp 30 Besuchern. Der 29-jährige Baarer ist seit 2012 Co-Präsident der Jungen Grünen Schweiz, seit 2013 Kantonsrat für die Alternativen-die Grünen und arbeitet im Jugendmarketing eines Schweizer Hilfswerks. Als «Listenfüller» habe Lustenberger angefangen, sagte ein Parteimitglied über ihn, dann habe ihn die Politik gepackt: «Wenn er etwas macht, gibt er Gas».

Lustenberger sieht seine Kompetenzen in der Migrations- und Flüchtlingspolitik, zudem will er gegen die Zersiedelungspolitik kämpfen. Nicht die Zuwanderung sei schuld, dass die Schweiz immer mehr zugebaut werde, sondern dass wir immer mehr Platz pro Person beanspruchten und pendelten. Die Lösung liege in Sharing-Modellen, meinte der Nationalratskandidat. Im Kanton Zug engagiert sich Andreas Lustenberger für bezahlbaren Wohnraum und für die Erhaltung von Kultur- und Freiräumen.

Erstmals eine Zuger Frau in Bern?

Die Anwesenden beschlossen, nach einer kurzen Diskussion über die Genderfrage, Lustenberger als Vertreteter der Jugend den ersten Listenplatz zu geben. Auf dem zweiten Platz kandidiert die grüne Kantonsrätin Hanni Schriber-Neiger aus Rotkreuz. Sie ist seit knapp acht Jahren im Kantonsrat und arbeitet in der Raumplanungs- als auch in der Hochbaukommission mit. Weniger motorisierter Verkehr ist Schriber-Neiger wichtig, da dieser über 30 Prozent des Energiekonsums auffresse. Mit viel Herzblut habe sie zudem 2011 gegen die Umzonung im Gut Aabach in Risch gekämpft.

Bodenständige Grüne mit klar linken Positionen

Schriber-Neiger ist eine bodenständige Grüne im wörtlichen Sinn: Sie ist im Freiamt als Bauerntochter aufgewachsen, hat später eine Ausbildung als Typographin – damals ein reiner Männerberuf – gemacht, ist Familienfrau mit zwei erwachsenen Kindern und Weibelin der Gemeinde Risch. Hanni Schriber-Neiger wisse in ihrer bürgerlichen Wohngemeinde, wie man Sachen durchbringe und sei umgänglich und kontaktfreudig. Durch ihren Einsatz habe Risch beispielsweise heute eine Kindertagesstätte.

Die Kandidatin selbst macht klar, dass sie klar grüne Positionen vertritt. Sie fordert zum Beispiel «fairen Handel statt Freihandel» sowie Massnahmen gegen die Lebensmittelverschwendung, die sie als eine Energieverschwendung brandmarkt. Schriber-Neiger will die Atomkraftwerke alle möglichst rasch vom Netz nehmen. Zudem müsse der Autoverkehr unbedingt reduziert werden. «Die Lösung ist eine C02-Abgabe auf alle Brennstoffe.» Und sie sagt Nein zum Stadttunnel und zur zweiten Gotthardröhre. Eine gerechte Steuerpolitik sei ihr ebenfalls wichtig, betonte die Kandidatin.

Estermann: Velo muss wieder populärer werden

Die Liste komplettiert die Stadt-Zugerin Astrid Estermann. Sie ist seit 2003 Mitglied des Grossen Gemeinderats. In der Stadt Zug engagiert sie sich für die Umsetzung der 2000-Watt-Initiative in der Nachhaltigkeitskommission. Estermann fordert den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und sicherere Velowege. «Das Velo ist mir sehr wichtig», sagt sie, «es darf nicht mehr als Risiko bezeichnet werden und muss wieder dem ihm gebührenden Stellenwert als sportliches, gesundes und energetisch sauberes Verkehrsmittel erhalten.»

Sozialpolitik sei ihr zweites Kernanliegen, sagte Estermann. Als Leiterin des Erwachsenenschutzes der Stadt Luzern wehre sie sich gegen die Ausgrenzung von sozial benachteiligten Personen und gegen den Abbau bei den Sozialversicherungen.

Neben dem Trio präsentierten sich an der Versammlung auch die Nationalrats-Kandidaten der Jungen Alternativen, Fabienne Widmer, Alessandro Perucchi und Cristina Gut. Sie hatten ihre Nominationsversammlung bereits früher abgehalten. Die Rischerin Fabienne Widmer ist Wahlkampfleiterin des Nationalratswahlkampfs der Grünen 2015.

Rot-grüner Listenverbindung zugestimmt

Die anwesenden Mitglieder stimmten einstimmig der Listenverbindung mit der SP Zug zu und erteilten dem Vorstand das Mandat für weitere Verhandlungen. Neben der SP habe man auch Gespräche mit der GLP geführt, sagte Co-Präsidentin Barbara Beck. Diese hatten aber bekanntlich kein Interesse an einer Zusammenarbeit, wie zentral+ bereits berichtete. Beck: «Wir führen derzeit noch Gespräche mit den Piraten.»

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