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«Lumturia»: Einmal Luzern – Kosovo retour
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22 Jugendliche standen im kosovarischen Gjilan auf der Bühne. Davon zehn Luzernerinnen und Luzerner. (Bild: actNow)

Ein interkulturelles Jugendtheater sprengt Grenzen «Lumturia»: Einmal Luzern – Kosovo retour

4 min Lesezeit 10.05.2016, 14:28 Uhr

Im Theater Pavillon im Tribschen wird diesen Mai «Lumturia» aufgeführt. Die jugendlichen Spieler von actNow reisten für das Stück in den Kosovo. Im kommenden Jahr geht es in Luzern nochmals weiter – mit einem eigenen Festival.

«Mir geht es darum, verschiedene Begegnungsorte zu kreieren, wo sich die grosse kosovo-albanische Community in Luzern und die Schweizer auch mal abseits vom Fussballfeld begegnen können», sagt Nina Halpern, künstlerische Leiterin des Jugendtheaters actNow. Das junge Ensemble des VorAlpentheaters ist auf internationale Zusammenarbeit ausgerichtet. Und derzeit geht es vor allem um den Austausch mit dem Kosovo. Dabei wird nun das Stück «Wer ist Lumturia?» im Theater Pavillon Luzern aufgeführt.

Zur Truppe, zum Stück

actNow ist das Jugendtheaterensemble des VorAlpentheaters und wird seit 2013 von Nina Halpern geleitet. Es besteht aus zehn Jugendlichen zwischen 16 und 22 Jahren. Seit 2015 ist Selina Beghetto als Dramaturgin fest im Team.

Eine Spielzeit lang hat sich actNow auf die Suche nach «Lumturia» gemacht, in der Schweiz und im Kosovo. Lumturia heisst Glück, ist aber auch ein Mädchenname.

Mit dem Projekt gewann das Jugendtheater den 1. Preis des Zentralschweizer Förderpreises des Migros-Kulturprozent.

Zu sehen ist das Stück noch am 11., 12. und 13. Mai im Theater Pavillon.

Kleine Pläne grösser denken

Im April reiste das Luzerner Jugendtheater für ein Gastspiel nach Gjilan im Kosovo und hat dort mit Jugendlichen vor Ort zusammengearbeitet und aufgeführt. Geplant ist nun, dass im April 2017 dann der eigentliche Austausch stattfinden kann, bei welchem die Jugendlichen aus dem Kosovo nach Luzern kommen. Und bei diesem Besuch soll gleich ganz gross aufgefahren werden – mit einem eigenen Festival.

Das «Lumturia Festival» soll neben Theater auch einen Konzert-, Kunst- und kulinarischen Rahmen bieten. Mögliche Kooperationspartner wie das Treibhaus, das sic! Elephanthouse, das Neubad und die Integrationsstelle Luzern wurden bereits angefragt.

Regisseurin Nina Halpern und Dramaturgin Selina Beghetto

Regisseurin Nina Halpern und Dramaturgin Selina Beghetto

Schwierige Voraussetzungen

Die Idee war von Beginn an, dass Jugendliche aus der Schweiz und dem Kosovo gemeinsam ein Theaterstück entwickeln sollen und dieses in Luzern und im kosovarischen Gjilan zeigen können. «Wir haben uns dann aber dazu entschlossen, das Projekt auf zwei Jahre auszudehnen, weil alles mehr Zeit in Anspruch genommen hat als gedacht», so Halpern. Denn in Gjilan exisitiert keine entsprechenden Partnerinstitution, die wie das VorAlpentheater theaterpädagogisch arbeitetet. Die Jugendlichen vor Ort mussten also erst gefunden werden.

Auf den Kosovo und die Stadt Gjilan kam Halpern durch ein früheres Projekt mit der TheaterFalle Basel, bei welchem sie mit Schauspielern aus Gjilan zusammenarbeitete. «Ich habe gleich Feuer gefangen für die Menschen dort, ihre Gastfreundschaft, ihre Herzlichkeit. Im folgenden Jahr war ich vier Mal im Kosovo und habe dank der guten Vernetzung der Leute vor Ort eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit gefunden.» Das sei jedoch keine Selbstverständlichkeit. «Besonders in Anbetracht der schwierigen Lage im Kosovo.» Die Möglichkeiten dort seien sehr eingeschränkt, berichtet Halpern. «Es herrscht viel Korruption in der Verwaltung.»

Improvisation pur

Die Internatsschule Don Bosko stellte actNow ihre Räumlichkeiten für Proben, Aufführungen und Übernachtungen zur Verfügung. «Wir haben mit zwölf Jugendlichen der Schule eine Woche zusammengearbeitet und gemeinsam mit ihnen das Stück aufgeführt», erklärt Halpern.

Doch der Besuch aus Luzern wurde in der kosovarischen Stadt nicht nur durch die Internatsschule begleitet. Die Kunstschule «Adem Kastrati» hat mit sechs Studenten eine Ausstellung zum Thema gestaltet und die Werke der Schüler an einer Vernissage präsentiert. Das Stadttheater Gjilan stellte die Technik zur Verfügung. Und das Künstlerkollektiv «Varg e Vi» half Halpern bei der Organisation vor Ort.

«Anfängliche Berührungsängste waren rasch überwunden.»
Nina Halpern, Künstlerische Leiterin und Regisseurin actNow

Eigentlich war auch eine Aufführung im dortigen Stadttheater geplant, doch dort werde zur Zeit renoviert und es herrsche Chaos, erzählt Halpern. Die Schauspieler seien alle entlassen worden, der Direktor aus Protest zurückgetreten. «Deshalb mussten wir vor Ort umdisponieren, haben schliesslich auf der Bühne der Don-Bosko-Schule gespielt.»

Das seien aber nicht die einzigen organisatorischen Probleme gewesen. «Die Leute im Kosovo mit denen ich zu tun hatte, sind nicht die besten Planer und Macher, aber super im Improvisieren», amüsiert sich Halpern im Nachhinein.

Jugendliche bleiben Jugendliche

Aber auch mit der eigenen Truppe sei es nicht nur einfach gewesen. Nur schon die Anreise sei eine Story für sich: Treffpunkt war morgens um fünf am Luzerner Bahnhof. Eigentlich. «Zwei von zehn Spielern haben den Zug verpasst und zwei weitere kamen betrunken direkt von der Bravo-Hits-Party in der Schüür. Da bleibt nur Gelassenheit und Vertrauen, dass dann schon alles gut kommt», lacht Halpern. Am Ende seien auf jeden Fall alle heil in Gjilan angekommen.

Vor Ort hätten sich die Jugendlichen schnell gefunden, sagt Halpern. «Anfängliche Berührungsängste waren rasch überwunden und der Zusammenhalt war am Ende so gross, dass bei der Trennung viele Tränen flossen.»

Natürlich wurde in Gjilan nicht nur geprobt. (Bild: actNow)

Natürlich wurde in Gjilan nicht nur geprobt. (Bild: actNow)

Die Kommunikation lief auf Englisch, Albanisch und Deutsch, mit Händen und Füssen. Auf der Bühne wurden dann ebenfalls alle drei Sprachen verwendet. «Es hat wunderbar geklappt. Im Theater funktioniert auch so vieles über den Körper, dass die Sprache oft zweitrangig ist», so Halpern.

Für die Jugendlichen aus dem Kosovo seien die Theaterübungen zuerst zwar ziemlich seltsam gewesen. «Doch bereits am zweiten Tag übernahmen die neuen Spielerinnen und Spieler die Übungen ganz selbstverständlich. Sie eroberten die Bühne im Sturm», so die junge Regisseurin.

Hoffentlich häufen sich die organisatorischen Schwierigkeiten nicht noch einmal, und die Jugendlichen aus Gjilan werden 2017 auch in Luzern nochmals die Bühne erobern.

Volle Power fürs Theater – ein Probe in Gjilan. (Bild: actNow)

Volle Power fürs Theater – ein Probe in Gjilan. (Bild: actNow)

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