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Lukrative Marktlücke oder Liebhaberei?
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Grosses Gedränge und fast kein Durchkommen am ersten Street Food Market in der Lindenstrasse. Das soll bei der zweiten Austragung besser werden (Bild: Archiv/jav)

Neuer Wirtschaftszweig unter der Lupe Lukrative Marktlücke oder Liebhaberei?

5 min Lesezeit 28.07.2015, 10:00 Uhr

Der Streetfood-Trend erobert Luzern – von Juni bis September kommen Geniesser mehrmals auf ihre Kosten. Die Organisatoren sprechen ungern über Finanzen. Fest steht jedoch: Der erste Street Food Market in der Lindenstrasse war ein Verlustgeschäft.

Was man bisher vor allem aus Asien und den USA kannte, gibt es seit Kurzem auch in Luzern: Garküchen, wo Delikatessen-Häppchen frisch zubereitet werden, unkomplizierter Genuss unter freiem Himmel. Die Premiere des Street Food Markets «Streat» in der Lindenstrasse war insofern ein Erfolg. Zumindest, was die Besucherzahlen betrifft: «Wir wurden richtiggehend überrannt», sagt Mitveranstalter Klaus Oberholzer. Zwischen 2500 und 3000 genussfreudige Menschen drängten sich laut Schätzungen am letzten Juni-Wochenende in der Luzerner Multikulti-Quartierstrasse, um kulinarische Leckerbissen zu entdecken (zentral+ berichtete). Der grösste Teil der Anbieter stammte aus Luzern und Umgebung, einige aus Zürich, zum Beispiel die vegane Food-Imbissbude «Unmeat».

Mehr Platz schaffen für Publikum

Die Organisatoren rund um das Luzerner Gastrounternehmen «Sinnvoll Gastro» planen bereits die zweite Ausgabe. Sie findet am Wochenende vom 18./19. September statt. Die wichtigste Lehre, die sie gezogen haben: «Wir werden sicherlich mehr Platz für die Gäste schaffen», sagt Oberholzer. Man werde versuchen, Stände und Tische räumlich zu trennen. Angedacht ist, auf der Dachterrasse des Restaurants Gartenhaus und eventuell an weiteren Orten in der Lindenstrasse Tische aufzustellen.

«Es ist eine Investition in die Belebung der Lindenstrasse und eine Marketingaktivität.»

Klaus Oberholzer, Mitverantwortlicher «Streat»

Maximal 20 bis 25 Aussteller

Wachsen will der Street Food Market nicht. An der ersten Austragung boten 25 Lebensmittelproduzenten, Profi- und Hobbyköche ihre Spezialitäten feil. Das soll so bleiben. Drei bis fünf zusätzliche Stände vertrage es noch, so Oberholzer. Doch die Anfragen – rund 40 Interessenten schon bei der ersten Austragung – überwogen bei weitem das Angebot und den Platz. «Die Qualität beizubehalten ist uns wichtig», sagt Oberholzer. Also weiterhin kein Fast- sondern ausgesuchter Slow-Food.

Kosten von 70’000 Franken nicht gedeckt

War «Streat» kommerziell ein Erfolg? Der Kommunikationsverantwortliche verneint. Umsatzzahlen hat er keine zur Hand. Aber der ganze Event kostete die Veranstalter 70’000 Franken. Davon seien 15’000 Franken nicht durch Einnahmen gedeckt worden, erklärt Oberholzer. Die Sinnvoll Gastro kommt für diesen Betrag auf. Von Defizit will man aber nicht sprechen. «Es ist eine Investition in die Belebung der Lindenstrasse und eine Marketingaktivität», sagt der Sprecher. Sinnvoll Gastro betreibt vor Ort das Restaurant Gartenhaus 1313. Deshalb halte man auch am Standort fest.

Fixer Streetfood-Treffpunkt?

Gibt es bald einmal einen regelmässigen Streetfood-Event? Die Veranstalter und Partner des ersten Street Food Markets «Streat» wälzen Ideen in diese Richtung. «Uns schwebt vor, etwas Kontinuierliches auf die Beine zu stellen», sagt Mitveranstalter Klaus Oberholzer. Angst, dass sie den Luzerner Wochenmarkt konkurrenzieren, hätten sie nicht. Oberholzer: «Wir sprechen eine andere Zielgruppe an.» An einer Sitzung in der letzten Juli-Woche wird sich konkretisieren, ob aus der Idee mehr wird. Die Macher des Street Food Markets sind zum Beispiel Philippe Giesser, Geschäftsleiter der Sinnvoll Gastro, der Störkoch und Kulinariker Stefan Winiger, Marketingspezialist Klaus Oberholzer und andere.

Haupteinnahmequelle war laut Oberholzer der Getränkeverkauf. Dazu kam die Umsatzbeteiligung von zehn Prozent an den Einnahmen der Standbetreiber, mindestens 300 Franken für die zwei Tage. Das Verhältnis des Verkaufs von Getränken und Essen stand laut Oberholzer in einem Verhältnis von rund zwei Dritteln zu einem Drittel. Trotz des erzielten Defizits wird der auf der Webseite von Streat angegebene Minimalbetrag von 300 Franken vorläufig nicht angehoben. Und Sponsoren hat «Streat» keine, so bleibt man unabhängig.

Gastfreundschaft wichtig

Gemäss Oberholzer wolle sich der Street Food Market auch in Zukunft bewusst von anderen Veranstaltungen abheben. Einerseits durch seine Kleinheit und die Qualität der angebotenen Häppchen. Andererseits durch die Gastfreundschaft, welche durch die Zusammenarbeit mit den Profis der Sinnvoll Gastro garantiert werden. «Wir haben viel Feedback erhalten, dass sich die Besucher sehr willkommen gefühlt haben», sagt Klaus Oberholzer.

Weiteres Festival im August

Die Sinnvoll Gastro und ihre Partner sind nicht die einzigen Anbieter, die den Wunsch nach Streetfood in der Zentralschweizer Metropole befriedigen. Vom 7. bis 9. August findet das erste «Street Food Festival» in Luzern statt; der feine Unterschied: dieser Event nennt sich Festival, der andere Market. Die Dimensionen werden vier Mal grösser sein als in der Lindenstrasse: 80 Stände und sechs internationale Bars erwarten die Besucher auf dem gedeckten Aussenfeld des Eiszentrums Luzern.

«2016 werden alle auf den Streetfood-Zug aufspringen.»

André Brönimann, Geschäftsführer Trend Fabrik

Organisiert wird das Streetfood-Festival von der Eventagentur Trend Fabrik aus Aarburg AG. Sie stellt Festivals in verschiedenen Deutschschweizer Städten auf die Beine. Ein erstes fand in Olten statt, jetzt folgt Luzern, danach Bern, im Herbst Basel. André Brönimann, Geschäftsführer der Eventagentur sagt zentral+: «2016 werden alle auf den Streetfood-Zug aufspringen. Wir wollten die ersten sein.» Zumindest in Luzern ist das nicht gelungen, «Streat» kam ihnen zuvor.

12’000 Besucher täglich in Olten

An der Premiere in Olten habe man an einem Tag 12’000 Besucher gezählt, sagt Brönnimann. «Für Luzern rechnen wir mit rund 30’000, das ist immer schwierig zu schätzen.» Der Anmeldeschluss sei abgelaufen. Foodstände werden Leckereien aus der ganzen Welt präsentieren. Im Eiszentrum Luzern wird man neben Spezialitäten aus der Schweiz, solche aus Deutschland und Österreich, Frankreich, Italien und sogar Dänemark probieren können. Die einen Anbieter kommen aus unseren Nachbarländern angereist. Der Ethnofood aus Asien und Südamerika wird von Landsleuten angeboten, die in der Schweiz leben; «Wir haben auch die Zusammenarbeit mit Einheimischen gesucht», erklärt der Geschäftsführer der Eventagentur. «Wir werden Stände aus Luzern, Emmen, Root, Zug und Baar haben», so Brönnimann.

Leicht höherer Preis als «Streat»

Zum Finanziellen sagt der Organisator, der Event in Olten habe mit Gewinn abgeschlossen. Wie hoch dieser ausfiel, will er nicht kommunizieren. Fest steht aber: Auch das Streetfood Festival Luzern arbeitet mit einer Umsatzbeteiligung von 10 Prozent. Ein neuer Standbetreiber zahlt mindestens 225 Franken; das sind bei drei Tagen 675 Franken. Das sei ein marktüblicher Preis, betont Brönnimann, mit einzelnen Anbietern habe man anderslautende Abmachungen, weil sie an verschiedenen Festivals mitmachten oder «Jahresdeals». Das Festival hat zudem einen Getränkepartner aus Luzern gewinnen können.

Der Minimalstandpreis des Festivals ist also um ein Drittel höher als am Anlass in der Lindenstrasse. Inbegriffen ist unter anderem die Eiszentrumsmiete, die Elektrizität, die Abfallentsorgung, Bewilligungen. «Wenn wir alle anfallenden Kosten auf die Standbetreiber runterrechnen würden, müssten die Standmiete weit höher sein», sagt der Geschäftsführer. Der Gewinn stehe zwar nicht im Vordergrund, sei aber schon erwünscht, betont Brönnimann. «Es geht uns Organisatoren, das sind ich und meine Kollegen Koni Begert und Rolf Arnet, um die Leidenschaft für gutes Essen und Gastronomie.»

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