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Luisa ist hier – geht in Zug aber kaum in den Ausgang
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In Zuger Nachtlokalen, wie hier der «Galvanik», werden selten sexuelle Übergriffe gemeldet. (Bild: Rolf Fassbind)

Weil es zu wenigen sexuellen Belästigungen kommt? Luisa ist hier – geht in Zug aber kaum in den Ausgang

4 min Lesezeit 18.05.2019, 18:15 Uhr

Mit dem Hilfsangebot «Luisa ist hier» soll Opfern von sexueller Belästigung geholfen werden. In Zuger Lokalen ist es bekannt, offiziell eingeführt wurde es aber bisher nicht. Erster Ansprechpartner scheint in Zug nicht das Barpersonal zu sein.

In Luzern und Zürich wird in immer mehr Nachtclubs das Hilfsangebot «Luisa ist hier» umgesetzt, im «Rok Klub» oder dem «Club Bellevue» beispielsweise. Das Angebot wurde vom Frauen-Notruf Münster in Deutschland ins Leben gerufen.

Stellt man dem Personal die Frage «Isch d’Luisa da?», wissen sie, dass man Hilfe braucht (hauptsächlich geht es dabei um sexuelle Belästigung) und nehmen das Opfer diskret zur Seite, um weitere Schritte einzuleiten. In Zug ist das Konzept zwar in vielen Clubs bekannt, eingeführt wurde es aber bislang in keinem Lokal.

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So sei das Projekt aufgrund der Medienpräsenz in der «Lounge and Gallery» zwar im internen Gruppenchat thematisiert worden, aktiv umgesetzt werde es aber bisher nicht. «Sollte die Frage auftauchen, wissen die Angestellten nun, worum es geht», sagt Geschäftsführer Enea Nosetti.

Opfer melden sich beim Türsteher

«Wo viele Leute unter Alkoholeinfluss stehen, gibt es immer wieder Auseinandersetzungen und Personen, die sich nicht korrekt behandelt fühlen», so Nosetti. Solche Leute würden sich auch oft melden, in der Regel allerdings beim Türsteher, der der Sache nachgehe und versuche das Problem zu lösen.

Direkt rausgeworfen würden Leute nur in krassen Fällen. Wenn jemand sichtlich betrunken und aggressiv sei, würden die Türsteher oft erst mal mit der Person an die frische Luft gehen und abwarten, ob sie sich wieder beruhigen könne.

In harten Fällen würde die Polizei verständigt

«Üble Fälle von sexuellen Übergriffen sind uns bisher nicht gemeldet worden». Käme so etwas vor, würde der Täter aber vor die Tür gestellt und die Polizei verständigt, so Nosetti.

Das Hilfsangebot «Luisa ist hier» findet der Geschäftsführer der «Lounge and Gallery» sinnvoll. «Ich bin überzeugt, die Hemmschwelle, sich als Opfer zu melden, wird erheblich gesenkt. Es gibt nichts an dem Konzept zu kritisieren», sagt er.

Hausverbot für Übeltäter

Auch in der «Galvanik» wurde das Thema schon besprochen, erklärt Geschäftsführerin Eila Bredehoeft. Dies, damit die Angestellten darauf richtig reagieren könnten, beworben werde das Codewort aber nicht. «Wenn eine Person bei einem sexuellen Übergriff ertappt wird, bekommt sie Hausverbot, das steht auch in der Hausordnung», so Bredehoeft.

«Ich finde es schön, dass durch Luisa über sexuelle Belästigung geredet wird.»

Eila Bredehoeft, Geschäftsführerin Galvanik

«Ich finde es schön, dass durch Luisa über sexuelle Belästigung im Ausgang geredet wird», sagt die Geschäftsführerin. Denn es sei durchaus immer noch ein Thema und soll von den Betroffenen nicht geschluckt werden müssen.

«Ich frage mich allerdings, wie notwendig ein Codewort ist, und kann mir schwer vorstellen, dass es regelmässig genutzt wird», sagt Bredehoeft. Wie sinnvoll die Kampagne ist, hänge für sie auch davon ab, ob nur das Opfer geschützt wird oder es auch Konsequenzen für den Täter gäbe. Denn auch Letzteres hält sie für wichtig.

«Ich werde das Hilfsangebot an der nächsten Teamsitzung ansprechen»

Samuel Frei, Mantra-Bar

Für Samuel Frei von der Mantra-Bar in Zug ist das Projekt «Luisa ist hier» gänzlich neu. Als er davon hört äussert er aber zugleich seine Sympathie gegenüber dem Hilfsangebot. «Das werde ich sicherlich an der nächsten Teamsitzung ansprechen», so Frei.

In der Mantra-Bar wisse er von keinem Fall, in dem sich ein Gast wegen sexueller Belästigung beim Barpersonal gemeldet hätte. Auch hier würden die Leute wohl bevorzugt das Sicherheitspersonal ansprechen.

Übergriffe auf das Barpersonal

Beim Personal sei es hingegen schon zu Übergriffen gekommen, worauf der Täter vor die Tür gestellt worden sei und Hausverbot bekommen habe. Dieses halte in der Regel so lange an, bis sich der Täter entschuldige, und die Entschuldigung vom betroffenen Personal auch angenommen worden sei.

Frei glaubt, die Hemmschwelle für Opfer sexueller Belästigung werde durch Luisa durchaus gesenkt, wenn auch nicht eliminiert. Er sieht in dem Projekt ausserdem eine Chance für seine Bar. «Vielleicht merken wir dadurch, dass es viel öfter zu solchen Fällen kommt, als wir glauben», sagt Frei. «Ich hoffe es zwar nicht», hängt er an.

Obwohl das Hilfsangebot in Zug schon einen relativ hohen Bekanntheitsgrad hat und auf Anklang stösst, wird es noch nicht umgesetzt. Immerhin würde man in den Zuger Clubs aber nicht nur mit grossen Augen angeschaut, wenn man nach Luisa fragen würde.

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