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«Lozärner Wiehnachtsmärt»: Nicht alle Stände laufen wie gewünscht
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Das Wetter spielte mit am «Lozärner Wiehnachtsmärt». (Bild: pze )

Wer jammert, wer jubelt: Marktfahrer ziehen Bilanz «Lozärner Wiehnachtsmärt»: Nicht alle Stände laufen wie gewünscht

5 min Lesezeit 21.12.2016, 05:13 Uhr

Der Weihnachtsmarkt am Franziskanerplatz geht diesen Mittwoch nach drei Wochen Markttreiben zu Ende. Grund genug, sich am «Lozärner Wiehnachtsmärt» einmal umzuhören. Wie verlief die Adventssaison 2016? Die Stimmen könnten unterschiedlicher nicht sein.

Es hat kaum Besucher am «Lozärner Wiehnachtsmärt» am frühen Dienstagnachmittag. In den Gassen herrscht gähnende Leere. Die Händler frieren hinter ihren Waren, viel zu verkaufen gibt es nicht. Höchstens ab und zu eine Waffel für einen hungrigen Studenten oder eine Tasse Tee für frierende Touristen. Man fragt sich: Rentieren sich die Stunden in der Kälte für die Marktfahrer?

In anderen Städten scheint dies nicht der Fall zu sein: Radio SRF berichtete vergangenen Sonntag, dass Weihnachtsmärkte in Zürich, Bern und Kreuzlingen tiefere Umsätze zu beklagen haben. Am Franziskanerplatz steht man jetzt seit drei Wochen in der Kälte, diesen Mittwoch ist der Abschluss. Wie ist das Empfinden der hiesigen Händler?

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Tiefere Umsätze wegen der Kälte?

Heidi Gemperle verkauft Produkte vom Hof – und ist über ihre Marktwochen in Luzern nicht sehr glücklich. Sie machte bedeutend weniger Umsatz als im Vorjahr. Es habe kaum Besucher gehabt, vielleicht wegen der Kälte, so Gemperle. «Vielleicht gehen die Leute für ihre Geschenke eher in ein Einkaufscenter, wo es wärmer ist», mutmasst sie. Sie wägt aber ab: «2015 war ein ausserordentlich gutes Jahr, vielleicht ist da ein Vergleich schwierig.» Trotzdem sei der Umsatz dieses Jahr unter den Erwartungen geblieben.

Unter der Woche ist wenig Betrieb am Weihnachtsmarkt.

Unter der Woche ist wenig Betrieb am Weihnachtsmarkt.

(Bild: pze)

Kundschaft aus der ganzen Schweiz

Annerös Fuchs-Stöcklis Stand präsentiert handgemachte Holzengel und -dekorationen. Gemeinsam mit ihrem Mann steht sie im Verkaufshaus. Sie ist – im Gegensatz zu Heidi Gemperle – mit dem Jahr sehr glücklich: «Wir bieten jedes Jahr etwas Neues, das schätzen unsere Kunden.» Ausserdem würde die Kundschaft aus der ganzen Schweiz anreisen, um an ihrem Stand einzukaufen. «Die Leute mögen eben das Selbstgemachte», so Fuchs-Stöckli.

Die Erklärung für das gelungene Jahr sieht sie beim Wetter: Es sei zum Glück immer trocken geblieben, hätte es geregnet, wären die Leute ausgeblieben. Sie rühmt aber auch den Luzerner Weihnachtsmarkt: «Die Zusammensetzung von Ständen ist in Luzern sehr gut gewählt, es hat nicht bloss Glühweinstände, sondern ein grosses Angebot.»

Wurst und Glühwein sind ein lukratives Geschäft – aber der Weihnachtsmarkt setzt eher auf Warenstände.

Wurst und Glühwein sind ein lukratives Geschäft – aber der Weihnachtsmarkt setzt eher auf Warenstände.

(Bild: pze)

Abflachender «Wow-Effekt»

Die Besucher kennen also die Stände, sie wissen, was sie erwartet. Jedoch: Bekanntheit schlägt sich nicht immer in Profit nieder. Laut Max Held, Verkäufer von Werkzeugen aus Schokolade, lief sein Angebot vor einem Jahr besser – damals sei es neu und aufregend gewesen. Dieses Jahr kannten einige Leute das Sortiment bereits, was sie eher vom Kauf abbrachte.

«Der Wow-Effekt war zu Beginn einfach grösser», sagt Held. Ausserdem habe er von den Nachbarständen gehört, die Besucherfrequenz sei dieses Jahr schlechter als in den Vorjahren. Trotzdem, so Held, sei er mit seinem Verkaufsjahr zufrieden.

Kontinuität im Angebot wird geschätzt

Laut Heinrich Hüsler, Platzwart am «Lozärner Wiehnachtsmärt», ist 2016 ein sehr gutes Jahr gewesen. Auch er sagt: «Der Markt wurde durch das Wetter begünstigt, die Wochenendtage waren sehr stark.» Der Anteil an italienisch sprechenden Touristen sei in diesem Jahr auffallend hoch gewesen. Wie es um den Umsatz des Marktes stehe, könne er nicht beurteilen, dazu gebe es noch keine Zahlen. Aber wie läuft denn nun der «Lozärner Wiehnachtsmärt»? Hüsler ist sich sicher: «Der Weihnachtsmarkt Luzern ist für Händler ein sehr guter Markt.» Wer gut arbeite und gut verdiene, der komme nächstes Jahr wieder. Und man lade die Händler, die gut arbeiten, auch gerne wieder ein. So gäbe es von Jahr zu Jahr eher wenige Wechsel.

«Der Anteil von Food- und Getränkeständen am Markt sollte nie über 20 Prozent sein.»

Heinrich Hüsler, Platzwart «Lozärner Wiehnachtsmärt»

Trotz einzelner negativer Stimmen: Für die Händler sei der Markt sehr attraktiv, sagt Hüsler. Das Platzgeld, das verlangt wird, beträgt 2000 Franken. Darin enthalten sind der Marktstand und die Nebenkosten. Ausgenommen von der Regel sind die Glühweinhändler, die müssten ein Mehrfaches dieses Betrages zahlen, wie Hüsler sagt. Aber er erklärt auch: «45 von 50 Neuanmeldungen für den Markt kommen jeweils für Food- und Getränkestände.»

Halbwegs zufriedene Bahnhofs-Marktfahrer

In Luzern gibt es nicht nur den «Lozärner Wiehnachtsmärt». Im Innern des Luzerner Bahnhofs stehen noch bis am Samstag die Marktstände des «Christkindlimarkts». Auch dort geben sich die Veranstalter positiv. Stephan Dubi, Presseverantwortlicher des «Christkindlimarktes», sagt, der Vergleich mit dem Vorjahr sei schwer: «Dieses Jahr ging der Markt nur 30 Tage, letztes Jahr waren es 36.» Daran müsse man den Gesamtumsatz relativieren: «Wir haben mit sechs Tagen weniger fast den gleichen Umsatz erreicht wie letztes Jahr. Von daher sind wir sehr zufrieden.» Ob das auch die Händler so sehen? «Marktfahrer sind ein eigenes Volk», relativiert Dubi.

Trotz der höheren Grundpreise scheinen Glühwein und Wurst das lukrativste Geschäft zu sein. Ein neuer Getränkestand schafft es aber eher selten, sich einen freien Stand am Markt zu ergattern. Hüsler meint: «Der Anteil von Food- und Getränkeständen am Markt sollte nie über 20 Prozent sein.» Hat man keine Angst, mit dem traditionellen Weihnachtsmarkt irgendwann als überholt zu gelten? Im Gegenteil, sagt Hüsler: «Das ist wie bei der Määs: Die Leute erwarten das, was sie kennen.» 

Veranstalter wollen keine tanzenden Samichläuse

Auf die Frage, ob der Markt seinen Besuchern zusätzlich zu den Ständen etwas bieten muss, erklärt Hüsler: «Der Weihnachtsmarkt setzt nebst seinen Ständen auf Attraktionen für die Besucher. Es treten verschiedene Musikgruppen auf, an jedem Tag findet ein Konzert statt.» Unter der Woche präsentieren Handwerker ihr Schaffen. Dabei kann man beispielsweise einem Glasbläser beim Herstellen von Christbaumkugeln zuschauen.

«Es ist nicht Jubel und Trubel. Der Markt soll besinnlich bleiben.»

Heinrich Hüsler, Platzwart «Lozärner Wiehnachtsmärt»

An einem anderen Tag schnitzt jemand Tierfiguren mit einer Kettensäge. Solche Attraktionen seien spannend für die Besucher, aber auch eine gute Plattform für die Handwerker, sagt Hüsler. Trotzdem: «Es ist nicht Jubel und Trubel. Der Markt soll besinnlich bleiben, es gibt keine tanzenden Samichläuse.»

Weihnachtsmärkte liegen im Trend

Albert Schwarzenbach, Präsident des Vereins Weihnachten in Luzern, zieht eine positive Bilanz. Zwar gebe es keine konkreten Zahlen, ein Indikator für den Erfolg der Weihnachtsmärkte ist laut Schwarzenbach die Konstanz des Angebots: «Wären die Umsätze schlecht, so würden die Händler im Folgejahr nicht wieder einen Stand mieten.»

Er sieht in Weihnachtsmärkten einen Trend: In den letzten Jahren sei das Angebot von Weihnachtsmärkten gestiegen, anscheinend entsprächen sie einem Bedürfnis der Leute. Der Umsatz sei dabei sicher in Ordnung, wie Schwarzenbach sagt: «Wenn es negative Rückmeldungen seitens der Händler gegeben hätte, so wäre dies bis zu mir durchgedrungen.»

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