Low-Budget-Hotel wird nun endlich fertig
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Vom Dach des Hotels hat man einen herrlichen Blick über die Stadt und die Bahngleise. (Bild: rob)

Neues Hotel in der Neustadt Low-Budget-Hotel wird nun endlich fertig

5 min Lesezeit 06.05.2015, 16:28 Uhr

Das «Hotel Fox» an der Neustadtstrasse hätte eigentlich schon lange fertig sein müssen, nun wird es Ende Jahr eröffnet. Ein Haus mit Zimmern unter 100 Franken mitten in der Stadt verblüfft – möglich ist das nur mit ein paar architektonischen Tricks und einer Spur Frechheit.

Die Neustadtstrasse ist gesperrt – und das nicht zum ersten Mal in den letzten Wochen und Monaten. «Es ist derart eng hier, dass wir jedes Mal, wenn wir etwas anliefern, die ganze Strasse absperren müssen», sagt Renzo Testorelli. Er ist der Architekt des «Hotel Fox» und musste schon einiges erdulden rund um den Bau an der Neustadtstrasse in der Luzerner Neustadt.

Eröffnung viel früher geplant

Jetzt ist das schlanke Haus fast fertig gebaut (im Rohbau) und kann noch dieses Jahr eröffnet werden. Eigentlich wäre geplant gewesen, dass das Fox viel früher seinen Betrieb aufnehmen kann. In den Medien war die Rede, dass es bereits 2013 eröffnet werde. Das war leider nur Wunschdenken. Hier, wo vorher ein Cheminée-Verkaufsladen stand, sind die Platzverhältnisse sehr eng, zudem verläuft unmittelbar daneben die SBB-Bahnlinie. «Darum mussten wir einen Schutztunnel über das Gleise bauen», sagt Testorelli. Dieser sollte verhindern, dass versehentlich Baumaterial auf das Bahntrassee fallen könnte, zudem dient der Platz auf dem Tunnel als Ablagefläche für Baumaterialien.

«Der Bau des Tunnels war relativ aufwendig», so der Architekt. Die SBB erlaubt nur zu ganz bestimmten Zeiten Bautätigkeit über den Gleisen. «Zudem fragte man uns von Seiten der SBB, weshalb wir gerade hier bauen wollen», erzählt Testorelli und schmunzelt. «Dabei haben wir das Land ja von den SBB gekauft.» Aber unterdessen funktioniere die Zusammenarbeit tipptopp, versichert er.

Bauen auf kleinster Grundfläche

Auch der Abbau des Tunnels muss wiederum gut koordiniert und zu fix festgelegten Zeiten erfolgen. Dies wird im Juni während drei Nächten geschehen. Pro Nacht dürfen nur zwei bis drei Stunden gearbeitet werden, wenn keine Züge fahren.

«Das ist weniger Grundfläche als es für ein kleineres Einfamilienhaus braucht»

Renzo Testorelli, Architekt

Schwierig waren und sind die Bauarbeiten aber nicht nur wegen der angrenzenden Geleise. Der Platz ist sehr eng. Auf nur 338 Quadratmeter entsteht ein sechsstöckiges Haus mit 64 Hotelzimmern. «Das ist weniger Grundfläche als es für ein kleineres Einfamilienhaus braucht», sagt Testorelli. Man sieht es ihm an, dass er stolz ist auf diese Eckdaten. Schliesslich sei verdichtetes Bauen das Gebot der Stunde – und genau das geschehe hier, mitten in Luzern.

Beispiel für verdichtetes Bauen

Die Verzögerung scheint für den Eigentümer Jörn Gatermann kein Problem zu sein. Der deutsche Investor, der bereits das «Hotel Station» in Zug besitzt und in Deutschland verschiedene Pensionen betreibt, profitiert von den derzeit tiefen Zinsen. So wird die zeitliche Verzögerung zumindest zinstechnisch nicht zu einer all zu grossen finanziellen Belastung. Ein weiterer Vorteil ist, dass unterdessen das Bau- und Zonenreglement in der Stadt geändert worden ist, welches verdichtetes Bauen zulässt. «Dadurch konnten wir einen Erweiterungsbau realisieren», so Testorelli. So konnte das Hotel von 52 auf 64 Zimmer vergrössert werden. Allerdings hat dies – nebst den schwierigen Arbeitsbedingungen wegen der engen Platzverhältnisse – den Bau noch zusätzlich verzögert.

Bis zu 120 Gäste haben Platz

Somit kommt das Fox auf eine stattliche Anzahl Zimmer auf minimalster Fläche. «So kann Gatermann es sich leisten, mitten in der Stadt ein Kleinpreishotel zu realisieren», so Testorelli. 100 bis 120 Gäste wird das Haus dereinst aufnehmen können. Die Zimmer sind zwar klein, sollen aber den Komfort eines 3-Sternehotels ausweisen. Ob dies tatsächlich so sein wird, ist im Moment schwer abzuschätzen. Die Räume befinden sich alle noch im Rohbau, allerdings zeugen die unzähligen Kabel und anderen elektronischen Geräte von einem zumindest modernen Ausbau, der hier realisiert wird.

Mit «Kleinstpreisen» ist gemeint, dass das günstigste Doppelzimmer 99 Franken kosten wird, also knapp unter der 100-Franken-Hürde. Die obere Limite wird bei etwa 120, 130 liegen. Möglich sind diese relativ günstigen Preise unter anderem, weil mit möglichst wenig Personal gearbeitet werden soll. Wer sich eine Hotel- oder gar Piano-Bar erhofft hat, wird enttäuscht. «Es wird lediglich Frühstück angeboten», so Testorelli. Auch eine klassische Réception wird es nicht geben, die Gäste können via automatischen Eingang im Hotel ein- und ausgehen. Einige wenige Parkplätze stehen zur Verfügung – ansonsten werden die Gäste vornehmlich zu Fuss oder mit ÖV anreisen. «Der Bahnhof ist ja in unmittelbarer Nähe», so Testorelli.

Das sechsstöckige, elegente Gebäude, ist stattliche 21 Meter hoch. Entsprechend bieten die Zimmer in der obersten Etage eine schöne Aussicht über die Stadt und die Berge. Was der Bau gesamthaft kostet, wird von Seiten der Gatermann AG nicht kommuniziert. In früheren Medienberichten geisterte die Zahl 5 Millionen herum. Gut möglich, dass diese durch den Erweiterungsbau noch etwas höher ist. Renzo Testorelli versichert aber, dass der Bau im vorgesehenen Kostenrahmen realisiert werden konnte.

Seit 50 Jahren der erste Neubau

Der Luzerner Architekt betont, dass ein Hotelneubau wie das Fox eigentlich eine ziemlich spezielle Sache sei. «Seit dem Hotel Astoria in den Sechzigerjahren ist das Fox der erste Hotelneubau in der Innenstadt, der realisiert wird.» Meist würden bestehende Hotels in der städtischen Kernzone erweitert oder renoviert – ein Neubau wie dieser ist selten.

«Seit dem Hotel Astoria in den Sechzigerjahren ist das Fox der erste Hotelneubau in der Innenstadt, der realisiert wird.»

Renzo Testorelli

Wann genau die Eröffnung ist, kann Testorelli noch nicht sagen. «Es wird aber mit Hochdruck gebaut, so dass es Ende Jahr so weit sein wird.» Endlich.

Keine Freude beim Restaurant «Zur freien Schweiz»

Was denkt man im Quartier über das Fox? Wenig erfreut zeigt man sich in der benachbarten Quartierbeiz «Zur freien Schweiz». Der Neubau hat aus dem lauschigen Gartensitzplatz mit Sicht auf die Bahnleise eine dunkle Ecke gemacht, von wo man nur noch die Wand des Nachbarhauses anstarren kann. «Das ist jetzt der dritte Sommer, bei dem wir die Terrasse nicht benutzen können», beklagt sich Lilo Wirth vom Restaurant. Das sei natürlich gar nicht optimal. «Unsere Gäste ärgert das natürlich auch sehr.» Wegen des Baulärms kämen im Sommer weniger Gäste, was zu einem Umsatzrückgang führe.

Ganz so schlimm findet das indes der Architekt nun auch wieder nicht. Die rund 10 bis 15 Arbeiter würde häufig im «Zur freien Schweiz» essen gehen, was ja auch nicht so schlecht sei für den Umsatz. «Und wenn dann das Gerüst mal weg ist, sieht es auch wieder anders aus», meint Testorelli.

Aber es gibt auch solche, die sich auf das Budgethotel freuen. Das Bed and Breakfast Neustadt Luzern, das nur wenige Meter entfernt ist, begrüsst das neue Angebot. «Für uns ist das ein Gewinn, wenn vermehrt Touristen hierher kommen», sagt Roger Stalder. «Das ist eine Konkurrenz, die für uns bereichernd sein wird.»

Mehr Bilder vom Rohbau des Hotel Fox zeigen wir Ihnen in unserer Bildergalerie:

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