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Lokale Künstler sind vom internationalen Handel abgeschnitten
  • Kultur
Silvan Faessler handelt und vermittelt hochwertige Kunstwerke. Einzelne Stücke präsentiert er in der Zuger Vorstadt. Oft ist er aber für seine Kunden in der ganzen Welt unterwegs. (Bild: mag)

Kunsthandel in Zug und Luzern Lokale Künstler sind vom internationalen Handel abgeschnitten

9 min Lesezeit 10.06.2014, 05:00 Uhr

Der internationale Kunsthandel ist in der Zentralschweiz sehr präsent: Es gibt vermögende Sammler, bedeutende Sammlungen moderner Kunst, international aktive Händler und renommierte Galerien wie Fischer, Gmurzynska und Meile. Wie aber profitieren lokale Künstler davon? zentral+ traf einen Zuger Kunsthändler, sah sich in der Luzerner Kunsthalle um und sprach mit einem Auktionator.

Viele regionale Plattformen bieten Künstlern aus Luzern und Zug die Möglichkeit, ihre Kunstwerke einem interessierten Publikum zu präsentieren. Trotzdem sagt der Zuger Kunsthändler Silvan Faessler: «Es ist für junge Luzerner Künstler nicht unbedingt erstrebenswert, von einer Luzerner Galerie vertreten zu werden.» Denn junge Künstler müssten sich so stark wie möglich international orientieren und «sich mit den wichtigen Fragen unserer Zeit beschäftigen». Das gelinge am besten in einer Stadt am «Puls der Zeit». Über die jungen Künstler aus Luzern und Zug sagt Faessler: «Sie lassen sich deshalb lieber von einer Galerie in Zürich oder Berlin vertreten.»

Die Internationalität spielt im Kunsthandel eine grosse Rolle. Alleine in der Zentralschweiz bekannt zu sein, reicht für den Durchbruch nicht. Renommierte zeitgenössische Künstler hätten deshalb die Zentralschweiz verlassen, meint Kunsthändler Silvan Faessler und nennt zwei Beispiele: «Ugo Rondinone wurde in der Zentralschweiz geboren, arbeitet jetzt im Ausland. Albrecht Schnider ist in Berlin.»

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Handelsvolumen nicht abschätzbar

Der Kunsthandel in der Zentralschweiz läuft auf zwei voneinander praktisch unabhängigen Ebenen ab. Der Grossteil der gehandelten Kunstwerke zählt dabei zum internationalen Handel. In der Zentralschweiz wohnhafte Sammler verkaufen ihre Werke ins Ausland. Umgekehrt kaufen die weltweit bekannten Galerien Fischer, Gmurzynska und Meile Werke von Sammlern in den USA, Russland oder China. Der Kauf und Verkauf von Kunst auf der regionalen Ebene macht den kleineren Teil des Handels aus: Kunstinteressierte kaufen Kunst, um diese im Eingangsbereich oder im Wohnzimmer ihrer Wohnung aufzuhängen – oder für ihr Büro. Unternehmen kaufen Kunst für Büros, Sitzungszimmer oder ihren Empfangsbereich. Auch staatliche Institutionen kaufen Kunst zur Ausstattung ihrer Räumlichkeiten.

Wie viel Geld in der Zentralschweiz in Kunst investiert wird und welches Volumen gehandelt wird, sei derweil unmöglich zu schätzen, sagt Silvan Faessler.

«Wir sind stark international ausgerichtet», sagt Kuno Fischer, Auktionator und Geschäftsführer der gleichnamigen Luzerner Galerie – dem ältesten Kunstauktionshaus der Schweiz. «Wir pflegen Kontakte zu Sammlern und Händlern aus der ganzen Welt, vor allem aus London, Paris, München und New York.» Zunehmend würden Sammler aus Russland und Asien als Käufer auftreten.

«Meine Tätigkeit als Kunsthändler hat wenig mit der Zentralschweiz zu tun.»

Silvan Faessler, Kunsthändler

Regionale Plattformen für junge Künstler

Es gibt zahlreiche Plattformen, auf denen sich junge Künstler in Luzern und Zug präsentieren können. Die Kunsthalle Luzern fördert schwerpunktmässig junge Künstler aus der Zentralschweiz und stellt ihre Werke aus. Zeitgenössische Galerien arbeiten ebenfalls mit jungen Künstlern zusammen. Beispiele hierfür sind die Galerie Carla Renggli in Zug und Hilfiker Kunstprojekte in Luzern.

Dazu kommen verschiedene Veranstaltungen: Die «Kunstpause» in Zug ist ein grosses Festival für junge Kunst. Sie bringt junge Künstler und Kunstliebhaber zusammen (zentral+ berichtete). In Meggen findet Mitte Juni die «Offene Atelier Tour» (Moat) und im November in Luzern die «Tage der offenen Ateliers» statt. Die Veranstaltung in Luzern wurde bereits in den Jahren 2010 und 2012 organisiert.

Daneben existieren unzählige Ausstellungsräume, Stiftungen und Angebote im Internet, die lokal tätigen Künstlern in der Zentralschweiz eine Präsentationsmöglichkeit bieten.

Auch Silvan Faessler, der bei verschiedenen Auktionshäusern und Galerien gearbeitet hat, streicht die globalen Bezüge des Kunsthandels heraus: «Meine Tätigkeit als Kunsthändler hat wenig mit der Zentralschweiz zu tun. Sie basiert auf persönlichen Beziehungen zu einzelnen Sammlern, die ich schon seit vielen Jahren kenne.» Ob diese Kunden in der Zentralschweiz zuhause seien oder nicht, spiele dabei überhaupt keine Rolle. Der Kunsthandel sei global und könne deshalb nicht auf ein regional begrenztes Gebiet wie die Zentralschweiz eingeschränkt werden.

20 international bedeutende Privatsammlungen moderner Kunst

Zum internationalen Kunsthandel zählen auch vermögende Privatsammler, die in der Zentralschweiz wohnen. Auktionator Kuno Fischer spricht in diesem Zusammenhang sogar von einer «sehr grossen Sammlergemeinde». Es gebe herausragende Sammler der klassischen Moderne mit Werken von Alberto Giacometti, Hans Arp, Henry Moore und Joan Miró. Dazu kämen Sammler von impressionistischen Werken. Als erstes nennt Fischer aber die Sammler der internationalen zeitgenössischen Kunst. 

Ein Beispiel dafür ist der im Schloss Mauensee wohnhafte Uli Sigg, der eine weltweit renommierte Sammlung zeitgenössischer chinesischer Kunst besitzt. Zu Sigg sagt Kunständler Faessler: «Er hat einen enormen globalen Einfluss, ermöglicht Ausstellungen und tritt als Meinungsmacher auf.» Dass er im Kanton Luzern wohnt, spiele in Bezug auf seinen Einfluss keine Rolle.

Wie viele bedeutende Privatsammlungen in den Kantonen Luzern und Zug vorhanden sind, kann der Auktionator Kuno Fischer nicht genau sagen. Er schätzt, dass es «sicher ungefähr 20 Sammlungen moderner Kunst gibt, die im internationalen Vergleich wirklich bedeutend sind».

Die 1907 gegründete Luzerner Galerie Fischer ist das älteste Schweizer Kunstauktionshaus. Mit ihrem Engagement prägte die Galerie auch den Auf- und Ausbau zahlreicher privater wie öffentlicher Kunstsammlungen im In- und Ausland. (mag)

Die 1907 gegründete Luzerner Galerie Fischer ist das älteste Schweizer Kunstauktionshaus. Mit ihrem Engagement prägte die Galerie auch den Auf- und Ausbau zahlreicher privater wie öffentlicher Kunstsammlungen im In- und Ausland. (mag)

(Bild: mag)

Standort kaum Erfolgsfaktor

Dass in der Zentralschweiz viele vermögende Personen mit teilweise ausländischer Herkunft leben, davon könne er als Kunsthändler «überhaupt nicht» profitieren, sagt Silvan Faessler und verweist erneut auf die globale Vernetzung. «Der Kunsthandel ist so stark globalisiert, dass international tätige, in Zug wohnhafte Personen zum Beispiel zwischen London und Hongkong pendeln und dort ihre Objekte kaufen. Der Kunsthandel funktioniert nicht gleich wie der regionale Gemüsemarkt», vergleicht Faessler.

Für ihn als Händler sei der Standort deshalb in bescheidenem Masse ein Erfolgsfaktor. «Als Sammler kaufen und verkaufen Sie nichts, nur weil sich Ihre bevorzugte Galerie am selben Ort befindet.» Bevor ein Geschäft abgewickelt würde, müsse zuerst ein Vertrauensverhältnis zwischen Sammler und Händler entstehen.

Weil der ganze Kunsthandel in erster Linie auf Vertrauen basiere, sei das besonders wichtig. «Ich versuche viele Informationen zu meiner Person zu geben. Das schafft Transparenz. Diese Art zu arbeiten erwies sich für mich als gut», fährt Faessler fort.

Keine Spekulationen mit Zentralschweizer Kunst

Vermögende Privatsammler beteiligen sich aber nicht nur am internationalen Kunsthandel. Sie interessierten sich vereinzelt auch für lokale zeitgenössische Künstler. «Es kann für Sammler sehr attraktiv sein, mit dem Künstler persönlichen Kontakt zu pflegen und die Werke zu besprechen», begründet dies Kuno Fischer. Dies sei für Sammler und Künstler sehr bereichernd.

«Sehr viele private Sammler, die vor allem Zentralschweizer Kunstschaffende fördern und den Kontakt zu ihnen pflegen, gibt es leider nicht.»

Urs-Beat Frei, Präsident des Trägervereins der Kunsthalle Luzern

Dass diese Kontakte bestehen, bestätigt Urs-Beat Frei, Präsident des Trägervereins der Kunsthalle Luzern. Er nennt als Beispiel einen Luzerner Juristen, der eine private Sammlung besitzt und fast ausschliesslich Werke von Zentralschweizer Kunstschaffenden kauft. Frei relativiert aber: «Sehr viele solche private Sammler, die vor allem Zentralschweizer Kunstschaffende fördern und den Kontakt zu ihnen pflegen, gibt es aber leider nicht.»

Die Frage sei grundsätzlich, welche Motive zu einem Kunstkauf führten. «Wenn es allein um eine Geldanlage, eine Investition geht, die auch noch eine Wertsteigerung bringen soll, dann ist der grösste Teil der Zentralschweizer Kunst nicht interessant», sagt Urs-Beat Frei. Es gebe ja aber auch noch andere Motive, um Kunst zu kaufen, fügt er an.

Nebenjob Künstler

«Hier leben relativ viele Kunstschaffende, die lokal tätig sind», sagt Frei. Dazu komme, dass jährlich eine ganze Reihe von «diplomierten Künstlern» die hiesige Hochschule verlassen würden. Das führe zweifellos zu einer erheblichen Konkurrenzsituation. «Die Kunstschaffenden müssen sich deshalb positionieren. Es ist kein Zufall, dass Kunststudenten heute an der Hochschule lernen, ein Portfolio zu erstellen und sich zu vermarkten.»

Ein verschwindend kleiner Teil der Künstler könne dabei alleine vom Verkauf eigener Werke leben, sagt Frei. «Viele Kunstschaffende haben deshalb einen zusätzlichen Job, arbeiten Teilzeit als Angestellte oder als Assistenten, zum Beispiel an einer Hochschule, oder unterrichten im gestalterischen Bereich an einer Mittelschule.»

Erfahren Sie auf der nächsten Seite, ob Luzern als Kunststadt bezeichnet werden kann und was Kunstliebhaber mit schmalem Portemonnaie in der Zentralschweiz für Möglichkeiten haben.

Kunststadt Luzern?

Es bleibt die Frage, ob die lokalen Künstler vom internationalen Kunsthandel in irgendeiner Form profitieren. Von den bekannten Galerien und Museen könnten die Künstler insofern profitieren, «als sie mit anderen künstlerischen Positionen und Strategien in Kontakt kommen und so ihren eigenen Horizont erweitern.» In finanzieller Hinsicht springe für sie dabei allerdings kaum etwas heraus, ist Frei überzeugt.

Überdies gäbe es den Versuch, die Stadt Luzern als Kunststadt zu positionieren. Aber da bleibe es beim Versuch. Der Präsident des Trägervereins der Kunsthalle sagt: «Luzern ist in der Schweiz vor allem als Musikstadt erfolgreich, als Kunststadt ist sie das nur bedingt. Das merkt man im Vergleich mit anderen Städten.» Dass sich Luzern nicht als Kunststadt etablieren könne, habe freilich nichts zu tun mit der Qualität der hier entstehenden Werke.

Unter dem Strich zeigt sich ein Bild mit klaren Kontrasten: Die Kunst von lokal tätigen Künstlern und die international gehandelten Werke bewegen sich in verschiedenen Sphären. Es gibt zwar «einige wenige zeitgenössische Künstler, die den Sprung auf den internationalen Kunstmarkt geschafft haben», wie Kuno Fischer sagt. Und es gibt Künstler aus der Zentralschweiz, die mit ihren Werken allgemein gute Preise erzielen.

Tatsache ist aber, dass die Werke junger Luzerner und Zuger Künstler selten einen Platz in den renommierten Galerien erhalten – und damit nicht ins Blickfeld des internationalen Kunsthandels rücken. Das Augenmerk international tätiger Händler und vermögender Kunstsammler gilt anderen, grösseren und interessanteren Städten in Europa oder anderswo.

Viel Kunst für wenig Geld

Eines haben die etablierten Galerien und die den jungen Künstlern zur Verfügung stehenden Plattformen dennoch gemeinsam: An beiden Orten können Kunstliebhaber mit einem schmalen Portemonnaie ein Kunstwerk kaufen.

«Kunstliebhaber mit wenig Geld haben sehr viele Möglichkeiten, ein Objekt zu erwerben», sagt Kunsthändler Silvan Faessler. Er bedauert aber, dass nur die wenigsten sich die Mühe machten, nach Kunst Ausschau zu halten und sich selber ein Urteil zu bilden. «Es gibt unglaublich viel gute Kunst, die nicht teuer ist. Einerseits von wirklich jungen Künstlern aus der Off-Space-Szene. Andererseits gibt es im Handel und bei Auktionen extrem viele Gebiete, die einfach unterbewertet sind, weil sie nicht zur Mode gehören.» Der Kunsthandel sei der klassischste Fall von Marktwirtschaft. Wenn zwar ein Angebot, nicht aber eine Nachfrage bestehe, fielen die Preise in den Keller, sagt Faessler.

«Kunstliebhaber mit wenig Geld haben sehr viele Möglichkeiten, ein Objekt zu erwerben.»

Silvan Faessler

Der Zuger Kunsthändler fügt an: «Sehr viele Personen kaufen heute nicht, weil sie sich für ein Bild interessieren. Der ganze Kunstmarkt wird über Investments definiert. Das ist Blödsinn. Einer der wichtigsten Grundsätze des Sammelns ist: Sie beschäftigen sich mit einem Künstler und kaufen die beste Arbeit, die Sie finden und sich leisten können.»

Gemäss Urs-Beat Frei besuchen Interessierte die Künstler am besten selber in ihrem Atelier. Der Auktionator Kuno Fischer rät seinerseits: «Ein Auktionshaus bietet eine sehr angenehme Plattform für den Einstieg ins Sammlertum.» Denn: «Bei Auktionen gibt es auch Objekte unter tausend Franken lokaler und internationaler Künstler.»

Geldwäscherei und Fälschungen in der Zentralschweiz

Gemäss Kuno Fischer, Geschäftsführer der Galerie Fischer und Präsident des Verbands Schweizer Auktionatoren, werden Geldbeträge ab 20’000 Franken «fast ausschliesslich» via Banküberweisungen transferiert. Dabei seien Banken beteiligt, die nach den gesetzlichen Vorgaben und internen Richtlinien die Rechtmässigkeit der Transaktion prüften. «In diesem Sinne ist Geldwäscherei kein Thema», sagt Fischer bestimmt. Für gegenteilige Medienberichte fehlten Fälle und Belege. «Zudem sind die Preise für Kunst, abgesehen von den sehr wenigen ganz hohen Beträgen, nicht so hoch, als sich dadurch systematisch Geldwäscherei betreiben liesse.»

Zuletzt in der Kritik stand die Galerie Gmurzynska mit Räumlichkeiten in Zürich, St. Moritz und Zug. Es besteht der Verdacht der Steuerhinterziehung. Die Galerie soll Kunst aus Zollfreilagern eingeführt haben, ohne diese den Zollbehörden vorzulegen und die fällige Mehrwertsteuer zu entrichten. Daten, die bei einer Durchsuchung von Geschäftsräumen und Lagern im April 2013 sichergestellt wurden, waren bisher auf Verlangen der Galerie versiegelt. Das Bundesgericht hat die Versiegelung aber Mitte Mai 2014 aufgehoben. Damit dürfen die Zollbehörden die Daten untersuchen.

Silvan Faessler seinerseits schliesst «praktisch keine» Geschäfte gegen Bargeld ab. «Im Verkauf gibt es bei mir keine Barzahlungen. Wenn ich den Käufer kenne und ihm vertrauen kann, dann stelle ich eine Rechnung, nachdem ich das Werk an ihn ausgeliefert habe. Sonst muss ich zuerst die Zahlung haben.»

Zum Thema Fälschung sagt Fischer, sie prüften mit verschiedenen Experten die Kunstobjekte, bevor sie diese in die Auktion aufnehmen und im entsprechenden Katalog detailliert beschreiben würden. So könne ein Auktionshaus am besten sicherstellen, dass die angebotenen Werke authentisch sind. «Es gilt, sehr aufmerksam zu sein und mit dem nötigen, kritischen Blick auch sehr attraktiv scheinende Objekte zu hinterfragen.»

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