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Lohn bereits für 12-Jährige verbessert das Familienleben
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Beim Jugendlohn entscheiden Kinder selbst, wofür sie ihr Geld ausgeben. (Bild: Fotolia )

Hochschule Luzern forscht zum Thema Jugendlohn Lohn bereits für 12-Jährige verbessert das Familienleben

3 Min 20.03.2018, 10:48 Uhr

Jugendlohn ist ein Erziehungsmodell, bei welchem Eltern ihren Kindern Geld geben, diese dafür früher mehr Verantwortung übernehmen müssen. Eine neue Studie der Hochschule Luzern zeigt, dass das Modell auch das Eltern-Kind-Verhältnis während der Pubertät beeinflusst.

Das Prinzip des Jugendlohns ist einfach: Die Jugendlichen erhalten früh – empfohlen wird die Einführung mit 12 Jahren – mehr Kompetenzen und Verantwortung für eigene Bedürfnisse. Dazu gehört, dass ihnen ihre Eltern einen fixen monatlichen Betrag geben, mit dem sie selbstständig bestimmte Lebenskosten verwalten. Hierzu können zum Beispiel Kleider, Coiffeur, Velo, Handy oder Sport gehören.

Ziel ist es, dass Jugendliche lernen, eigenständige Entscheidungen zu treffen, Geld einzuteilen, Konsumwünsche und notwendige Anschaffungen gegeneinander abzuwägen und ein realistisches Preisbewusstsein zu entwickeln.

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Diesen Dienstag hat Claudia Meier Magistretti von der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit die Studie in Zürich vorgestellt. «Es lässt sich aus den Antworten der Eltern klar festhalten, dass Diskussionen, Konflikte und Streit um Geld durch den Jugendlohn abnehmen.»

Der Verein Jugendlohn

Der Verein Jugendlohn hat zum Ziel, den Jugendlohn weiträumig bekannt zu machen. Dazu werden Elternveranstaltungen angeboten, Referierende ausgebildet und Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Im Verein sind Pro Juventute Schweiz, die Schuldenprävention der Stadt Zürich, Plusminus Budget- und Schuldenberatung Basel, die Müller-Möhl Foundation und Elternbildung CH vertreten. Jugendlohn ist eine in der Schweiz, in Deutschland und Österreich geschützte Marke.

Generell hätten sich die Ablösungsprozesse in der Familie vereinfacht. «Die Jugendlichen erleben und erfahren sich als ‹ernst genommen› und ‹erwachsener›, weil ihnen Selbstständigkeit zugetraut wird.» Umgekehrt würden die Eltern erfahren, dass ihre Kinder vernünftiger handeln und tatsächlich selbstständig sind. «Oft stärker, als ihnen das die Eltern zugetraut hätten», sagt Meier Magistretti.

Kaufen sich Eltern gehorsam?

Jede zweite Familie verknüpft die Einführung des Jugendlohns mit neuen Abmachungen. Mehrheitlich betreffen diese das familiäre Zusammenleben. Etwa dass ein Kind selber bestimmen darf, wann es zu Bett geht. 85 Prozent halten die Abmachungen zum Jugendlohn schriftlich fest und fast alle Jugendlichen halten sich daran. Kaufen sich Eltern also Gehorsam? Meier Magistretti verneint das nicht. «Solche Antworten gab es tatsächlich. Es wurde etwa gesagt, dass der Jugendlohn gekürzt wird, wenn die ‹Ämtli› nicht gemacht werden.» Andere Eltern würden jedoch nur festhalten, was selber finanziert werden muss. Weitere würden lediglich abmachen, wann und wie der Lohn ausbezahlt wird. Rund die Hälfte der Jugendlichen erhält einen Jugendlohn zwischen 100 und 200 Franken.

Die Höhe des Jugendlohns liegt in der Regel zwischen 100 und 200 Franken.

Die Höhe des Jugendlohns liegt in der Regel zwischen 100 und 200 Franken.

(Bild: Printscreen Studie)

Der Jugendlohn entlastet die Eltern, da es weniger Konflikte um Geld gibt. Zudem wird der Ablösungsprozess früh, aber sanft und bewusst eingeleitet. Dadurch verbessert sich die Beziehung zwischen Jugendlichen und Eltern.

Nichts geht über die Sicherheit der Kids

Gewisse Ausgaben wollten Eltern bewusst in der eigenen Verantwortung behalten. Unregelmässige und seltene und somit schlecht planbare Ausgaben wurden häufig ausgeschlossen. Auch ist den Eltern wichtig, dass die Kinder nicht am falschen Ort sparen, etwa bei der Skiausrüstung oder dem Musikunterricht.

Studienautorin Claudia Maria Magistretti.

Studienautorin Claudia Meier Magistretti.

(Bild: HSLU)

Immer wieder taucht das Thema der Jugendverschuldung auf. Meier Magistretti sagt, dass die Schuldenfalle erst ab 18 Jahren zum Problem wird. Dennoch könne der Jugendlohn dem Problem vorbeugen. «Er wirkt präventiv, indem die Jugendlichen früh das lernen, was als Schutzfaktoren in Bezug auf das Überschuldungsrisiko im Erwachsenenalter bekannt ist: Selbstwirksamkeit, Finanzkompetenz, Einstellung zum Geld, überlegte Kaufentscheidungen, Belohnungs-und Konsumaufschub.» Weiter sei eine gute Beziehung zu den Eltern in der Schuldenprävention zentral.

Über die Studie

Der Auftrag der Studie war, die Nutzung des Webseite Jugendlohn zu analysieren sowie den Zugang zum Modell und die Qualität der Informationswege zu untersuchen. Weiter interessierten die Umsetzung des Jugendlohns in den Familien, die Beurteilung des Nutzens des Jugendlohns durch die Eltern, die Gründe zum Abbruch des Jugendlohns nach dessen Einführung sowie Verbesserungspotenziale.

Zur Teilnahme eingeladen wurden alle Eltern, die in den Jahren 2014 bis 2016 die Webseite des Vereins Jugendlohn besucht und dort ihre E-Mail-Adresse für Download und Evaluation angegeben hatten. Die Einladung zur Online-Befragung wurde an 5’800 Personen versendet. Insgesamt haben 944 Befragte den Fragebogen vollständig und auswertbar ausgefüllt. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 16 Prozent.

 

 

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