Lockerungen am 22. März? Luzerner Zahlen sprechen dagegen
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Der Bundesrat möchte am 22. März die Restaurant-Terrassen öffnen – wenn die Bedingungen stimmen.

Höchster R-Wert der Schweiz Lockerungen am 22. März? Luzerner Zahlen sprechen dagegen

3 min Lesezeit 11 Kommentare 10.03.2021, 14:15 Uhr

Der Bundesrat stellt lang ersehnte Lockerungen in Aussicht, etwa die Öffnung von Gastro-Terrassen für den 22. März. Doch die damit verknüpften Bedingungen erfüllen viele Kantone nicht – Luzern schert bei einem Wert sogar obenaus.

Endlich wieder ins Fitnessstudio, im kleinen Rahmen ein Konzert besuchen oder sich ein Bier im Freien servieren lassen – der Bundesrat stellt für die dritte Märzwoche weitere Lockerungen in Aussicht. Diese sind aber an Bedingungen geknüpft: Die Positivitätsrate im 7-Tage-Schnitt muss weniger als 5 Prozent betragen und der R-Wert unter 1 liegen.

Zudem darf die Fallzunahme im 14-Tages-Schnitt nicht über den Wert steigen, der bei den letzten Lockerungen Anfang März herrschte. Schweizweit sollten zudem weniger als 250 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt sein.

Schweizweit ist derzeit einzig das Kriterium der belegten Intensivbetten erfüllt. Der R-Wert liegt derzeit knapp über 1, fast überall steigen die Fallzahlen auf noch tiefem Niveau. Die Positivitätsrate bei den Tests liegt am Mittwoch bei 5,3 Prozent.

Seit sechs Tagen gilt «Phase Rot»

Der Trend zeigt auch in Luzern gerade besonders stark in die falsche Richtung: Die Corona-Ampel hat schon vergangene Woche ausgeschlagen und auf Rot gestellt: Die Fallzahlen im 7-Tages-Verlauf zeigten – auch hier auf tiefem Niveau – eine starke Zunahme im Kanton Luzern (zentralplus berichtete).

In den vergangenen Tagen hat sich die Seuchenlage akzentuiert: Zwar sind die Fallzahlen (9. März: +93) weiterhin relativ tief, doch der Trend sagt derzeit keine Besserung voraus: «Phase Rot» gilt nun seit inzwischen einer Woche.

Der R-Wert ist nirgends in der Schweiz höher

Rekordhoch ist aktuell gar der R-Wert von 1,25 (Stand 9. März), der auf der Website des Kantons angegeben wird. Nirgends in der Schweiz steckt eine infizierte Person in der Schweiz aktuell mehr andere Personen an, als im Kanton Luzern. Nur Basel-Stadt (1,22) weist derzeit einen ähnlich hohen Wert auf.

Etwas besser sieht es bei der 14-Tages-Inzidenz aus. Hier liegt Luzern mit 142 Fällen pro 100’000 Einwohner klar unter dem Zielwert von 165. Bei diesem Faktor sorgt besonders die Lage in den Grenzkantone Tessin (186,9), Wallis (242,8), Genf (265), Waadt (267) oder Neuenburg (231) dafür, dass die Werte zu hoch sind.

Bei den Impfungen im Mittelfeld

Bei den Impfungen liegt Luzern weiter im Mittelfeld: Mit einer Rate von 4,5 Prozent vollständig geimpfter Personen ist man besser unterwegs als Neuenburg (3,1 Prozent) mit der tiefsten Quote, aber auch weit weg vom kleineren Kanton Nidwalden, der mit 7,2 Prozent Impfrate das Feld anführt.

Die Expertinnen der Task-Force des Bundes zeigten sich am Dienstag besorgt über die schweizweit leicht ansteigenden Zahlen der letzten Tage. Sie appellierten, die Hygienemassnahmen einzuhalten. Das Voranschreiten der Impfungen werde entscheidend sein für die nächsten Lockerungsschritte.

Bundesrat will am 19. März entscheiden

Ob die ersehnten Lockerungen am 22. März also in die Tat umgesetzt werden können, scheint aktuell zumindest fraglich. Entscheiden will der Bundesrat am 19. März. Die Vorgaben des Bundesrates beziehen sich auf die ganze Schweiz – Lockerungen nur in bestimmten Kantonen sind nicht vorgesehen.

Auf der anderen Seite können die Kantone weiter zusätzliche Massnahmen beschliessen. «Der Regierungsrat wird die Notwendigkeit der kantonalen Massnahmen, die über jene des Bundes hinausgehen, ebenfalls auf den 22. März 2021 hin erneut überprüfen und gegebenenfalls anpassen», heisst es auf Anfrage von zentralplus seitens der Gesundheitsdirektion des Kantons Luzern.

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11 Kommentare
  1. Der Obernauer, 11.03.2021, 08:20 Uhr

    Nach meiner persönlichen Auffassung wurstelt der Kanton Luzern seit einem Jahr in der Coronakrise vor sich hin. Keien Fakten, nur Alarmismus ( Stufe ROT ) und unverständliche Aktionen ( Impstoff verschenken / Feldlazarett in Notwil ).
    Unprofessionelle Informationsflüsse zur Bevölkerung runden das Bild ab.
    Es wäre nun an der Regierung hier umzuschwenken und sich professioneller Aufzustellen. Vielleicht sogar mit einer Beratung durch Profis. Das Mittelfeld mit Orientiereung nach Hinten sollte nicht das Ziel einer Regierung sein …

  2. Karl-Heinz Rubin, 11.03.2021, 07:01 Uhr

    Das grösste Problem ist das Virus Meinung.
    Die Meinung jeder kann dem anderen die Schuld zuweisen.
    Die Meinungen werden vermeintlich im geheimen geschmiedet (Telegramm als Beispiel).
    (Verschwörungstheoretiker, Impfgegner, Maskenverweigerer).
    Noch schlimmer sind Politiker die sich untereinander nicht einig sind, die Wirtschaft die zur Öffnung drängt und Stammtischredner und Handaufleger mit potenzial zum überirdischen.
    Nicht nur das Virus vermehrt sich immerzu und mutiert, es ist auch das Virus Meinung das langsam überhand gewinnt und zuletzt nichts zu einer Lösung beitragen wird.

    1. Peter Bitterli, 11.03.2021, 08:54 Uhr

      Wo käme man in der Tat hin, wenn man jedem eine Meinung zubilligen wollte! Am Ende äussert er sie noch. Oder – entsetzlich! – wenn Politiker „sich untereinander“ nicht einig sind!! Gut, dass es noch vorbildliche Staaten gibt, wo solche Katastrophen nicht passieren können. In diesen drängt in der Regel auch keine Wirtschaft zur Öffnung, weil es erst gar keine gibt.

  3. Franz Pfoster, 11.03.2021, 01:56 Uhr

    Wann wird es endlich auch der Presse klar, wenn es schon den verantwortlichen Bundesräten und Regierungsräten je länger wie mehr nicht klar zu sein scheint, dass das Covid-19-Virus nicht für 100, nicht für 50, nicht für 20, nicht für 5 und nicht für 1 Prozent der gesamten Schweizer Bevölkerung tödlich war!!! Und dass dies trotz schlimmer Angstmacherei durch nicht belegbare Prognosen von gewissen Virologen, Epidemiologen, Gesundheitstheoretikern und noch schlimmer von bestimmten Politikern mit Profilneurose wohl auch nicht in den kommenden Wochen sein wird. Aber die Damen und Herren mit Gehältern von mehreren Hunderttausenden im Jahr bei bis anhin voll erhaltenden Vergütungen auf ihr Bankkonto, treiben seit März 2020 mit unverständlichen Massnahmen wie Arbeitsverboten und Betriebschliessungen über Monate hinweg sukzessiv und unnötigerweise schon schlimm genug gebeutelte Arbeitnehmer in existenzbedrohender Kurzarbeitsentschädigung wie auch bisher gesunde Firmen und Arbeitgeber real in den Konkurs und finanziellen Ruin. Dass diese schlimmen Situationen die betroffenen Menschen krank macht, aber nicht durch Corona selber, scheint diesen Herrschaften anscheinend komplett egal zu sein! Wahre Verantwortung zu tragen gegenüber ALLEN ihren Wählern und allen Bürgern ist es wahrlich nicht von diesen «Volksvertretern und Vertreterinnen», man rühmt sich lieber selber ob ihrer Verantwortung und ihren bisherigen Leistungen ihrer ach so schwierigen Aufgaben zur «Bekämpfung der Pandemie» ??!! Ihre gesetzliche übernommene Aufgabe Kraft ihres Amtes, die Sicherheit zu wahren und Schaden an Leib und Seele eines jeden Bürgers zu verhindern wird dabei zu einer reinen Floskel!

  4. Andrea, 10.03.2021, 19:19 Uhr

    Danke Peter.

  5. Daniel Steiner, 10.03.2021, 18:11 Uhr

    Interessant wäre jetzt doch, wer sich ansteckt. Sind es Ferienrückkehrer? Gibt es Cluster in Schulen? Aber diese Daten sind ja wahrscheinlich nicht vorhanden und man ist dabei oder muss auswerten oder was auch immer und das seit einem Jahr!

  6. Rene, 10.03.2021, 15:59 Uhr

    So manche haben das mit dem Abstand, Händewaschen etc. halt immer noch nicht kapiert. Es wird noch viele Wellen geben.

  7. Peter Bitterli, 10.03.2021, 15:33 Uhr

    Weder „positive Tests“ noch Inzidenz sind relevante Zahlen, bei so niedrigen „Fallzahlen“ schon gar nicht. Und wegen der niedrigen Zahlen spielt auch der R-Wert von vor vier Wochen keine Rolle. Seit vier Wochen herrscht in der Schweiz eine Untersterblichkeit von ca. 40%. Man stirbt eben nicht zweimal. Das ist ein relevanter Wert. Meinetwegen auch die Zahl der Geimpften. Die Hospitalisierungen sinken ebenso. Die bösen Mutanten erfüllen ihre Aufgabe nicht.
    Die „Lockerungen“, also der Normalfall, die wiederhergestellten Bürgerrechte sind praktisch stündlich zu überprüfen und immer sofort durchzuführen. Nur massive, evidente, aktuelle Gründe können dagegen sprechen, keinesfalls die computergestützte Kaffeesatzleserei der Taskforce. Was der BR tut, ist genau das Umgekehrte: Er stützt umstrittene „Massnahmen“ auf Spekulation und verlangt massive Begründungen für den verfassungsmässig garantierten Normalfall.

    1. Roli Greter, 10.03.2021, 18:00 Uhr

      Wahre Worte, in manchen Ohren leider ungehört.

    2. Paul Bründler, 10.03.2021, 21:42 Uhr

      Danke Herr Bitterli.
      Die meisten «Schafe» sind leider nicht in der Lage, ihr Hirn zu benutzen.
      Ich finde es verstörend, was sich die Leute grundlos bieten lassen.
      Dass es in Deutschland oder Österreich noch schlimmer und absurder zugeht, beruhigt mich auch nicht.

    3. lucifer, 13.03.2021, 16:08 Uhr

      in russland ist alles besser 🥸

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