Schwere Zeiten für Luzerner Tierpark Lockdown wegen Corona: Den Tieren in Toni’s Zoo fehlen die Besucher

4 min Lesezeit 24.01.2021, 05:00 Uhr

Der Zoo von Toni Röösli in Rothenburg hat wegen Corona mit den Finanzen zu kämpfen. Nirgendwo sonst gibt es im Kanton Luzern exotische Tiere zu bestaunen. Die Zwangspause nutzt der Park, um die Anlagen zu vergrössern.

Als wir die geschlossene Anlage von Toni’s Zoo betreten, geschieht dies unter den wachsamen Augen einer Gruppe Berberaffen. Sie kauern dicht zusammengedrängt auf einem Holzbalken und schauen uns schweigend nach. Das Gelände ist menschenleer und fast gespenstisch ruhig.

Jeder, der Toni’s Zoo schon einmal besucht hat, weiss, dass «menschenleer» und «ruhig» nicht Begriffe sind, die zum Tierpark in Rothenburg passen. Normalerweise herrscht hier reges Treiben: Eltern, Kinder, Schulklassen – an guten Wochenenden kommen hier gerne um die 2’000 Besucher zusammen. Natürlich nur, wenn nicht gerade eine Pandemie im Gange ist.

Gut vorgesorgt

«Die momentane Situation ist schwierig», sagt Toni Röösli, als wir ihn in seinem Büro besuchen – beobachtet von seinen beiden Schäferhunden, die quasi als Wachmannschaft fungieren. Während man beim Lockdown im Frühling 2020 finanziell mit einem blauen Auge davongekommen sei, sieht die Lage beim aktuellen Shutdown anders aus. «Die Ausfälle im Frühling konnten wir dank einem guten finanziellen Polster aus den Vorjahren einigermassen abfedern», so Röösli. «Dieses Polster ist jetzt natürlich ziemlich geschrumpft.»

Hinzu kommt, dass der Zoo bisher weder vom Bund noch vom Kanton Unterstützung erhalten habe – trotz eingereichter Gesuche. Eines davon ist noch hängig. Bisherige Einnahmen beschränken sich vor allem auf einen Bereich: «Wir sind froh um alle Jahreskarten, die wir bisher verkaufen konnten – das sagt ja eigentlich schon alles über unsere Lage.»

«Wäre Corona nicht gewesen, hätten wir wohl ein Rekordjahr verzeichnen können.»

Toni Röösli, Inhaber Toni’s Zoo

Lockdown für Umbauten genutzt

Immerhin: Der Zoo durfte nach der Öffnung im vergangenen Sommer auf grosse Solidarität aus der Bevölkerung zählen. «Die Leute kamen in Scharen. Man hat richtig gemerkt, wie sehr ihnen das Erlebnis und die Tiere gefehlt haben. Das hat uns natürlich sehr gefreut.» Und Röösli ist sich sicher: «Wäre Corona nicht gewesen, hätten wir wohl ein Rekordjahr verzeichnen können.» Die ausbleibenden drei Monate konnte der gute Sommer nämlich nicht kompensieren.

Dafür konnte das Team den Lockdown nutzen, um gewisse Bauarbeiten an den Anlagen umzusetzen. «Das wäre bei einem geöffneten Zoo nicht möglich gewesen, ohne grosse Bereiche für die Besucherinnen absperren zu müssen», so Röösli. «Wir haben beispielsweise die Afrika-Anlage vergrössert, die Kamelanlage um- und den Südamerika-Bereich neu gebaut.»

Besucherwünsche und Finanzen sind nur eine Seite des Zoos, die andere machen die Tiere aus – und für einige von ihnen ist die gegenwärtige Situation belastend.

Die Tiere suchen die Nähe

«Einige Tiere vermissen die Besucher extrem», sagt Röösli, der bei einem Rundgang durch die Anlage immer wieder stehen bleibt, um mit einzelnen Tieren ein paar Worte zu wechseln. Besonders die Affen, Wildkatzen und Kamele würden Anzeichen von Langeweile zeigen. Selbst Tiere, die sonst nicht sehr sozial sind, seien plötzlich neugierig und zur Stelle, wenn ein Tierpfleger das Gehege betritt. «Sie sind zutraulicher geworden, was sie sonst bei normalem Betrieb nicht sind.» Schon im vergangenen Frühling hat Röösli und sein Team dieses Verhalten beobachten können «und jetzt während der zweiten Schliessung zeigt es sich noch früher. Das Tier braucht den Menschen.»

Einzig Reptilien und Amphibien scheint es keine grosse Rolle zu spielen, ob sie bestaunt werden oder nicht. Bei unserem Rundgang beobachten wir einen Leguan, dem sogar die Körperpflege durch einen Lisztaffen zu viel Kontakt ist und das Äffchen mit seinem Bein wegscheucht. Und das Stumpfkrokodil dreht nicht einmal den Kopf in unsere Richtung, als wir vorbeigehen.

Der Lisztaffe knabbert die Schuppenreste des Leguans ab – wenn er denn Lust auf Körperpflege hätte. (Bild: cbu)

Arbeit im Turnus-Prinzip

Die Anlage beherbergt derzeit rund 90 Arten mit insgesamt über 400 Tieren. Vertreten sind nebst heimischen Gattungen auch Exoten aus aller Welt. Und die Menagerie wird natürlich auch während der Schliessung genauso umsorgt, wie während des Betriebs – wenn nicht sogar noch mehr: «Vormittags kümmern sich die Tierpfleger um die Reinigung der Gehege, Fütterung der Tiere und Instandhaltung der Anlage», erklärt Röösli, «und nachmittags widmen wir uns ausschliesslich den Tieren, sprechen, spielen und interagieren mit ihnen.» In dieser Zeit ist das elfköpfige Team von Toni Röösli der Ersatz für die fehlenden Besucherinnen.

Das Team arbeitet derzeit in einem Turnus-Betrieb – und in reduzierter Zahl. Zwei Gruppen wechseln sich wochenweise mit dem Dienst ab – dies auch als Vorsichtsmassnahme im Falle einer Corona-Ansteckung. Toni Röösli hofft, dass sich die Situation bald beruhigt und er den Zoo wieder öffnen kann – auch den Tieren zuliebe.

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