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Little Miss Sunshine – Der Hüne in Leggins
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Feliciano Ponce blickt musikalisch lieber über die Landesgrenzen hinaus. (Bild: jav)

Der Luzerner Feliciano Ponce kennt keine Grenzen Little Miss Sunshine – Der Hüne in Leggins

4 min Lesezeit 07.01.2018, 06:00 Uhr

Feliciano Ponce fällt auf – nicht nur mit seinem Stil, sondern auch mit seinen zahlreichen Projekten. Sein Ziel ist klar – er will es ausserhalb der Schweizer Grenzen schaffen. Und eines will er auf keinen Fall: bequem werden. Wie so viele Musiker in Luzern.

Am 1. Januar 2018 wurde er ein Vierteljahrhundert alt. Doch Feliciano Ponce ist für seine jungen Jahre schon gut mit dabei. Immer wieder taucht der Luzerner alias Little Miss Sunshine als singender Gast in den Songs anderer Luzerner Künstler auf.

Sprache ist Musik

Als Little Miss Sunshine singt und rapt Ponce nicht nur auf Schweizerdeutsch, wie man es von der HipHop-Gruppe «Moskito» aus Luzern kennt, sondern er überquert verbal und musikalisch die Landesgrenzen und vertont seine Stücke auch auf Spanisch, Englisch und Deutsch.

«Ich habe ständig die Angst, etwas zu verpassen.»

Ponce scheint die seltene Gabe des Alleskönners zu besitzen. Halb Walliser, halb Kolumbianer, zieht es ihn in die verschiedensten Musikrichtungen. «Und ich hab‘ schon wieder ein neues Projekt angefangen. Dazu kommen noch ein paar schlummernde Ideen. Ich muss mich am Riemen reissen», weist sich Ponce selbst in die Schranken.

Modisch den eigenen Kopf

Wir sitzen im Piccolino im Luzerner Bruchquartier, wo man ihn nicht selten antrifft.

«Es gibt verdammt viel Musik in Luzern, doch sie bleibt meist auch hier.»

Auch hier fällt er auf – denn nicht nur musikalisch, auch modisch hat er seinen eigenen Kopf. Mit seinen 1.93 m und den eigenwilligen, bunten Klamotten, die er sich oft in Brockenhäusern holt, fällt er aus dem Rahmen. «Ich lege Wert auf Mode», gibt er zu. Und doch besitzt er kein einziges Paar Jeans oder schicke Hosen. «Ich trage nur Leggins und Trainerhosen – bequem muss es sein.» Und farbenfroh. Doch er findet: «Ich bin viel schlichter geworden.»

Einordnen kann man ihn definitiv nirgends. «Ich habe einfach Lust auf Musik», sagt Ponce. Er verstehe nicht, warum man sich einschränken soll. Er fühle sich in den verschiedensten Musikrichtungen zuhause und die Sprache komme mit dem Beat.

Die Angst, etwas zu verpassen

Ein Projekt nicht anzufangen oder gar aufzuhören liegt auch schlicht nicht in seiner Natur. «Ich habe ständig die Angst, etwas zu verpassen.» Also arbeitet er, wenn alle anderen schlafen. «Und dann verschlafe ich den Vormittag, wenn alle anderen doch wieder unterwegs sind», sagt er lachend.

«Vielleicht feiert sich die Szene hier zu gern selber.»

Dafür lebt Ponce gerade zeitweise im Studio, das er gemeinsam mit seiner Crew eingerichtet hat. Oft komme er spät in der Nacht zurück und arbeite bis am nächsten Mittag an einem Song. «Ich brauche wieder mehr Struktur, das weiss ich selber», sagt der Luzerner.

Bequemes Luzern?

Mittlerweile sei er gut unterwegs, aber in der Schweiz werde es schwierig, sobald man aus dem eigenen Kreis raus möchte. «Es gibt verdammt viel Musik in Luzern, doch sie bleibt meist auch hier.» Nur ganz wenige schaffen es und würden national oder gar international bekannt. «Vielleicht feiert sich die Szene hier zu gern selber.» Das mache bequem.

Zudem sei es in der Schweiz harziger, da die Künstler einander nicht besonders aktiv unterstützen. «Die Leute sagen: Oh toll! Und das wars dann aber auch. Man pusht sich gegenseitig nicht wirklich.» Futterneid? «Kann schon sein», meint Ponce.

Raus in die weite Welt

«Ich muss definitiv hier weg. Bald. Ich muss in eine Metropole, in der ich ausprobieren, mich inspirieren lassen kann.» Berlin hat er im Auge.

Neue Alben

Am 1. Oktober 2017 erschien die erste Solo-EP von Little Miss Sunshine. «Lila Farben» heisst die Platte, die Ponce auch gleich selber produziert hat. Beats bauen, singen, rappen, mixen, aufnehmen, rausgeben – die ganze Arbeit für die hochdeutsche Trap-Platte hat er selbst gemacht.

«Der vielfältige Luzerner hat hart an sich gearbeitet und scheint bereit für den nächsten Level», schreibt das LYRICS Magazin, die Plattform für alles rund um den Schweizer Rap. In der Szene habe er sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht, heisst es weiter.

Doch nicht nur als Little Miss Sunshine, auch unter dem Pseudonym Felikuta ist Ponce als Beatmacher fleissig unterwegs und veröffentlichte im September 2017 auf dem lokalen Schweizer Label «Sondervoid» seine EP «Sunday Trippin».

Seine Projekte in den letzten Jahren lassen sich in keine Schublade stecken: Er ergänzt die HipHop-Gruppe Moskito, singt in einer Salsaband, dazu kommt die A-Capella Band Vocabular. Beim jungen Musical-Projekt Verona 3000 war er ganz vorne mit dabei und hat zusammen mit TBRW den Kick Ass Award 2016 gewonnen.

Er wolle seine Arbeit zeigen, doch hier in der Schweiz und insbesonders in Luzern sei das Publikum nicht gross genug. «Ich hab so viele Sachen auf dem PC. Aber ich will die nicht raushauen, wenn sie nur so wenige Leute erreichen.» Und um die Schweiz grossflächig zu erreichen, müsse man erst draussen Erfolg haben, ist er überzeugt.

Einfach nur Musik, einfach nur singen

Dafür will er jetzt vorwärtsmachen: «Ich will von der Musik leben. Für sie lebe ich bereits.» Denn obwohl Ponce als freischaffender Musiker und als Produzent mit Last Row Records zahlreiche Songs rausbringt, seine Brötchen verdient er an der Bourbaki-Kasse und der Haifish-Bar.

Nach der Schule versuchte er sich noch ein Jahr als Kleinkindererzieher in einem Praktikum, aber das geregelte Arbeitsleben mit all seinen Vorschriften ist nicht sein Ding. «Ich wollte einfach nur Musik machen.»

«Eigentlich will ich vor allem singen», sagt Ponce, der seit seinem siebten Lebensjahr klassische Stimmbildung hatte und neben der Klassik im Vorkurs der Jazzschule Luzern auch den Jazz gesanglich kennenlernte. «Aber, um weiterhin meine Sachen singen zu können, muss ich alles rundherum auch tun.» Um einen Beat zu produzieren brauche er bis zu 20 Stunden. Eine Riesenarbeit.

Deshalb werde er auch bei Vocabular künftig nicht mehr fix dabei sein, sondern bei manchen Songs als Gast auftauchen. «Darüber bin ich echt traurig, denn es war noch der letzte Ort, wo ich mich komplett nur auf den Gesang konzentrieren konnte.» Und das ist auch wieder sein Ziel – irgendwann.

Ponce fällt auf – nicht nur wegen seines auffälligen Kleidungsstils.

Ponce fällt auf – nicht nur wegen seines auffälligen Kleidungsstils.

(Bild: jav)

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