Little China an der Kapellbrücke
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Immer mehr Touristen aus Asien kommen nach Luzern: Hier ein Paar auf dem Rathaussteg im Januar. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Luzern: Rekord bei Touristen – und Chinesen Little China an der Kapellbrücke

4 min Lesezeit 24.02.2016, 05:02 Uhr

Fast 1,3 Millionen Gäste haben letztes Jahr in der Stadt übernachtet, immer mehr davon aus China. Trotz Frankenschock bricht Luzern damit zum sechsten Mal in Folge den eigenen Touristenrekord. Doch ein siebtes Mal wird es wohl nicht geben.

Eine Million und 279’825 Übernachtungen zählten die Hoteliers in der Stadt Luzern im vergangenen Jahr. Das meldet das Bundesamt für Statistik. Der Luzerner Tourismus ist damit weiter auf dem Vormarsch: Letztes Jahr gab es 5,1 Prozent mehr Übernachtungen als im Jahr zuvor – mehr denn je. «Mit einem solchen Wachstum haben wir nicht gerechnet», sagt Tourismusdirektor Marcel Perren dazu. «Wir hätten eigentlich eher gedacht, dass es nur ein leichtes Wachstum gibt.» Durchschnittlich übernachteten täglich 3500 Gäste in Luzern, im Jahr zuvor waren’s rund 3100.

Es geht aufwärts: Immer mehr Gäste übernachten in Luzern (Grafik: Luzern Tourismus, Quelle: Bundesamt für Statistik).

Die zusätzlichen Gäste bringen auch zusätzliches Geld in die Region: Laut einer Wertschöpfungsstudie von Luzern Tourismus gibt jeder Tourist, jede Touristin pro Nacht in Luzern rund 240 Franken aus.

Die zusätzlichen Gäste hätten demnach rund 15 Millionen Franken in Luzern ausgegeben, rechnet Marcel Perren vor: «Das ist ein sehr schönes Ergebnis.»

«Wir sind ein Drittel teurer als das Südtirol. Das können wir auch mit der schönsten Landschaft nicht wettmachen.»

Marcel Perren, Tourismusdirektor Luzern

War da nicht der Frankenschock?

Moment mal. War letztes Jahr nicht das Jahr des Frankenschocks? Das Jahr, als auf einen Schlag (und Tag) sämtliche Schweizer Produkte für Menschen aus dem Ausland 20 Prozent teurer wurden? Hätte das nicht auch den Luzerner Tourismus hart treffen müssen?

Hat es. «Wir sind in der Schweiz bis zu einem Drittel teurer als beispielsweise das Südtirol. Diesen Preisunterschied können wir auch mit der schönsten Landschaft nicht wettmachen», berichtet Marcel Perren. Letztes Jahr kamen denn rund 13 Prozent weniger Gäste aus Europa nach Luzern.

Chinesen vergolden das Jahr

Doch in Amerika und Asien liegt Luzern offenbar so sehr im Trend, dass die zusätzlichen Touristen aus fernen Gegenden den Rückgang in Europa mehr als wettmachten: 20 Prozent mehr Asiatinnen und 10 Prozent mehr Amerikanerinnen übernachteten hier. Setzt denen der starke Franken nicht zu? «Doch», meint Tourismusdirektor Perren, aber Gäste aus Übersee würden häufig nicht nur in der Schweiz Ferien machen, sondern gleich eine Tour durch Europa machen: «Der starke Franken ist für diese Gäste deshalb kein Ausschlusskriterium.»

Tourismusdirektor Marcel Perren bei der Eröffnung des Gästival auf der Seerose am 29. Mai 2015.

Tourismusdirektor Marcel Perren bei der Eröffnung des Gästival auf der Seerose am 29. Mai 2015.

(Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Überraschend erfolgreich ist der Luzerner Tourismus vor allem im gesamtschweizerischen Vergleich.

Weniger Touristen in der Schweiz, mehr in Luzern: Luzern bleibt eine Touristenregion (Grafik: Luzern Tourismus, Quelle: Bundesamt für Statistik).

Insgesamt gab es schweizweit nämlich rund ein Prozent weniger Touristen. Doch dank dem Erfolg in Asien und Amerika, traf der Rückgang Luzern nicht, im Gegenteil: In den letzten fünf Jahren kamen insgesamt über 10 Prozent mehr Gäste. Wie lange kann das so noch weitergehen, Marcel Perren? «Wir rechnen mit einer Konsolidierung. Wenn wir längerfristig um 1 bis 2 Prozent im Jahr wachsen könnten, wäre das gut. Im Winter haben wir noch Luft nach oben. Aber Wachstum wie letztes Jahr gibt es wohl nicht so schnell wieder.»

Am meisten kommen aus den USA – noch

Heute kommen die meisten Touristen in Luzern aus den USA. Doch Gäste aus China könnten den Amis schon bald den Rang ablaufen: Letztes Jahr kamen 140’000 Chinesen nach Luzern, im Jahr zuvor waren es erst rund 100’000. Geht es in diesem Tempo weiter, haben die Chinesen die US-Amerikaner bald überholt.

«Die Leute sollen sehen, dass auch Metzger und Apotheker von den Touristen profitieren.»

Marcel Perren, Tourismusdirektor Luzern

Nicht in der Statistik der Logiernächte vertreten sind die Tagesgäste in Luzern. Also etwa jene Touristinnen, die am selben Tag mit dem Car ein- und wieder ausgefahren werden. «Wir wissen nicht, wie viele das sind. Dazu gibt es keine verlässlichen Zahlen», meint dazu Perren. Doch weil die Zahl der chinesischen Touristen in der ganzen Zentralschweiz noch schneller wachse, könne man davon ausgehen, dass auch die Tagestouristen aus China zugenommen hätten, so Perren: «Wer im Umkreis von einer Stunde übernachtet, macht meistens auch einen Tagesausflug nach Luzern.»

Luzern Tourismus wirbt um die Gunst der Einheimischen

Dass die immer zahlreicheren Touristen in Luzern bei den Einheimischen nicht nur auf Gegenliebe stossen, hat auch Luzern Tourismus bemerkt (zentral+ sprach darüber schon mit Marcel Perren). Zusammen mit dem Tourismus Forum Luzern plant man deshalb eine Sensibilisierungskampagne in Luzern. «Es soll den Leuten bewusst werden, dass auch Metzger und Apotheker von den Touristen profitieren und nicht nur Hoteliers und Uhrengeschäfte», erklärt der Tourismusdirektor. Deshalb will man mit Plakaten um Verständnis in der Stadt werben: «Wir wollen zeigen, dass alle vom Tourismus profitieren.»

Auch wenn sich die Luzernerinnen auf die vielen Touristinnen einstellen sollen. Marcel Perren rechnet nicht damit, dass Luzern nächstes Jahr den siebten Touristenrekord in Folge aufstellt: «Das neue Jahr hat ziemlich verhalten begonnen. Es wäre schön, wenn wir das Ergebnis halten können.»

Hier können Sie die Statistiken herunterladen.

Plakate wie dieses sollen den Einheimischen bald die Touristen schmackhaft machen.

Plakate wie dieses sollen den Einheimischen bald die Touristen schmackhaft machen.

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