Littering auf Kuhweiden macht Luzerner Regierung ratlos
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Der Bauernverband kämpft mit einer Kampagne gegen Littering auf Kuhweiden. (Bild: zvg)

Kampagnen nützen kaum – was nun? Littering auf Kuhweiden macht Luzerner Regierung ratlos

4 min Lesezeit 1 Kommentar 01.09.2020, 05:00 Uhr

Wanderer und Autofahrerinnen, die ihren Abfall auf Kuhweiden entsorgen, sind laut Bauernverband ein tödliches Problem. Trotzdem will der Kanton Luzern keine zusätzliche Kampagne auf die Beine stellen. Wie dem Problem zu begegnen sei, da wirken die Beteiligten etwas ratlos.

145 Millionen Franken kostet laut Bundesamt für Umwelt unachtsam weggeworfener Müll jährlich die Gemeinden. Das Thema Littering beschäftigt nicht nur in den Städten wie Luzern, wo die Ufschötti diesen Sommer gelegentlich wie ein Festivalgelände nach dem letzten Konzert aussah (zentralplus berichtete).

Auch auf dem Land ist das Thema, verstärkt durch Corona-bedingte Ferien zu Hause, brennend aktuell. Wanderer und Autofahrer, die ihren Müll auf Kuhwiesen entsorgen, verschandeln dabei nicht nur das Landschaftsbild, sondern gefährden auch Tiere und Umwelt.

Am schlimmsten sind die Aludosen: Wenn die achtlos weggeworfenen Büchsen im Gras landen, beim Heuen in die Maschinen geraten und schliesslich kleine, scharfkantige Teile ins Tierfutter, droht den Kühen und anderen Nutztieren ein qualvoller Tod.

Abfallsünder sollen härter bestraft werden

Im Juli lancierte der Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband dazu eine Plakatkampagne (zentralplus berichtete).

Nun äussert sich auch die Kantonsregierung zum Problem – und zwar in einer Antwort auf eine Motion von CVP-Kantonsrat Roger Zurbriggen.

Die Motion verlangt, dass das Wegwerfen von Aluminiumdosen und anderen Gegenständen auf Weideland und Wiesen als Gefährdung des Tierwohls und entsprechend dem Tierschutzrecht oder einer anderen Gesetzesgrundlage bestraft wird.

Wer eine Aludose ins Gras wirft, ist noch kein Tierquäler

In seiner Antwort benennt der Regierungsrat das Hauptproblem: Nicht unbedingt die Mittel der Bestrafung, sondern das Ermitteln der Täterschaft ist der schwierigste Teil.

Anti-Littering-Tag wird nachgeholt

Am kommenden Samstag findet eine Anti-Littering-Aktion des Kantons Luzern statt. Auf dem Weg zum Wochenmarkt in Malters sammeln die Teilnehmer Abfall ein. In Malters informiert ein Infostand über die Problematik. Der Tag wurde von Regierungspräsident Paul Winiker (SVP) im Rahmen seines Mottos «Luzern (er)fahren» initiiert und sollte ursprünglich im April 2020 stattfinden.

Folgende Routen stehen auf dem Programm:
1. Luzern–Kriens–Malters. Treffpunkt: Regierungsgebäude, 8.45 Uhr. Mit Möglichkeit, in Kriens zur Gruppe zu stossen. Treffpunkt: Stadthaus Kriens, 9.30 Uhr (Regierungsrat Paul Winiker befährt diese Route)
2. Rothenburg Flecken–Malters. Treffpunkt: Brunnen, 8.45 Uhr
3. Wolhusen–Malters. Treffpunkt: Bahnhof, 8.45 Uhr

Mit den bestehenden Tierschutzgesetzen braucht es nämlich zwingend den Nachweis, dass eine weggeworfene Aludose oder anderer Müll zur Verletzung oder zum Tod eines Tieres geführt hat, um den Täter mit einer saftigen Geldstrafe oder gar einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu belegen.

Die Sünder werden kaum erwischt

Eine Bestrafung wegen möglicher Gefährdung des Tierwohls, also bereits dann, wenn die Aludose weggeworfen wird, sieht das Gesetz hingegen nicht vor. Das bestehende Litteringgesetz berücksichtigt die Gefährdung des Tierwohls nicht. Sowieso gilt das seit 2009 geltende Litteringgesetz eher als zahnloser Papiertiger (zentralplus berichtete).

Um dies zu ändern, wäre aber laut Luzerner Regierung eine Gesetzesanpassung auf nationaler Ebene erforderlich, um zumindest diejenigen Täter härter bestrafen zu können, die inflagranti ertappt werden. Aber eben: Die Abfallsünder werden nur in den wenigsten Fällen erwischt. Auch aus diesem Grund empfiehlt der Regierungsrat, die Motion abzulehnen.

Kanton will sensibilisieren statt bestrafen

Stattdessen will der Kanton mit Aktivitäten und Massnahmen «die Bevölkerung für die Problematik des Littering sensibilisieren». So sollen die gravierenden Folgen des achtlosen Wegwerfens von Aludosen und Glasbehältern und ähnlichen Abfällen für Tiere besser sichtbar gemacht werden.

Nur: Kampagnen, wie die eingangs erwähnte des Bauernverbandes, erachtet der Kanton kaum als geeignet. Aus einer Antwort auf ein Postulat von SVP-Kantonsrätin Angela Lüthold geht nämlich hervor, dass Kampagnen in anderen Kantonen kaum wirken. Eine Evaluation im Thurgau aus dem Jahr 2016 habe ergeben, dass die Kosten für die Müllentsorgung entlang der Kantonsstrassen und auf Parkplätzen nicht gesenkt werden konnten, «sondern zugenommen haben». Zudem verlören Kampagnen nach ihrem Ende sehr schnell auch ihre positiven Wirkungen.

Ein runder Tisch soll frische Ideen bringen

Was aber soll getan werden? Der Kanton schreibt, dass «womöglich durch eine verstärkte Koordination noch gezielter» sensibilisiert werden könnte. Wie genau das aussehen könnte, lässt er aber offen.

Frische Ideen soll nun ein runder Tisch mit den Interessenverbänden – darunter der Bauernverband, die Polizei und die Umweltschutzverbände – bringen. Deshalb empfiehlt der Kantonsrat das Postulat von Lüthold für erheblich zu erklären, obwohl er die Kampagnen für wirkungslos hält. Das Geschäft kommt voraussichtlich in der Herbstsession in den Kantonsrat.

Nach der Absage möchte Zurbriggen laut «20 Minuten» nun versuchen, Nationalräte für sein Anliegen zu gewinnen und eine neue gesetzliche Grundlage zu schaffen. Er glaubt, dass im Bereich Sensibilisierung schon genug gemacht worden ist. Zudem gehe es nicht nur um die Gesundheit von Kühen, sondern auch um Wildtiere: «Auf dem Land ist es vorsätzliche Gefährdung des Tierwohls und beabsichtigte Schädigung von fremdem Eigentum und nicht Littering», so Zurbriggen gegenüber dem Portal.

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1 Kommentare
  1. CScherrer, 01.09.2020, 07:40 Uhr

    Selbstverständlich gehören Abfall, Hundekot etc. nicht auf eine Kuhwiese, lieber Bauernverband. Auch Pestizide von Monsanto und Konsorten gehören nicht dahin. Wann endlich begreifen die Bauern das?
    Es scheint, als wären alle mit diesen Problemen überfordert resp. wollen es partout nicht wahrhaben, dass sie – die Bauern – verantwortlich für die Sauerein zum Beispiel im Baldeggersee sind.

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