Littau: Das Ende der Cheerstrasse soll der Beginn ihrer Aufwertung sein
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Diese Bahnschranke steht im Zentrum der Verkehrsprobleme im Littauerboden. (Bild: io)

Zurück auf Feld 1 Littau: Das Ende der Cheerstrasse soll der Beginn ihrer Aufwertung sein

4 min Lesezeit 6 Kommentare 21.05.2021, 05:00 Uhr

Das 32 Millionen Franken schwere Cheerstrassen-Projekt scheint politisch bereits tot zu sein, bevor es im Grossen Stadtrat behandelt wurde. Das wahrscheinliche Ende der Umfahrung könnte aber auch einen Neuanfang bedeuten: Gleich zwei neue Motionen fordern alternative Ideen, um die Lebensqualität der Anwohner zu verbessern.

So wie jetzt kann es nicht weitergehen. Zumindest darin besteht bei niemandem Zweifel, der schon einmal zur Stosszeit auf der Cheerstrasse im Littauerboden war. Auch politisch steht der Handlungsbedarf ausser Frage.

Seit Jahren arbeitet man an Plänen für eine Umfahrung des Quartiers rund um den Bahnhof. Die Tatsache, dass dieses Strassenbauprojekt mittlerweile mit einem Preisschild von 32 Millionen Franken verbunden ist, bedeutet aber wohl, dass die Pläne nicht zum Fliegen kommen werden (zentralplus berichtete).

Stadtrat soll Plan B ausarbeiten

Einen Plan B für eine Verbesserung der Verkehrssituation an der Cheerstrasse hat der Stadtrat derzeit nicht in der Schublade. Genau das soll sich nun ändern. Sowohl die Grünen/Jungen Grünen als auch die SP haben Motionen eingereicht. Beide Vorstösse fordern den Stadtrat auf, neue Pläne für die Cheerstrasse und den Littauerboden auszuarbeiten. Was auffällt: Die stark belasteten Anwohner der Cheerstrasse rücken in den Fokus der linken Politik.

Die Motion der SP weist zunächst auf ein «geradezu katastrophales Kosten-Nutzen-Verhältnis» des aktuellen Projekts hin. Für die SP-Fraktion sei es daher klar, «dass mit einem wesentlich geringeren Betrag eine viel bessere Aufwertung des Quartiers Littauerboden erreicht werden könnte, wovon der gesamte Stadtteil Littau profitieren würde». Konkret fordert die SP den Stadtrat dazu auf, einen Bericht und Antrag zur Aufwertung des Quartiers Littauerboden zu erarbeiten. Dieser solle unter anderem folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Die Sperrung der Cheerstrasse für den Durchgangsverkehr.
  • Die Strassen sind bei der nächsten Sanierung in Bezug auf Lärmschutz zu sanieren.
  • Der öffentliche Verkehr im Littauerboden soll weiter verbessert werden, zum Beispiel mit einer Busbevorzugung bei der Ein- und Ausfahrt zur Haltestelle Littau Bahnhof oder mit einer elektronischen Busspur auf der heutigen Cheerstrasse.
  • In Zusammenarbeit mit der SBB ist die Gestaltung der heutigen Überführung zu verbessern (insbesondere breitere Trottoirs, Verbreiterung des Übergangs insgesamt).

Kein Treffpunkt, kein Spielplatz

Ein weiterer Vorschlag sähe es vor, das Angebot von Nextbike auf das Quartier im Littauerboden auszuweiten. Heute stehen dort keine Leihvelos bereit. Auch sonst sind im Littauerboden wenige der Annehmlichkeiten vorhanden, die in andern Stadtteilen als selbstverständlich wahrgenommen werden. «Es existieren keine Aufenthaltsmöglichkeiten im Aussenraum, kein Treffpunkt oder Quartierplatz und entsprechende Einrichtungen wie ein Café», halten die SP-Motionäre Nico van der Heiden und Mario Stübi fest. «Diese wären zu schaffen, allenfalls gar ein städtisches Quartierzentrum.»

Mit einer Grünraumstrategie für dieses Quartier soll zudem geprüft werden, wo Spielplätze, öffentliche Freizeitanlage und Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum möglich wären. Als Praxisbeispiel nennen die Grossstadträte eine Pump-Track-Anlage.

Durchgangsverkehr «vermindern oder verhindern»

Auch die Motion von Christian Hochstrasser und Martin Abele von den Grünen verlangt vom Stadtrat Alternativprojekte zur ungeliebten «Erweiterung Cheerstrasse». Ein entsprechender Planungsbericht soll unter anderem folgende Punkte berücksichtigen:

  • Durchgangsverkehr auf der Cheerstrasse so weit möglich vermindern oder verhindern.
  • Die siedlungsverträgliche Gestaltung der unteren Cheerstrasse (Kreuzung Thorenbergstrasse bis Bahnhof) ermöglichen.
  • Den gefährlichen Rückstau auf die Thorenbergstrasse (bei geschlossener Barriere beim Bahnübergang) verhindern.
  • Die Sicherheit für Fussgängerinnen und Velofahrer bei der Querung der Bahnlinie in der Umgebung des Bahnhofs Littau verbessern (allenfalls in Zusammenarbeit mit den SBB).
  • Verbesserte Zufahrt des öffentlichen Verkehrs zum Bahnhof Littau sicherstellen.

Bittersüss für die Anwohner

Beide Motionen zielen darauf ab, die Lebensqualität der Bewohner im Littauerboden nachhaltig zu verbessern. Bei den betroffenen Anwohnern der Cheerstrasse dürfte diese politische Entwicklung bittersüsse Gefühle auslösen. Bitter, weil jenes Projekt, auf das manche seit schon fast 20 Jahre warten, nun wohl kurz vor dem Ziel versenkt wird und sich deshalb in unmittelbarer Zukunft nichts an ihrer Situation verbessern wird.

Süss, weil die beiden Motionen endlich ein klares Signal sind, dass die städtische Politik die Bewohner des Littauerbodens nicht vergessen hat und sie nicht alleine lässt. Dies wirkt direkt einem Gefühl der latenten Vernachlässigung entgegen, das in den letzten Jahren bei vielen im Littauerboden aufgekommen ist (zentralplus berichtete).

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6 Kommentare
  1. Philipp, 21.05.2021, 13:38 Uhr

    Cheerstrasse sperren? Was für eine Schnapsidee der grünen und linken. Das ist ja noch dümmer als 32 Mio auszugeben. Wo soll der Verkehr, der von Malters kommt, dann hin? Etwa auch noch zum Seetalplatz? Wo sell der Verkehr von Littau und Kriens der zum Littauerboden will durch? Über den Kreuzstutz und dann ebenfalls Seetalplatz? Und das alles weil man eine 200m Strasse sperren will?

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  2. Urs Reutimann, 21.05.2021, 12:46 Uhr

    Anderer Vorschlag:
    Auf der Visualisierung der Stadt sieht man, dass der Langsamverkehr sehr viel Platz einnimmt beim aktuellen Unterführungsprojekt. Wollen diese Verkehrsteilnehmenden das überhaupt? Wie wär’s, wenn man nur den MIV auf einer sehr bescheidenen Lösung unter der Unterführung durchleitet. Mit dem gesparten Geld könnte man das grösste Manko des Projekts ausbügeln und bei der Bahnschranke eine Langsamverkehrsunterführung realisieren.

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  3. Peter Bitterli, 21.05.2021, 11:26 Uhr

    Krienser, Emmer, Ebikoner, Adligenswiler! Hört niemals auf Eingemeindungs-Schalmeientöne, die aus der Stadt Luzern zu euch herausschallen, und mögen eure Gemeindefinanzen sich noch so jämmerlich präsentieren. Bleibt Krienser, Emmer, Ebikoner und Adligenswiler! Was ihr bekämt, wenn ihr eure Souveränität abgeben würdet, wären keine „Synergien“ (80-er Jahre), „Verschlankungen“ (90-er), „Nachhaltigkeiten“ (2000) oder „Klimaverbesserungen“ (Jetztzeit), sondern einfach die totale Missachtung eurer lokalen Anliegen und dazu eine Regierung und ein Parlament, die zu grossen Teilen aus wenig gebildeten, kleinlichen Ideologen bestehen, welche euch ihren selbstgefälligen Unfug aufzwingen werden.
    Agglos dieser Erde, sehet auf dieses Littau, das zwar keinen niveaufreien Übergang beim Bahnhof, dafür nächstens ein Parkplatzreglement bekommt!

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  4. Melchior, 21.05.2021, 11:19 Uhr

    Wie kommt man auf die Idee, die Cheerstrasse sperren zu wollen? Es gäbe dann, vom Littauer Boden rauf nach Littau Dorf, nur die Ausweichmöglichkeiten via Blatten oder Seetalplatz-Reussbühl-Ruopigen. Das sind beides krass längere Fahrstrecken. Man muss kein Autofahrer sein, um den Blödsinn dieser Idee zu erkennen. Denn, selbst falls man mit den Bewohnern der unteren Cheerstrasse tatsächlich gesprochen hat und sie sich diese Sperrung so wünschen, was ich aber stark bezweifle, stellt die Idee immer noch einen extremen Röhrenblick dar: Werden sich die Bewohner der Einfallsachse Renggstrasse in Littau und jene in Reussbühl-Ruopigen denn über den zu ihnen umgeleiteten Verkehr freuen?

    Und diese Behauptung, es gäbe keine Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien: Was soll das? Wie wäre es mit dem Ufer der Emme? Oder was hat man sich vorgestellt? Noch mehr vor innerstädtischer Verbohrtheit und Snobismus trieft die Behauptung, es gäbe vor Ort kein Café: Herrn Stübi und Herrn van der Heiden mögen die Angebote (z.B. das Ristorante Ambiente, Gasthaus Bahnhöfli) nicht entsprechen, fair enough. Aber es ist Ausdruck einer ganz eigenen Arroganz, deswegen ihre Existenz zu negieren. Manchmal kann man nur noch den Kopf schütteln.

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  5. Jörg, 21.05.2021, 07:36 Uhr

    Also noch mal 20 Jahre völlig daneben, schaut das Puff im Seetalplatz an daneben besser ist es nicht geworden eine Brache und Littau seit 50jahren ist das ein Thema eine Unterführung fertig , zudem warum fährt alles durch Littau und nicht über die Schnellstrasse weil es eine Abkürzung ist und der Kanton, Stadt null Interesse hat dagegen was zu tun Littau ersäuft im Verkehr u Gestank,

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  6. Peter Bitterli, 21.05.2021, 06:51 Uhr

    Wenn eine einzige Strasse von Punkt A zu Punkt B führt, und ich will diese Strasse für den „Durchgangsverkehr“ sperren, dann bin ich entweder ein Grüner oder ein Sozi.
    Es gab einmal einen Gemeindebeschluss. Nach Übernahme der Gemeinde durch die Stadt hat diese die Sache vergeigt und vergeigt bis sie am Ende zum Spielzeug der Ideologen werden musste.

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