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Links-grüne Eintracht und den Blick nach vorn gerichtet
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Die ALG in Jubellaune. Und Manuela Weichelt mittendrin. (Bild: sib)

ALG-Wahlparty in der Jugendherberge Links-grüne Eintracht und den Blick nach vorn gerichtet

4 min Lesezeit 20.10.2019, 21:30 Uhr

Nach dem Triumph ist vor dem Feiern: Nach dem historischen Wahlerfolg stand für die ALG die grosse Wahlparty auf dem Programm. Manche Politiker richteten den Blick jedoch bereits in die Zukunft.

Stolz posiert die ALG vor der Zuger Jugendherberge. Manuela Weichelt reckt mit den Jungen Alternativen die Faust gen Himmel. Ins Gesicht jedes einzelnen Parteimitglieds scheint geschrieben: Endlich!

Nach acht Jahren des nationalen Darbens ist ein Zuger Nationalratssitz wieder in grüner Hand. Und ausserdem zum allerersten Mal in weiblicher (zentralplus berichtete). Entsprechend gefragt ist Manuela Weichelt, statt den Erfolg voll auskosten zu können, wird sie von Interviewtermin zu Interviewtermin gerufen. Bisweilen macht sie einen etwas zerfahrenen Eindruck.

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Dies scheint jedoch kein Grund zu sein, in blinde Ekstase zu verfallen. Ja, es wird umarmt, getrunken und gegessen. Kinder rennen umher, die Wahlparty macht den Eindruck einer grossen Familienparty. Eine Familienparty, zu der auch die SP offenbar herzlich eingeladen ist. Barbara Gysel, Dolfi Müller, Rupan Sivaganesan – alle sind sie da. Von einem zerschnittenen rot-grünen Tischtuch keine Spur, die beiden Ständeratskandidatinnen Tabea Zimmermann Gibson und Barbara Gysel sind in eine intensive Diskussion vertieft. Später macht sogar Thomas Aeschi kurz seine Aufwartung.

Bekannte Gesichter als Schlüssel

Mancherorts allerdings beginnt bereits das Analysieren. So beispielsweise bei Kantonsrat Anastas Odermatt. «Wir würden lügen, wenn wir sagen würden, wir hätten nicht von der grünen Welle profitiert. Aber: Wir haben auf bekannte Gesichter gesetzt, auch auf den Unterlisten. Dies hat sich bezahlt gemacht.» So sei es auch nicht dem Zufall geschuldet, dass die Jungen Alternativen in Zug die stärkste Jungpartei waren.

«Bei den Regierungsratswahlen konnte es die FDP gerade noch so kaschieren.»

Anastas Odermatt, ALG-Kantonsrat

Auf die freisinnige Konkurrenz angesprochen weist Odermatt darauf hin, dass sich die FDP national in der Klimadebatte verrannt habe. «Und in Zug standen sie vor der Herausforderung starker Personalveränderungen», weist der Steinhauser auf die Rücktritte von Matthias Michel und Urs Hürlimann aus dem Regierungs- sowie von Joachim Eder aus dem Stände- und Bruno Pezzatti aus dem Nationalrat hin.

Die beiden Ständeratskandidatinnen Barbara Gysel und Tabea Zimmermann Gibson freuen sich gemeinsam.

«Bei den Regierungsratswahlen konnten sie es gerade noch so kaschieren. Doch nun ist es ihnen nicht mehr aufgegangen, dass sie viele relativ frische Gesichter aufstellten», so Odermatt.

Michel oder Tännler

Der langjährige Stadtpräsident Dolfi Müller (SP) spricht derweil von einer «ausgewetzten Scharte». Er freut sich mit der ALG mit. Dass er den Sprung nach Bern nicht geschafft hat, trägt er zweifellos mit Fassung. «Ich bin zufrieden, so wie es jetzt gelaufen ist.»

Manuela Weichelt inmitten der Jungmannschaft.

Doch Müller denkt bereits weiter: Die empfindliche linke Niederlage bei den letztjährigen Regierungsratswahlen könnte ebenfalls bereits früher als befürchtet korrigiert werden – sollte sich Heinz Tännler (SVP) im zweiten Wahlgang gegen Matthias Michel (FDP) durchsetzen, wird ein Sitz in der Regierung frei. Entsprechend wäre Müller nicht unfroh, sollte der Finanzdirektor in Runde zwei am 17. November das Rennen machen.

«Vermutlich würden wir von linker Seite eine Kandidatin oder einen Kandidaten aufstellen. Es wäre interessant zu sehen, wen die SVP aufstellen würde – eine offensichtliche Nachfolgerin oder einen offensichtlichen Nachfolger für Heinz Tännler haben sie nicht», sagt Müller mit Blick auf die Konkurrenz.

Noch einmal Jubel

Alt Nationalrat Jo Lang hingegen hofft auf Michel als künftige Zuger Vertretung im Stöckli. Tännler bereite ihm bezüglich Rahmenabkommen etwas Kopfzerbrechen. Er scheint allerdings vor allem den Moment geniessen, dass die Zugerinnen und Zuger eine grüne Nachfolgerin für ihn «gefunden» haben. Stolz weist er darauf hin, dass die ALG in der Stadt Zug gar wählerstärkste Partei war.

Gespanntes Warten auf die Hochrechnung.

Langsam wird es ruhiger in der Jugendherberge, immerhin ruft Montagfrüh für die Allermeisten wieder die Arbeit. Auch sonst scheint der historische Wahlerfolg langsam im Bewusstsein angekommen zu sein. Ausserdem getrauen sich langsam die ersten «regulären» Gäste der Jugendherberge in den Esssaal.

Bis vor dem Fernseher plötzlich doch noch einmal lauter Jubel aufbrandet: In der Tagesschau wird die dritte Hochrechnung verkündet. Und auch da ist Grün Trumpf: Die Rede ist von 17 gewonnen Sitzen.

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