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Linke Liebe abgeblitzt
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Rot-Grün will zusammenspannen, damit auch linke Zugerinnen und Zuger sich wieder in Bern vertreten fühlen. (Bild: Fotalia/Erwin Wodicka - [email protected])

SP und ALG Zug wollen wieder nach Bern Linke Liebe abgeblitzt

4 min Lesezeit 30.04.2015, 05:55 Uhr

Die Alternative-die Grünen Zug und die Zuger SP wollen den an die FDP verlorenen Nationalratssitz von Joe Lang zurückerobern. Auch mit einer Listenverbindung dürfte das kein Sonntagsspaziergang werden, räumen die linken Parteien ein. Eine dritte Partei hat sich einem möglichen Bündnis verweigert.

Am Montag haben die Alternative-die Grünen und die SP Zug bekannt gegeben, dass sie für die National- und Ständeratswahlen eine Listenverbindung eingehen wollen (zentral+ berichtete). Beschlossen ist sie aber noch nicht. Darüber entscheidet die Basis der Zuger Linken am 6. Mai (ALG), respektive am 12. Mai (SP). Und es gibt parteiinterne Gegner, wie zentral+ weiss. Die Parteien werden dann auch die nominierten Kandidatinnen und Kandidaten vorstellen.

Bestätigt wird immerhin, dass jemand nicht antreten wird: Jolanda Spiess-Hegglin, Co-Präsidentin der Alternative-die Grünen, steht als Nationalratskandidatin nicht mehr zur Verfügung. Das bestätigt Barbara Beck, die andere Co-Präsidentin der ALG.

Ob die ALG, wie bei den Wahlen 2011, wieder mit den Christlichsozialen (CSP) zusammen spannt, hängt laut Beck davon ab, ob diese mit einer Liste ins Rennen gehen. «Wenn Ja, haben wir bereits eine Unterlistenverbindung vereinbart», sagt Beck.

Linke fragten Grünliberale an

Sind weitere Wahlbündnisse geplant? SP-Parteipräsidentin Barbara Gysel erklärt auf Anfrage, dass die beiden linken Parteien «contre coeur» die Grünliberalen für eine Listenverbindung angefragt haben. Die GLP Zug gab ihnen jedoch einen Korb. Die Anfrage erstaunt nicht. Machten doch diese  vor vier Jahren 8000 Stimmen – und damit ein Vielfaches der 150, die Joe Lang zur Wiederwahl fehlten.

Gespräche auch bei den Bürgerlichen

Der Erfolg der FDP Zug bei den Eidgenössischen Wahlen 2011 war auch der ersten Listenverbindung mit der CVP zu verdanken. Die heutige «FDP.Die Liberalen» hat gemäss Geschäftsführerin Birgitt Siegrist noch keine Listenverbindung vereinbart. Gemäss CVP-Kantonalpräsident Martin Pfister führt die CVP aber «Gespräche» mit den Freisinnigen, die noch nicht abgeschlossen seien. «Wir werden das Resultat spätestens vor den Sommerferien bekannt geben», sagt Pfister.

Die Grünliberalen betonen ihre Eigenständigkeit. «Wir machen bürgerliche Politik und wollen keine Steigbügelhalter der Linken sein», sagt GLP-Kantonsrätin Michèle Kottelat. Ansonsten sei man offen für alllfällige Listenverbindungen mit anderen Parteien. Zur linken Listenverbindung findet die GLP-Politikerin, dass bereits die SP die Rolle der Steigbügelhalterin übernommen habe. «Es sei denn, die SP bringt einen Kandidaten oder eine Kandidatin, die top akzeptiert und weitherum bekannt ist.»

Grüne: «Diese fünf Herren vertreten uns nicht»

Die Linke versucht also mit allen Mitteln, ihre Kräfte zu bündeln oder gar zu erweitern. Denn ein Sonntagsspaziergang wird diese Wahl nicht. Und prominente Zugpferde sind momentan nicht in Sicht. Hans-Peter Uster hat als Ständeratskandidat abgesagt.

Einig sind sich die Linken jedoch, dass es wieder eine linke Vertretung in Bern braucht. «Viele Zuger fühlen sich in Bern nicht vertreten von diesen fünf National- und Ständeräten», sagt Barbara Beck. SP-Präsidentin Barbara Gysel bedauert, dass die CVP – anders als zum Beispiel die CVP Luzern – schon lange «rechtsbürgerlich» politisiere. «Der linke Flügel der CVP hat sich als CSP abgespalten und schloss sich 2002 der grünen Fraktion an. Die Zuger CVP blieb seither rechtsstehend. Damit haben wir jetzt fünf Rechtsbürgerliche, die Zug in Bern vertreten», so Gysel.

«Bürgerliche Misswirtschaft»

Zum Wahlkampf erklärt die Co-Präsidentin der ALG, Barbara Beck, man werde die grossen Themen aufs Tapet bringen: «Die aus unserer Sicht verfehlte Steuerpolitik wird ein Thema sein, der Spardruck des Kantons, die Wohnungsnot in Zug und, dass viele Bürger wegziehen wegen der hohen Mieten.»

Verantwortlich dafür, dass Zug kein Geld mehr in der Kasse habe, seien die bürgerlichen Politiker, sagt Beck. Man spare auf Kosten von Leuten, die nicht von den verschiedenen Steuersenkungen profitiert hätten. Wenn der Regierungsrat von «Opfersymmetrie» spreche, solle er doch seine Löhne kürzen, fügt die grüne Co-Präsidentin hinzu.

Doch wirklich Angst vor einer aggressiven Kampagne müssen die Bürgerlichen keine haben: Man werde einen «anständigen» Wahlkampf führen, sagt Beck.

Beschränkte Mittel wie immer

Viel Geld zur Verfügung haben weder SP noch Alternative-die Grünen. Budgetzahlen sind nicht erhältlich. Die linken Parteien finanzieren sich aber durch Abgaben ihrer Mandatsträger, Mitgliederbeiträge und Spenden. «Bei uns muss oder kann niemand dafür zahlen, dass er zuoberst auf der Nationalratsliste steht», sagt Barbara Gysel. Bei der Nomination zählten vielmehr die Kompetenz und die Bekanntheit einer Person.

Gysel schätzt die Chancen, dass die Linke im Herbst einen Sitz zurückerobert, nicht als aussichtslos ein. «Aber es wird kein Sonntagsspaziergang. Gegen drei bisherige Nationalräte eine neue Person hineinzubringen, ist schwierig.» Das musste die SP bereits 1999 schmerzlich erfahren, als SP-Kandidat Armin Jans nicht gewählt wurde. Damals ging der linke Sitz, wie 2011 mit Nationalrat Bruno Pezzatti, ebenfalls an die FDP.

Die grösste Herausforderung für die Linke wäre es laut Gysel, wenn FDP, CVP und SVP zusammen spannen würden (siehe Box).

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