Ligadominator EV Zug: So funktioniert sein Trainer Dan Tangnes
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Er hat den EV Zug als Mannschaft und die Einzelspieler besser gemacht: Cheftrainer Dan Tangnes. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Wird er zum zweiten Zuger Meistermacher? Ligadominator EV Zug: So funktioniert sein Trainer Dan Tangnes

4 min Lesezeit 08.04.2021, 05:00 Uhr

Mit seinem Charisma sowie seiner Fach- und Sozialkompetenz hat er die Spieler in der Garderobe für sich eingenommen, dank seiner Selbstironie und seinem feinen Sinn für Humor ist er ein unterhaltsamer Gesprächspartner. Dan Tangnes hat in seinen drei Jahren mit dem EV Zug vieles richtig gemacht. Aber jetzt muss er unter maximalem Druck seine Meisterprüfung ablegen.

Man kann es sich nicht erarbeiten. Als Führungsperson hat man es – oder eben nicht. Es geht ums Charisma, um die Ausstrahlung und die kommunikative Fähigkeit, die Leute um sich herum in den Bann zu ziehen und für die gemeinsamen Ziele zu begeistern.

Nur Trainer, die Charisma besitzen, machen in aller Regel eine grosse Karriere in der Welt des Mannschaftssports. Dan Tangnes hat es auch. Die nächsten fünf Wochen in den Playoffs mit dem EV Zug werden Einfluss darauf haben, ob der 42-jährige Norweger die Türe zu einer erfolgreichen Karriere aufstossen kann (zentralplus berichtete).

In der zweiten Saison nach der Zuger Transferoffensive ist es ihm gelungen, aus dem EV Zug den Ligadominator in der Qualifikation zu formen. Auf die Frage, was denn die wichtigsten Gründe für diese frappante Weiterentwicklung seien, sagt Tangnes: «Wir sind als Gruppe reifer geworden.» Ehe er nachschiebt: «Und einige Spieler haben es mit mir nun fast drei Jahre ausgehalten.»

Personalmanagement kommt zentrale Bedeutung zu

Es ist vielen Charismatikern eigen, dass die Abnützungserscheinungen in der Zusammenarbeit mit ihrer Mannschaft weniger stark ins Gewicht fallen. EVZ-Sportchef Reto Kläy ist von Dan Tangnes› Arbeit derart überzeugt, dass er die Zusammenarbeit vorzeitig um drei Jahre bis 2024 verlängert hat. Er sagt: «Bei ihm stimmt das Gesamtpaket. Dan Tangnes hat die Fach- und Sozialkompetenz, um aus allen Spielern – ganz egal, wie alt sie sind – das Beste herauszuholen.»

«Wir fokussieren uns ausschliesslich auf Dinge, die wir kontrollieren können.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes

Dieses Personalmanagement, wie es der Cheftrainer benennt, erhält in den Playoffs eine zentrale Bedeutung. «Meine wichtigste Aufgabe ist, alles aus der Mannschaft und aus jedem Einzelspieler herauszubekommen», hält Dan Tangnes fest.

Darum müsse er in der entscheidenden Phase der Meisterschaft noch ein bisschen mehr Psychologe sein als während der Qualifikation. Es gelte, die Anspannung der Spieler richtig auszubalancieren. «Sie darf nicht zu hoch sein, um Hyperaktivität und eine zu hohe Aggressivität zu vermeiden.» Aber es darf auch nicht das Gefühl aufkommen, der Titel sei ein Selbstläufer.

Nur in sechs von 52 Spielen nicht gepunktet

An der Organisation und am Spielkonzept seiner Mannschaft braucht Dan Tangnes ja nicht mehr herumzutüfteln. Er hat seine Spieler auf ein kompetitives Toplevel, das kein Konkurrent nur annähernd erreichte, geführt.

«Das erlaubte es uns, Spiele zu gewinnen, selbst wenn wir nicht den besten Abend erwischten», nennt Dan Tangnes den Faktor, der den EV Zug zum überragenden Team der Qualifikation werden liess. In 46 von 52 Spielen hat der EVZ zumindest einen Punkt ergattert. Nur sechsmal ist er nach 60 Spielminuten in die Knie gezwungen worden.

Ab nächstem Dienstag geht es für den EV Zug darum, den beeindruckenden Lauf ins Ziel zu bringen. Im Gegensatz zu 2019, als Dan Tangnes seinen neuen Arbeitgeber nach dem Erringen des Cupsiegs bis in den Playoff-Final führte, darf der EV Zug nicht mehr Meister werden. Jetzt muss er.

Sein Rezept im Umgang mit Druck

Das löst einen anderen und viel höheren Druck aus, der vor allem auf den Schultern von Dan Tangnes lastet. Gegen aussen gibt sich der EVZ-Coach gelassen: «Man muss sich bewusst sein: Der Erfolgsdruck auf uns hat sich vergrössert, weil wir etwas Grosses geleistet haben. Und nichts ist grösser als der Druck, den wir uns selber auferlegen.»

Dem Druck begegnet er mit einem scheinbar einfachen Rezept, das er während seines mittlerweile dreijährigen Wirkens in Zug mantramässig zu wiederholen pflegt: «Wir fokussieren uns ausschliesslich auf Dinge, die wir kontrollieren können.» Damit spielt Dan Tangnes darauf an, dass die Zuger weiterhin alles unternehmen werden, um jedes Spiel bestmöglich vorzubereiten. Und in jedem Spiel alles dafür tun werden, um ihr bestes Level abzurufen.

«Besässe ich diese Fähigkeit, müsste ich sofort das Büro meines Vorgesetzten aufsuchen und mehr Lohn verlangen.»

Denn er gibt zu bedenken, dass es auf dem Eis auch Dinge gibt, die niemand kontrollieren kann. Für Dan Tangnes fallen Verletzungspech, Schiedsrichterentscheide, das Glück, das der Puck in deinem Sinn springt sowie in diesen Zeiten auch Corona in diese Kategorie.

«Ich kann keinen Titelgewinn garantieren. Besässe ich diese Fähigkeit, müsste ich sofort das Büro meines Vorgesetzten aufsuchen und mehr Lohn verlangen», scherzt er.

Darum ist fehlende Unterstützung kein Problem für diesen EVZ

Vielleicht kommt es den Zugern beim bevorstehenden Gipfelsturm entgegen, dass weiterhin keine Zuschauer im Stadion erlaubt sind. Denn es ist ein Fakt, dass die Zuger trotz fehlender Unterstützung auf den Rängen die beste Qualifikation aller Zeiten hingelegt haben.

«Spass macht es trotzdem niemandem», entgegnet Dan Tangnes. «Vielleicht sind wir mit dieser Realität, die wir nicht beeinflussen können, besser umgegangen als andere. Wir haben teamintern viel darüber geredet und liessen uns davon nicht ablenken.»

Dan Tangnes hat die Garderobe der Zuger im Griff. Jetzt ist es Zeit, die zweite grosse Erfolgsgeschichte des EV Zug nach 1998 zu schreiben. Macht er Sean Simpson, der die Schweizer Nati 2013 zu WM-Silber führte, zu seinem Vorgänger?

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