Liebe Stadt Zug, wir hätten da ein paar Ideen
  • Gesellschaft
  • Freizeit
  • Wohnen
Noch liegt der Zurlaubenhof in privater Hand. Das könnte sich jedoch bald ändern. (Bild: zvg Wikipedia CC)

Was man mit der Perle Zurlaubenhof anstellen könnte Liebe Stadt Zug, wir hätten da ein paar Ideen

4 min Lesezeit 1 Kommentar 08.11.2020, 19:20 Uhr

Der Zurlaubenhof, die «Perle» auf Zuger Boden, soll verkauft werden. Beispielsweise an die Stadt Zug, für geschätzte 50 bis 70 Millionen Franken. Wir hätten da so ein paar Ideen, was die Stadt mit dem prestigeträchtigen Hof anstellen könnte. Obacht, es wird etwas gar verträumt.

Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: 32’000 Quadratmeter Land mitten in der Stadt Zug. Das idyllische «Château», wie es im 18. Jahrhundert der Besitzer Beat Fidel Zurlauben nannte, liegt also auf einer Landfläche, die etwa 18 Eishockeyfeldern entspricht. Das Gut, das heute noch der Familie Bossard gehört, soll jedoch bald verkauft werden (zentralplus berichtete). Und zwar am liebsten an die Stadt, und zwar zum Preis von 50 bis 70 Millionen Franken.

Finden wir gut. Besser, als wenn das Bijou, wie es beispielsweise mit dem Salesianum passierte, an einen Crypto-Millionär geht und nur privat genutzt wird. Wir sind der Ansicht: Den Zurlaubenhof könnte man viel aufregender nutzen.

Verpasstes aufholen

Eigentlich wäre ja unweit des besagten Hofes vor wenigen Jahren noch eine Werkstatt für Kultur geplant gewesen. Daraus wird nichts. Aus einer sehr inspirierenden wird die wohl uninspirierendste Nutzung, die man sich vorstellen kann: Das Verwaltungsgericht zieht nämlich stattdessen ein (zentralplus berichtete). Darum finden wir: Möge die Kultur stattdessen im Zurlaubenhof Einzug halten. Die Dutzenden von Zimmern könnten zu subventionierten Kunst- oder Tanzateliers werden, zu Bandproberäumen, zu coronakonformen Kleinkonzertsälen und Ausstellungsräumen. Ikebana-Kurse, Hefeteig-Seminare, Yoga, logisch, und Gemeinschaftsgärten! Das Ganze wird natürlich mit einem schönen Restaurant und einem tollen Café untermalt. (Letzteres ist den Zugern nämlich bereits mit dem Verkauf des Salesianums abhanden gekommen.)

Zugegeben: Die Idee ist romantisch und wirft keine Kohle ab. Aber schön ist sie alleweil.

Der Zurlaubenhof in seiner ganzen Landliebe-Romantik.

Vermietungen, aber anders

Noch ist die bombastische Liegenschaft im südlichen Stadtteil in privaten Händen. Das heisst: Sie kann von relativ wenigen Menschen genossen werden. Und wenn man die Sache umdreht? Zahlbare Mikro-Wohnungen in den bestehenden Liegenschaften einbaut, die von Singles, von Weltverbesserern und WG-scheuen Studenten genutzt werden können. Zwei Herdplatten fürs Nötigste, Hochbett überm Schreibtisch, ausklappbare Essnische: Um zu merken, dass der Mensch wohl gar nicht so viel Platz braucht, sofern er jederzeit an die frische Luft kann. Und von der gibt’s auf der hübschen Liegenschaft ja genug.

Noch besser: Auch die Stadt Zug wagt sich ans Projekt «Generationenübergreifende WGs», wie es derzeit in Steinhausen passiert (zentralplus berichtete). Weltoffene Menschen jeden Alters leben jeweils in kleinen Wohnungen, Lebensbereiche wie etwa Küche, Wohnzimmer, Garten und Bio-Hühner-Gehege werden jedoch geteilt. Das erwünschte Resultat: Die Menschen leben mehr miteinander statt aneinander vorbei, man hat Gesellschaft, geistreiche Gespräche, Unterstützung, wenn benötigt. Weil der Zurlaubenhof doch ziemlich gross ist, wären mehrere solche WGs und ein dazugehöriger Co-Working-Space denkbar.

Verlorenes reanimieren

Die Zuger Altstadt? Laaaangweilig. Nicht mal die Tauben verirren sich in diese Gassen, in denen es nur wenige spannende Läden und kaum gastronomische Angebote gibt. Für die kuriosen Kleinstdetailhändler, Kleinbühnen und räumlichen Kleinode, die sich die Altstadtmieten nicht leisten können, soll nun Raum geschaffen werden. Und was, wenn aus einem der Zurlauben-Bauten ein Warenhaus der anderen Art würde?

Verloren geht gerade auch das Doku-Zug. Dieses wird zwar in die Zuger Bibliothek gezügelt, beim Umzug kommt es jedoch unweigerlich zu einem Platz-, Wissens- und auch Arbeitsplatzverlust. Wäre doch prima, das Doku-Zug auf dem altehrwürdigen Hof unterzubringen. Besonders heikle Recherchen dürfen ganz allein im Turmzimmer gemacht werden.

Verloren ging vor einigen Jahren auch die Idee eines Multiplex-Kinos am Zuger Stadtrand (zentralplus berichtete). Logisch, in den alten Gutshäusern lässt sich kein Megakino einrichten. Möglich jedoch wären mehrere winzige Kinosäle à la Arthouse in Zürich, um dann all jene Filme zu zeigen, die jenseits vom Mainstream liegen.

Den «Freiruum» transplantieren

Der Place to be in Zug? Der «Freiruum», wo whiskeytrinkende Businessdamen, stillende Expat-Mamas und kletternde Jungspunde aufeinander treffen und tipptopp harmonieren. Der «Freiruum» mit seinen Foodständen und mit der Trampolin- und der Kletterlandschaft ist der Bevölkerung schon zünftig ans Herz gewachsen. Entsprechend fürchten bereits jetzt viele Zuger den Moment, an dem es heisst: Fertig lustig. Der «Freiruum» ist eine Zwischennutzung, von Anfang an zu Ende gedacht. Doch was, wenn einige Teile davon in den Zurlaubenhof transplantiert werden? Nicht unbedingt als täglicher Mittagstreffpunkt, liegt doch der Zurlaubenhof etwas abseits vom Geschehen. Doch wie wärs, wenn man aus dem Dachstock der riesigen Scheune eine Abenteuerlandschaft für Kinder machen würde, darunter ein Abendangebot für Erwachsene mit Bars, Imbissständen und feuerpolizeilich abgesegneter Zigarrenecke?

Kohle durch Vermietungen

Auch wenn keine dieser Ideen der Stadt das grosse Geld einbringen dürfte, so gibt es auch für dieses Problem eine Lösung. Für den nicht mehr landwirtschaftlich genutzten Flächen des Grundstücks werden derzeit Bebauungspläne erstellt. Insgesamt neun Häuser mit insgesamt 46 Wohnungen sind geplant, was wiederum zu hübschen Einnahmen führen dürfte.

Ganz bestimmt gibt es deutlich realistischere und dennoch schöne Möglichkeiten, wie man den Zurlaubenhof künftig nutzen könnte. Und wer diesen, wenn nicht die Stadt, kaufen sollte. Wir freuen uns über deine Ideen in der Kommentarzeile.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 400 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. Evi Christen, 12.11.2020, 15:43 Uhr

    «In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird die Finanzkraft der Senioren abnehmen. Dann sind günstige Wohnformen gefragt.»

    Evi Christen möchte zahlbare Wohngemeinschaften für Senioren realisieren. Gemeinschaft erleben, mit anderen Menschen Hausarbeit und Kosten teilen. Die Vorteile von Wohngemeinschaften (WG) liegen auf der Hand. Man ist nicht allein und kann kostengünstigen Service beziehen. Warum soll diese Wohnform nicht auch für Senioren praktikabel sein? Spitex, Physio,- Ergotherapien oder private Pflege können als Dienstleistung allenfalls aufgeteilt werden. Das gleiche gilt für viele andere Angebote.
    Die Idee wäre, eine Baugenossenschaft zu gründen, die sich auf diese Wohnform spezialisiert und geeignete Objekte inklusive Pflege- und Hauswirtschaftsservice zu Verfügung stellt. Die Wohnformen können sehr unterschiedlich aussehen. Warum nicht in Stadtnähe auf einem Bauernhof, wo man sich auf Wunsch noch etwas einbringen darf? Oder in einem jungen Familienquartier, das Leben versprüht? Alles ist möglich.
    «Eine WG ist viel günstiger als ein Heim. Die Gesundheitskosten könnten damit gesenkt werden.»
    Doch ist die Nachfrage bei den Senioren aktuell vorhanden? Evi Christen findet die Idee der Senioren-WG interessant. Aus finanzieller und sozialer Sicht wäre diese Wohnform sinnvoll, auch weil sich die Bewohner gegenseitig unterstützen können. Ein WG-Leben setze eine gewisse Flexibilität voraus, Kompromisse müssen eingegangen werden. Vor allem wenn jemand sein Leben lang mit dem Partner oder der Partnerin zusammen gelebt hat, die Abläufe abgestimmt waren, und man sich sehr gut kannte. Gemäss einer Umfrage von ihr, kann sich die 60er- und 70er Jahre Generation dies jedoch sehr gut vorstellen. „Viel besser als in einem herkömmlichen Altersheim“ – da bestehe grosse Einigkeit. Und sicherlich besteht aufgrund selbstbestimmten Lebensstils dieser älter werdenden Generation ein Trend zu zunehmend integrierten Angeboten zwischen ambulanten und stationären Dienstleistungen.»

Wie viel ist Dir unabhängiger Journalismus wert?

Schön besuchst Du zentralplus. Für Dich gehen wir vor Ort, sind mitten drin und nahe dran. Doch ganz gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Um die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben, benötigen wir Deine Unterstützung. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

Schön besuchst Du zentralplus. Du verwendest einen Adblocker. Werbung ist für eine wichtige Einnahmequelle, die uns hilft, die unabhängige Stimme zu den Grossverlagen in der Zentralschweiz zu bleiben. Denn gratis geht Qualitätsjournalismus nicht. Zeig uns mit Deinem freiwilligen Abo oder einem einmaligen Beitrag, was wir Dir wert sind.

CHF