Leute fahren öfters Velo – aber nicht in Luzern
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Ein Nachmittags-Velotöurli durch Luzern – diese Freizeitbeschäftigung ist im Moment hoch im Kurs. (Bild: Emanuel Ammon/Aura)

Pedalen wird zum Freizeitvergnügen Leute fahren öfters Velo – aber nicht in Luzern

4 min Lesezeit 29.07.2020, 05:00 Uhr

Seit Beginn der Corona-Krise sind schweizweit mehr Velofahrten registriert worden. In Luzern sieht es etwas anders aus. Hier kam es zu einer Verlagerung: vom Berufs- in den Freizeitverkehr.

Eine Studie der ETH zeigt, dass die Zahl der Velofahrten in der Schweiz seit März um 70 Prozent zugenommen hat. Der Trend zum Velo macht sich auch bei den Verkäufern bemerkbar.

In der Region noch ein Velo zu finden, ist (fast) ein Ding der Unmöglichkeit (zentralplus berichtete) – und wer sein Bike reparieren lassen will, muss mit langen Wartezeiten rechnen (zentralplus berichtete).

Diskrepanz zwischen Beobachtung und Fakten

In Luzern lassen sich ebenfalls deutlich mehr Velofahrer feststellen, an den Nachmittagen staut es teilweise auf den Radwegen. Doch überraschenderweise bestätigt sich der Trend an den Messstationen in der Stadt Luzern nicht.

«Die Velozahlen blieben in der Corona-Zeit relativ stabil.»

Milena Scherer, Stadt Luzern

«Seit dem Lockdown verzeichnen wir etwa ähnliche Velozahlen wie in den Vorjahren», sagt Milena Scherer, Mobilitätsexpertin beim städtischen Tiefbauamt. «Die Velozahlen blieben in der Coronazeit relativ stabil – dies gegenüber dem deutlichen Rückgang im öffentlichen Verkehr und dem anfänglichen Rückgang im motorisierten Individualverkehr.»

Am Nachmittag sind mehr Velos unterwegs

Täuscht der Eindruck also, dass in der Stadt jetzt mehr Velos unterwegs sind? Nein, erklärt Scherer. Aber: «Das Veloaufkommen hat sich vom Morgen auf den Nachmittag verschoben.»

Das heisst: In der Stadt führt der Wechsel ins Homeoffice zu einem Rückgang des Berufsverkehrs. Dafür zählen die Messstationen mehr Freizeitverkehr ab dem Mittag. «Das führt dazu, dass sichtbar mehr Velos am Nachmittag unterwegs sind und waren», so Scherer.

Ob das so bleibt, ist schwierig abzuschätzen. «Ich rechne damit, dass die veränderten Arbeitsbedingungen – Stichwort Homeoffice und flexiblere Arbeitszeiten – einen Einfluss auf die Stosszeiten haben werden», meint Milena Scherer. Auch wenn dieser gering ausfallen dürfte.

Der Ehrgeiz der Stadt ist angestachelt

Pro Velo Schweiz hat diese Woche gegenüber SRF gefordert, dass die Veloinfrastruktur aufgrund des veränderten Mobililitätsverhaltens angepasst wird. In Lausanne und Genf hatte man während des Lockdowns kurzerhand neue Velowege auf die Strasse gepinselt. Solche Hauruck-Aktionen sind in Luzern nicht geplant.

Untätig bleiben will die Stadt aber nicht. Im Gegenteil. Dass in Luzern die Zahl der Velofahrten nicht – wie teils in der übrigen Schweiz – zugenommen haben, spornt die Behörden an. «Da wir keine nennenswerte Steigerung der Velozahlen feststellen, gehe ich davon aus, dass weitere Massnahmen notwendig sind, um das Velofahren für die Luzernerinnen attraktiver zu machen», so Milena Scherer.

Initiative fordert durchgehendes Velonetz

Hintergrund: Die Förderung des Veloverkehrs ist eines der Ziele der städtischen Mobilitätsstrategie. Der Stadt sind dabei aber teils die Hände gebunden. «Viele neuralgische Stellen liegen im Bereich von Kantonsstrassen und damit im Kompetenzbereich des Kantons», erklärt Scherer.

Auftrieb bekommen könnte das Anliegen durch die Veloinitiative von Pro Velo, die kürzlich lanciert worden ist. Diese fordert, dass auf Stadtgebiet bis 2030 ein Velonetz von mindestens 20 Kilometern geschaffen wird (zentralplus berichtete).

Sicherheit beim Velofahren – Fakten und Tipps

Die Suva führt eine Statistik über die Zahl der Velounfälle von Erwerbstätigen im Kanton Luzern. Diese zeigt, dass es zwischen März und Juni zu keinem signifikanten Anstieg der Unfälle mit Zweirädern gekommen ist. Insgesamt haben sich in besagtem Zeitraum 414 Velounfälle ereignet. 2019 lag die Zahl der Unfälle im gleichen Zeitraum bei 363.

Wer sich kürzlich ein neues Velo gekauft hat, aber seit Jahren nicht mehr gefahren ist, sollte vorsichtig sein. Die Suva empfiehlt unsicheren Velofahrerinnen, den «Ernstfall» zuerst ein paar Mal in einer verkehrsberuhigten Gegend zu üben. Beispielsweise auf einem leeren Parkplatz. «Im Strassenverkehr sollte man als Velofahrer stets vorausschauend unterwegs sein und den Überblick der Verkehrssituation behalten», sagt Suva-Sprecherin Natascha Obermayr.

So sehe man allfällige Hindernisse frühzeitig und könne proaktiv ausweichen. «Zudem senkt ein Velohelm das Risiko von Kopfverletzungen bei Unfällen erheblich. Ein gut gewartetes Velo mit intakten Bremsen, guten Pneus, funktionierendem Vor- und Rücklicht sowie einer Klingel leistet auch einen Beitrag, um sicher ans gewünschte Ziel zu gelangen», so Obermayr.

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