Les Sauterelles gewinnen gegen den ESC
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Bei «Hongkong» geht es auf der Bühne richtig ab. (Bild: nae)

60er- und 70er-Hits im KKL Luzern Les Sauterelles gewinnen gegen den ESC

3 min Lesezeit 14.05.2017, 11:31 Uhr

Wer gestern Abend vor dem Fernseher sass, um sich den ESC anzuschauen, der hat definitiv etwas verpasst – nämlich richtig gute Musik. Die gab es am Samstag im KKL Luzern. Die «Lucerne Concert Band» spielte mit den Herren von Les Sauterelles an der Gala-Night 2017. Ein Experiment mit zwei ungleichen Akteuren.

Das Konzert begann ungewöhnlich. Als es dunkel wurde, hörte man eine altbekannte Melodie aus dem Fernsehprogramm der 60er-Jahre. Dann folgte ein Sprecher mit den Nachrichten: Die Expo 64 sei eröffnet worden; die Post verlange neu auf jedem Brief eine Postleitzahl; die Tempolimite 50 km/h Innerorts werde geprüft.

Unterdessen hatte sich das Orchester aufgebaut. Als die Musik begann, wurde die Zeitreise komplett. Man fühlte sich zurückversetzt in jene Zeit, die wunderbare Melodien und rockige Gitarrenriffs hervorgebracht hat.

«Sonst wären sie ja nicht hier!»

Moderiert wurde der Abend von Beni Thurnheer. Er führte gekonnt und humorvoll durch das Konzert. Passend zur zeitgleichen Austragung des ESC fiel die Sprache auf den Musikwettbewerb. Weil ABBA 1974 den ersten Platz machten, durfte auch ein ABBA-Medley nicht fehlen. Doch der Musikwettbewerb habe sich verändert. Dazu Thurnheer: «Der Concours d’Eurovision ist nicht mehr so bedeutend wie damals, sonst wären sie heute Abend ja nicht hier!» Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite.

Beni Thurnheer wie man ihn kennt: Mit Witz und Charme moderierte er den Abend.

Beni Thurnheer wie man ihn kennt: Mit Witz und Charme moderierte er den Abend.

(Bild: nae)

Vier verlorene Rocker

Als Les Sauterelles nach der Pause auf die Bühne kamen, standen sie zuerst ein bisschen verloren zwischen den leeren Notenständern des Orchesters. Doch der Sound war einwandfrei. Dass sie es immer noch draufhaben, bewiesen die vier Herren in den nächsten sechzig Minuten. Die anfängliche Verlorenheit wich schon bald der treibenden Dynamik ihrer Musik.

Sie spielten Hits von den Beatles, den Beach Boys, den Rolling Stones sowie ihre eigenen. «Heavenly Club»– ihren bekanntesten Song – spielten sie an diesem Abend gleich zweimal. Daneben durfte auch der Instrumental-Hit «Hongkong» nicht fehlen – Gitarrenrock vom Feinsten. Neben Toni Vescoli, der die Band gegründet hat, standen Düde Dürst am Schlagzeug, Freddy Mangili und Peter Glanzmann an Bass und Gitarre auf der Bühne.

Im zweiten Teil wird die Rockband von Gian Walker dirigiert und einem Orchester begleitet.

Im zweiten Teil wird die Rockband von Gian Walker dirigiert und einem Orchester begleitet.

(Bild: nae)

 

Kein Stühle-Werfen im KKL

Den ersten Teil bis zur Pause bestritt die Lucerne Concert Band alleine. Doch ihre Musik hatte es in sich. Manch einer hätte gern das Tanzbein geschwungen in Anbetracht des fetzigen Sounds. Doch man traute sich nicht. Nach jedem Lied wurde frenetisch applaudiert – mehr aber auch nicht. Das ist eines der Probleme solcher Konzerte im Ambiente des KKL.

Das Konzerthaus ist sehr offen geworden bezüglich der präsentierten Musik und den Stilrichtungen. Das Publikum scheint jedoch oftmals ein bisschen gehemmt. Auch die Stars des Abends schaffen es nicht ganz, das Publikum zum Mitsingen und Mitklatschen zu animieren. Dies könnte jedoch auch am etwas hohen Durchschnittsalter der Zuschauer gelegen haben.

Drei Standing Ovation

Zum Abschluss spielten Orchester und Les Sauterelles unter anderem den Hit «Heavenly Club». Es harmonierte gut. Für Vescoli und Co war die Situation jedoch merklich ungewohnt. So konnten sie nicht mehr gleich viel Gas geben wie zuvor, als sie die Bühne alleine gerockt hatten. Trotzdem war das Publikum überwältigt und bot den Künstlern drei Standing Ovations.

Nach dem Konzert hörte man von allen Seiten nur lobende Worte. Das Experiment schien gelungen. Dem Publikum hat es gefallen und die rasanten Medleys der Lucerne Concert Band werden ebenfalls in guter Erinnerung bleiben.

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