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Lengwiler: «Wären wir von einem Mäzen abhängig, würde ich nicht hier arbeiten»
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Höhere Präsenzzeiten und nicht selten weniger Salär als in der Privatwirtschaft: EVZ-CEO Patrick Lengwiler redet über das, womit ein Geschäftsleitungsmitglied im Sportbusiness leben muss. (Bild: sib)

Der EV Zug erwirtschaftet abermals Gewinn Lengwiler: «Wären wir von einem Mäzen abhängig, würde ich nicht hier arbeiten»

5 min Lesezeit 10.09.2018, 20:55 Uhr

Ein Jahresumsatz von 29,7 Millionen und ein geschrumpfter Gewinn von 72’000 Franken in der Rechnung: EVZ-CEO Patrick Lengwiler schaut trotz sportlichem Aus im Playoff-Viertelfinal positiv auf das letzte Geschäftsjahr zurück. Dabei liegt ihm eine Botschaft besonders am Herzen. 

Draussen nahm die Sonne unverdrossen den Kampf gegen den meteorologischen Herbst auf. Drinnen, im «Legends Club» der Bossard Arena, musste das grelle Licht gedämpft werden. Damit der Beamer seine Arbeit verrichten und hinter den Köpfen der EVZ-Verantwortlichen relevante Informationen für die Besucher der Medienkonferenz einblenden konnte. So wirkte die Szenerie, als hätte das bedeutendste Sportunternehmen des Kantons Zug etwas Trauriges zu vermelden. 

Aber so war es nicht: Obwohl der Umsatz des EVZ im Vergleich zum Vorjahr um rund eine Million Franken zurückging, resultierte unter dem Strich ein kleiner Gewinn von 71’513 Franken (zentralplus berichtete).

Sportchef Reto Kläy, CEO Patrick Lengwiler und Trainer Dan Tangnes.

Sportchef Reto Kläy, CEO Patrick Lengwiler und Trainer Dan Tangnes.

(Bild: ain)

CEO Patrick Lengwiler schickte sich in den Kampf, um den Unterschied zwischen Schein und Sein aufzuzeigen. Und berief sich dabei auf die «Vision 2012». Die lautet – rudimentär zusammengefasst – so: «Mit ambitionierten Spitzensportlern und dem Nachwuchs als Basis strebt der EVZ den nächsten Titelgewinn an.» Den zweiten nach 1998 also.

Aber das soll keinesfalls ohne eine gesicherte Finanzierung und eine solide wirtschaftliche Basis geschehen. «Es hat sich seit 2012 alles in Richtung Erfüllung der Vision bewegt.» Und das machte den Redner, wie Lengwiler festhielt, «stolz». Nur den Titelgewinn hätten sie noch nicht erreicht.

Bezahlte Strebel den Genoni-Transfer?

Mit der Verpflichtung von WM-Silberheld Leonardo Genoni auf die übernächste Saison haben die Zuger den wohl wichtigsten Transfer eines Schweizer Spielers in der Klub-Historie seit 1967 getätigt (zentralplus berichtete). Und weil der vierfache Meister-Goalie ausgerechnet vom SC Bern kam, traute man den Zugern den Coup nicht ohne grosszügigen Zustupf eines potenten Mäzens zu. Und dessen Name liegt auf der Hand: Hans-Peter Strebel, wohlbestallter Ex-Unternehmer, Mehrheitsaktionär der EVZ Holding AG und deren Tochterunternehmen.

«Ein Plus im Schweizer Eishockey-Geschäft ist schon mal positiv.»

EVZ-CEO Patrick Lengwiler

Lengwiler, einem engen Freund Strebels, ist diese Sicht der Dinge offensichtlich ein Dorn im Fleisch. Er betonte deshalb: «Eine gesicherte Finanzierung bedeutet, dass wir nicht abhängig sind von einem Mäzen.» Und ergänzte, dass sie kein Geld von Hans-Peter Strebel für eine Einkaufstour bekommen hätten. «Der Transfer von Genoni passierte im Rahmen unseres Budgets, und das bedeutet, dass nicht jeder aktuelle Spieler mit auslaufendem Vertrag mit einer Verlängerung der Zusammenarbeit rechnen darf.»

Nicht der Wahnsinn

Im bilateralen Gespräch führte Lengwiler seinen Standpunkt aus: «Mit einem Mäzen im Rücken kann ich kein Unternehmen führen. Wie soll ich da zum Beispiel einem Marketingchef sagen, dass er diese Erträge zu erzielen hat, wenn es ohnehin keine Rolle spielt, weil der Mäzen alles ausgleicht?» Er könne nicht in einer Firma schaffen, in der seine Arbeit unbedeutend sei. «Und was wäre, falls der Mäzen plötzlich nicht mehr da zur Verfügung stünde?», merkte Lengwiler an. Dieser Verantwortung scheint sich Strebel in der Aussenwahrnehmung durchaus bewusst zu sein.

Sie sind startklar: EVZ-Fans pilgerten zahlreich an die Saisoneröffnung.

Sie sind startklar: EVZ-Fans pilgerten am Wochenende zahlreich an die Saisoneröffnung.

(Bild: zvg/Fabrizio Vignali)

Zu den Zahlen: 29,7 Millionen Umsatz haben die fünf Tochtergesellschaften der Holding (EVZ Sport AG, EVZ Nachwuchs AG, The Hockey Academy AG, EVZ Gastro AG mit ihrer Tochterunternehmung Pier 41 GmbH und EVZ Management AG) gemacht. Dabei erzielten sie einen Jahresgewinn von 71’513 Franken (Vorjahr: 478’623).

Zieht man Privatunternehmen dieser Grössenordnung als Vergleich heran, ist das «nicht der Wahnsinn», bemerkte Lengwiler. «Aber ein Plus im Schweizer Eishockey-Geschäft ist schon mal positiv.» Gegen diese Betrachtungsweise gibt es heute wie morgen kaum etwas einzuwenden. Zudem ist dem CEO der Hinweis auf die Eigenkapitalquote von über 63 Prozent ein wichtiges Anliegen.

Wie wirtschaftete die EVZ Gastro AG?

Die Aktionäre der Holding befinden am Montagabend an der Generalversammlung im Legends Club über einen ausgewiesenen Gewinn von 6878 Franken. Und sie werden, wie die Öffentlichkeit, nicht erfahren, wie jede einzelne Tochtergesellschaft gewirtschaftet hat. Das ist im Sinne des Mehrheitsaktionärs – und darüber hinaus im Detail wohl auch nicht immer ganz einfach darzulegen und zu erklären.

In diesem Jahr wären die Zahlen der EVZ Gastro AG ganz interessant gewesen, weil die Pacht des Zunfthauses Kreuz zu Oberwil per Ende Februar 2018 aufgegeben worden ist (zentralplus berichtete). Sie hat, vorsichtig ausgedrückt, nicht rentiert. Und war eine von drei Beizen, welche das EVZ-Tochterunternehmen ausserhalb der Bossard Arena betreibt. Die andern zwei sind das «Pier 41» beim Bahnhof Zug und das «Fondue-Stübli» gleich ausserhalb des Zuger Eishockey-Stadions.

Steiniges Pflaster

In Zug kursieren Gerüchte, dass auch das «Pier 41» wirtschaftlich nicht rentieren soll. «Das stimmt nicht», wehrte sich Lengwiler vehement. Es ist nun gewiss kein gut gehütetes Geheimnis, dass die Gastronomie schon seit etlichen Jahren ein wirtschaftlich steiniges Pflaster geworden ist. «Aber wir sind nicht in der Situation, dass wir Verlust schreiben müssten», versicherte Lengwiler.

«Es ist nicht unser Ziel, einer der wichtigsten Gastronomen im Kanton zu werden.»

Er erinnerte daran, was der ursprüngliche Sinn der EVZ Gastro AG war. In den Anfangsjahren ab 2010 sei der Betrieb der Bossard Arena sehr winterlastig, im Sommer gar tote Hose gewesen. «Ein Sinn und Zweck der Gastro-Strategie war es, uns breiter aufzustellen, um nicht Angestellte über die Sommerzeit entlassen zu müssen.» Das ist heute anders – wegen der besseren Auslastung der Bossard Arena ausserhalb des Eishockey-Betriebs.

Das Ende der Gastro-Strategie?

Hat sich die Gastro-Strategie ausserhalb der Bossard Arena also erledigt? «Nein», entgegnete der EVZ-CEO. Sie wüssten zwar nicht, wie lange sie das «Pier 41» noch betreiben könnten, bevor das Gelände, auf dem das in die Jahre gekommene Haus stehe, umgebaut werde. Das mache es auch schwierig, sinnvolle Investitionen zu tätigen. «Aber wir haben auch schon Übernahme-Anfragen abgelehnt», sagte Lengwiler.

Zudem schloss er nicht aus, dass die EVZ Gastro AG in Zukunft wieder einen neuen Restaurationsbetrieb in- und ausserhalb des Stadtgebiets zu übernehmen bereit sei. Natürlich auf der Basis der unerfreulichen Erfahrung, die das Zunfthaus Kreuz in Oberwil mit sich brachte. «Es ist und war noch nie unser Ziel, einer der wichtigsten Gastronomen im Kanton zu werden.»

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