<p>«Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Regierung dazu bereit ist, Kosten auf Eltern oder Lehrer abzuwälzen», sagt Alex Messerli, der Präsident des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands (LLV).</p>
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«Wir haben nach wie vor einen Lehrpersonenmangel, der sich gemäss unseren Erhebungen seit dem letzten Jahr verschärft hat», sagt Alex Messerli, Präsident des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbands. (Bild: ida)

Freie Pensen zum Schulstart Lehrermangel in Luzern bleibt ein Problem – vorerst

5 min Lesezeit 5 Kommentare 11.08.2021, 11:54 Uhr

Bald beginnt das neue Schuljahr – mit alten Problemen: Immer mehr Kinder und Jugendliche drücken die Schulbank, immer weniger Lehrerinnen stehen an der Tafel. zentralplus hat nachgefragt, warum in Luzern ein Mangel an Fachkräften herrscht, und was dagegen unternommen wird.

Sei es der erste Schultag überhaupt, eine neue Stufe oder der Übertritt an eine neue Schule: Am 23. August läuten die Glocken und die Luzerner Klassenzimmer füllen sich wieder mit Kindern und Jugendlichen. Und Lehrpersonen.

Von letzteren gibt es aber seit Jahren einen Mangel – auf diversen Schulstufen (zentralplus berichtete). Das hat sich auch fürs kommende Semester nicht massgeblich geändert. Im Gegenteil. «Wir haben nach wie vor einen Lehrpersonenmangel, der sich gemäss unseren Erhebungen seit dem letzten Jahr verschärft hat», sagt Alex Messerli, Präsident des Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (LLV). Das heisst: «Stellen können nicht immer mit qualifizierten Lehrerinnen und Lehrern besetzt werden.»

Immer mehr Schüler, weniger Lehrer

Gemäss der Website des Kantons Luzern sind derzeit rund 60 Stellen in verschiedenen Lehrberufen ausgeschrieben. Besonders gefragt sind Lehrpersonen im Bereich der Logopädie und der schulischen Heilpädagogik. «Bei den Logopäden gibt es seit Jahren eine strukturelle Unterversorgung», sagt Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Volksschule des Kantons Luzern. «Da spielen diverse Gründe mit: Die Ausbildung wird weniger nachgefragt, bessere Anstellungsbedingungen in anderen Kantonen und der hohe Bedarf.»

Für den generellen Mangel gibt es ebenfalls mehrere Gründe, wie auch eine Anfrage bei der Pädagogischen Hochschule Luzern (PH) zeigt: «Der erhöhte Bedarf an Lehrpersonen ist darauf zurückzuführen, dass gleichzeitig eine hohe Anzahl von Lehrpersonen in Pension geht und die Anzahl der Schülerinnen und Schüler steigt», erklärt Mediensprecher Marco von Ah. «Aktuell treten geburtenstarke Jahrgänge in den Kindergarten ein.»

Stichwort Pensionierung: Allein in diesem Sommer gingen 153 Fachkräfte in den Ruhestand. Im Gegenzug haben heuer 315 Studentinnen ihren Abschluss an der PH Luzern geschafft (zentralplus berichtete). Damit setzt sich ein moderater Aufwärtstrend fort, wonach immer mehr Personen im Kanton Luzern Lehrer werden wollen (zentralplus berichtete). Das heisst aber noch lange nicht, dass diese auch auf dem Beruf oder im Kanton bleiben.

Lohnunterschiede: ein Faktor, aber kein Hauptgrund

Denn ein Blick auf den Lohnreport 2020 zeigt, dass die durchschnittlichen Löhne in umliegenden Kantonen höher liegen als in Luzern. So verdient eine Kantilehrerin im Kanton Luzern zwischen 101’323 und 157’393 Franken. Im Kanton Zug beispielsweise sind es zwischen 118’016 und 172’025 Franken. Auch in den anderen Schulstufen sind die durchschnittlichen Löhne auswärts höher.

«Der Lohn ist sicher ein Anreiz, jedoch nicht der einzige, die Stelle zu wechseln.»

Alex Messerli, Präsident Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband

«Mit den Anstellungsbedingungen der Kantone Zug und Zürich können keine Kantone mithalten», sagt Aldo Magno. Trotzdem sei der Lohn nicht der Hauptfaktor, warum die Stellen nicht besetzt werden können – ausser vielleicht im Bereich der schulischen Heilpädagogik. Hier sieht Magno «Handlungsbedarf», weil der Kanton Luzern «vergleichsweise schlecht bezahlt».

«Der Lohn ist sicher ein Anreiz, jedoch nicht der einzige, die Stelle zu wechseln», meint auch Alex Messerli vom LLV. Immerhin habe sich der Kanton Luzern «nach Jahren der Sparpolitik» ein Stück in die richtige Richtung bewegt. Es brauche jedoch mehr. «Da erwarten wir noch weitere Korrekturen, gerade in den Bereichen der Wertschätzung, wie in der Altersentlastung, bei den Dienstaltersgeschenken und bei der zu grossen Differenz zwischen Dienstjahren und der Lohnstufe», sagt Messerli.

Mit fehlenden Ausbildungsplätzen, Anstellungsbedingungen und individuellen Motiven wie dem Arbeitsort oder Pensum nennt er noch weitere mögliche Ursachen für das Problem.

Viele haben tiefe Pensen – umso mehr braucht es

Gemäss einer Gesundheitsstudie des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz aus dem Jahr 2016, in die auch der Kanton Luzern einbezogen war, führten schwierige Unterrichtskonstellationen nämlich dazu, dass Lehrpersonen daraufhin ihr Pensum reduzierten. Mit schwerwiegenden Folgen.

«Wenn jede der ungefähr 5’000 Lehrpersonen der Volksschule im Kanton Luzern das Pensum um eine Lektion reduziert, sprechen wir von gut 170 Vollpensen», sagt Messerli.

«Es kann nicht sein, dass Studierende zu 100 Prozent ausgebildet werden und dann nur 50 Prozent dem Schuldienst zur Verfügung stehen.»

Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Volksschule des Kantons Luzern

Die Pensum-Problematik hat auch der Kanton erkannt. So erklärt Aldo Magno: «Bei den Lehrkräften der Regelschulen ist der geringe Beschäftigungsgrad ein Element des Problems.» Konkret beträgt das durchschnittliche Pensum einer Primarlehrperson im Kanton Luzern 46 Prozent. «Es kann nicht sein, dass Studierende zu 100 Prozent ausgebildet werden und dann jedoch nur 50 Prozent dem Schuldienst zur Verfügung stehen.» Weil dadurch entsprechend mehr Personen gebraucht werden, um einzelne Stellen zu besetzen.

Hier müssten Massnahmen gefunden werden, um den durchschnittlichen Anstellungsgrad zu steigern, findet Magno. Beispielsweise, dass Familie und Beruf besser vereinbart werden können. Auch sollen sich der Kanton und die Gemeinden dafür einsetzen, dass die Rahmenbedingungen wie Salär, Pensen und Weiterbildungsmöglichkeiten attraktiv bleiben. Magno sieht auch die Lehrerverbände in der Pflicht, um die Vorzüge des Berufs – wie die Sinnhaftigkeit, die Freiheiten und die Jobsicherheit – zu unterstreichen.

Hoffnungsschimmer am Horizont

Trotz vieler Baustellen gibt es auch einen Lichtstreif in der Ferne. Erfreulicherweise hat es mehr Anmeldungen für diejenigen Studiengänge gegeben, für die auch ein grosser Bedarf in der Praxis besteht, sagt Marco von Ah von der PH Luzern. «Insbesondere im Studiengang ‹Schulische Heilpädagogik› haben die Anmeldezahlen im Verlauf der letzten Jahre stark zugenommen. Aktuell haben wir für das Herbstsemester rund 150 Anmeldungen, das ist ein neuer Rekord», so von Ah. «Auch für die Studiengänge Kindergarten/Unterstufe und Primarstufe liegen die Zahlen sehr hoch.»

Auch Aldo Magno sieht mittelfristig eine Besserung: «Die Situation wird noch wenige Jahre angespannt bleiben. Danach sollte eine Normalisierung eintreten.»

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5 Kommentare
  1. Marina Gossweiler, 12.08.2021, 08:26 Uhr

    Man könnte die Löhne auch mit den übrigen Nachbarkantonen AG, BE, NW vergleichen. Dann sähe das Bild anders aus. Welcher Lehrer pendelt schon in den Kt. ZH? Auch in ZG kämen nur wenige Schulen infrage, sofern dort überhaupt ein Bedarf besteht.

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  2. David L, 12.08.2021, 00:05 Uhr

    Der Herr Magno ist schon ein lustiger… beschwert sich darüber, dass die meisten Lehrpersonen nur in Teilzeit arbeiten…
    Dabei ist doch genau das seit jeher die perfide Strategie des Schulwesens:
    Man steckt in 100% so viel Aufwand hinein, dass dieser nicht annähernd mit einer regulären 100% Arbeitszeit seriös bewältigt werden kann.
    Entsprechend reduzieren die Lehrpersonen dann das Pensum soweit, bis nur noch 100% effektive Arbeitszeit resultiert.
    Der Arbeitgeber gewinnt damit eine 100% Arbeitskraft die er nur zu vielleicht 50 bis 70% bezahlen muss.
    Kann mir doch keiner erzählen, dass das den Behörden nicht bewusst ist (sind ja in der Regel gescheiterte Lehrer, die in der Schulverwaltung landen). Das ist eiskalt so geplant, um die Löhne durch die Hintertür massiv zu drücken.
    In Zeiten des Lehrermangels fallen einen solche Spielchen dann halt auf die Füsse.

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  3. Kleider machen Leute, 11.08.2021, 20:53 Uhr

    Sehr geehrter Herr Präsident, bitte leisten Sie sich ein neues Hömmli! Danke! LG

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  4. Rosa Luxemburg, 11.08.2021, 13:30 Uhr

    Im benachbarten Zug verdient ein/e Lehrer/in ca. 10-25% mehr. Das schenkt schon ein für einen Beruf, der leider zu wenig Wertschätzung im Alltag erhält. Habe selber Bekannte, die die Reise nach Zug auf sich nehmen … schade für Luzern.

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    1. Nicoletta Elmiger, 12.08.2021, 08:05 Uhr

      Der Kt. ZG hat gerade mal 11 Gemeinden mit knapp 130’000 Einwohnern. Und eine eigene pädagogische Hochschule. Die Sogwirkung auf Luzern liegt somit nahe bei null.

      Wenn doch der Lohn im Kt. LU angeblich so tief ist, warum können sich die Lehrer Pensen von 40-50% leisten? In welchem anderen Beruf wäre das möglich?

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