Leben

Beiz im altehrwürdigen Haus lebt weiter
Wirtepaar verlässt das Restaurant Schiess in Cham

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentar: 1
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Roman und Claudia Buchle-Barbara lassen die Chamer Wirtschaft Schiess bald hinter sich. (Bild: wia)

Genau sechs Jahre nach ihrem Arbeitsantritt kehren Roman und Claudia Buchle-Barbara der Wirtschaft Schiess den Rücken. Mit Corona hat der Entscheid nichts zu tun.

10 Uhr morgens im Restaurant Schiess in Cham. Die ersten Mittagsgäste kommen erst in rund zwei Stunden. Es ist ruhig in der überschaubaren Wirtschaft. Sie ist so kompakt, dass die Menükarten aus Platzgründen an Kleiderbügeln hängen. Die erstaunlich kräftige Januarsonne scheint auf dunkle Beizentische, der grüne Kachelofen, der wohl seit Jahrhunderten in einer Ecke steht, hätte bestimmt einige hübsche Anekdoten auf Lager, wenn er nur sprechen könnte.

Bereits Ende des 16. Jahrhunderts soll in diesem Kleinod gewirtet worden sein. Es handelt sich um eines der ältesten Gastrolokale in der Gemeinde. Geführt wird es seit sechs Jahren von Claudia und Roman Buchle-Barbara. Für das Ehepaar wird dies die letzte Saison sein. «Am 1. Mai 2016 haben wir hier angefangen, Ende April hören wir auf. Somit schliessen wir den Kreis», erzählt Claudia Buchle (55) bei einem Kaffee, während ihr Mann (62) in der Küche die Mittagsmenüs vorbereitet.

26 Jahre haben sie in Cham gewirtet

Der Kreis schliesst sich. Das meint Buchle nicht etwa im negativen Sinn. Seit 26 Jahren sind die beiden Gastronomen in der Branche, waren zuerst im Leue in Hagendorn, später im Restaurant Lorze tätig, bevor sie die Wirtschaft Schiess übernahmen. Dass sie nach wie vor sehr gerne arbeiten, sieht und hört man ihnen an.

«Das Wirten verlangt einem viel ab. Doch viel mehr bereitet es uns Freude. Es ist sehr befriedigend, dass die Leute schätzen, was wir hier leisten.» So etwa sei es für die beiden toll, wenn man über Jahre die gleichen Gäste bewirten dürfe.

Treue und dankbare Gäste

«Wenn die gleichen Leute bei uns ihre Erstkommunion, ihre Firmung und später ihre Hochzeit feiern, ist das ein grosses Kompliment.» Und weiter: «Überhaupt bringen uns die Gäste grosse Wertschätzung entgegen, nicht selten kommen sie nach dem Essen kurz in der Küche vorbei, um sich zu bedanken.»

Während Buchle spricht, betritt ein Herr das Restaurant. Unter dem Arm trägt er einen grossen Laib Käse. Claudia Buchle begrüsst ihn wie einen alten Freund. Man tauscht ein paar Worte aus. Wenig später verabschiedet sich der Käser, nicht ohne der Journalistin ein Stück Käse zu schenken.

«Dieter Meier genoss den Besuch bei uns sehr.»

Roman Buchle, Wirt

Nicht nur zu den Gästen besteht eine grosse Nähe, offenbar auch zu den Lieferanten. Das Gemüse wird in Hünenberg angebaut, der Fisch kommt aus Cham. Das Fleisch stammt aus dem Kanton Aargau und aus Schwyz. Bis auf das Bio-Rindfleisch. Das «Ojo de Agua»-Fleisch von Dieter Meier, eine Spezialität auf der Schiess-Menükarte, wird in Argentinien gezüchtet. Von Meier stammen auch einige der Weine auf der Karte.

Roman Buchle kommt aus der Küche und zeigt uns – nicht ohne Stolz – ein Foto. «Das war eines meiner Highlights! Diesen Dezember kam Dieter Meier zu uns essen. Er genoss den Besuch sehr und bereute gar, nicht schon früher hergekommen zu sein.»

Die Wirtschaft Schiess in ihrer ganzen Pracht.

Restaurant ist glimpflich durch die Pandemie gekommen

Auffallend: Während des Gesprächs mit dem Wirtepaar fällt kaum das Wort Corona. Dies, obwohl die Gastrobranche bekanntlich besonders stark betroffen ist von Auswüchsen der Pandemie. Darauf angesprochen, zuckt die Wirtin nur mit den Schultern.

«Während des Lockdowns schrieben uns sogar Gäste an und fragten, ob wir Hilfe benötigen.»

Claudia Buchle, Wirtin

«Zum einen wurden wir super behandelt vom Kanton, der uns sehr schnell und grosszügig finanziell unterstützte. Zum anderen hatten wir das Glück, dass wir kaum tangiert waren. Nach dem Lockdown im Juni konnten wir sogleich unsere Gartenterrasse eröffnen und beinah normal weitermachen.» Sie fügt an: «Während des Lockdowns schrieben uns sogar Gäste an und fragten uns, ob wir Hilfe benötigen. Das hat mich sehr berührt.»

Noch rund drei Monate steht Roman Buchle am Herd, dann geht’s ans Meer. «Schon lange hatten wir geplant, reisen zu gehen. Nun haben wir uns einen VW-Bus gekauft. Mit diesem wollen wir der Mittelmeerküste entlang fahren. Nicht zuletzt, um uns kulinarisch inspirieren zu lassen.»

Die Wirtsstube ist noch leer. Die Mittagsgäste kommen erst später.

Was nach der Reise passiert, lassen die beiden bewusst offen

Gut möglich, dass der Koch ein paar Wochen in fremden Küchen mittut oder dass die beiden einen längeren Halt machen, um bei der Olivenernte mitzuhelfen. Wie lange die Reise dauert und was danach kommt, wollen die Buchles bewusst offen lassen. Was für die beiden jetzt schon klar ist: Einen eigenen Betrieb möchten sie in Zukunft nicht mehr führen.

Noch ist man gedanklich überhaupt nicht am Meer oder bei der Olivenernte. «Wir sind noch mitten im Arbeitsleben. Schliesslich wirten wir noch einige Monate», sagt die Geschäftsführerin.

Das Restaurant Schiess soll weiterhin bestehen

Und wohin führt die Zukunft der Wirtschaft Schiess, wenn die Buchles weg sind? Das Restaurant im altehrwürdigen Haus soll auch weiterhin bestehen, bestätigt die Besitzerfamilie Schiess auf Anfrage. Wer das Lokal künftig übernehmen wird und welches kulinarische Konzept man sich in Zukunft wünscht, sei jedoch im Moment noch nicht klar.

Verwendete Quellen
  • Interview mit dem Wirtepaar
  • Telefonat mit der Besitzerfamilie
  • Recherche im Netz
Weitere Quellen
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1 Kommentare
  1. Marco Fischer, 25.01.2022, 09:03 Uhr

    Hey Claudia und Roman
    Ich wünsche Euch Beiden nur das Beste und hoffe
    das Ihr eine wunderbare und tolle Abenteuerreise in Eurem VW Bus
    erleben werdet.
    Liebe Grüsse aus Polen
    Marco

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