Leben
Luzerner Bilder rühren seine Mutter zu Tränen

Was hinter dem Video mit dem 12-jährigen Flüchtling steckt

Die spontane Begegnung mit dem 12-jährigen Flüchtling Timur wird Fotograf Davide Nestola nicht so schnell wieder vergessen. (Bild: Davide Nestola)

«Ich hab Gänsehaut» oder auch «erstmal Tränen in den Augen gehabt 🥺», solche Kommentare zieren zu Tausenden das TikTok-Video des Fotografen Davide Nestola. Seine Begegnung mit dem 12-jährigen Flüchtling Timur in Luzern hat das Internet erobert. zentralplus hat mit dem Künstler gesprochen.

Innerhalb von zwei Tagen wurde der TikTok-Beitrag von Davide Nestola rund sechs Millionen Mal angeschaut. Die Bilder, die er in Luzern aufgenommen hat, trafen viele ins Herz. Sie zeigen einen 12-jährigen Jungen, der an einem regnerischen Tag mit seiner Angelrute bei der Kapellbrücke steht.

Der Strassenfotograf spricht den sympathischen Knaben an und fragt, ob er ihn fotografieren darf. Timur willigt mit einem Lächeln ein und es entsteht ein magischer Moment, der im Internet millionenfach angeschaut und geteilt wird (zentralplus berichtete).

Der junge Ukrainer, der viele Menschen bewegt

Timur erzählt in gutem Englisch, dass er aus der Ukraine geflüchtet sei. Er liebe die Schweizer Gewässer und auch die Produkte von «Burger King». Ein normaler Junge, der allerdings viel durchgemacht hat.

«Sie sagte mir, dass dies das erste Mal seit Kriegsbeginn sei, dass sie nicht aus Traurigkeit weine, sondern aus Freude.»

Davide Nestola über den Kontakt mit Timurs Mutter

zentralplus hat mit dem Stadtfreiburger Strassenfotograf Davide Nestola über diese spontane Begegnung gesprochen. «Ich dachte mir zuerst, er sei ganz einfach ein junger Schweizer. Aber als er sagte, dass er Englisch und Ukrainisch spreche, wusste ich, dass dies eine ganz besondere Begegnung würde.» Nestola fotografiert seit rund einem Jahr unbekannte, interessante Menschen auf der Strasse. Die Begegnung mit Timur in Luzern wird ihm für immer in Erinnerung bleiben.

Beeindruckt hat den Fotografen unter anderem, wie gut der 12-jährige Timur Englisch spricht. «Was mir Besonderes bei Timur aufgefallen ist, er hat eine wunderbare Energie, ist lächelnd, bodenständig und ohne Angst.»

Falls du die Bilder noch nicht gesehen hast, hier geht es zum herzerwärmenden Video.

Das Video wurde innerhalb von 48 Stunden rund 6 Millionen Mal geschaut. (Bild: Screenshot TikTok)

Timurs Mutter ist zu Tränen gerührt

Was wohl die Mutter zur Internet-Berühmtheit ihres Sohnes sagt? Via «Instagram» hat Nestola sie, sie heisst Anastasia, tatsächlich gefunden. Er schreibt nun regelmässig mit ihr. Die Mutter war von den Bildern tief berührt.

Anastasia sei sehr dankbar für diese schönen Bilder. «Als sie das Video sah, brach die Mutter in Tränen aus. Sie sagte mir, dass dies das erste Mal seit Kriegsbeginn sei, dass sie nicht aus Traurigkeit weine, sondern aus Freude.» Von Timur selbst habe er gehört, dass er es geniesse, mit seinen neuen Freunden zu fischen.

Reaktionen teilweise niveaulos

Weit über 7'000 Menschen haben innerhalb kürzester Zeit auch das Video kommentiert. «Die Reaktionen sind zu 99 Prozent wunderschön», sagt der Fotograf. «Alle haben sich in diesen kleinen Kerl verliebt. Einige haben mich danach sogar auf ‹Instagram› angeschrieben und gefragt, ob sie der Familie etwas spenden können.» Andere seien auch Hobbyfischer und wollten Timur direkt einladen, mit ihnen fischen zu gehen. Nestola hat all diese Anfragen und Angebote an die Mutter des jungen Fischers weitergeleitet.

Was den Fotografen ärgert: Einige machen sich über einen kleinen Fehler von Timur lustig. Er spricht im Video in Englisch davon, dass er in der Schweiz «the sea» liebe. Übersetzt ist dies das Meer und nicht der See. «Das hat mich sehr genervt. Da hast du einen jungen Burschen, der aus der Ukraine flüchten musste, eigentlich nicht Englisch spricht und sehr wahrscheinlich sea mit See verwechselt hat», sagt er. Timur lerne momentan Deutsch und da sei es sehr gut möglich, dass er dies mit dem deutschen Wort «See» verwechselt habe.

Ob jetzt «sea» oder «See», ein «Must-See» ist das Video auf jeden Fall.

Verwendete Quellen
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