Leben
Was wir von Südländern lernen können

So fühlst du dich in Zug garantiert wie im Süden

Gerardo Colicchio in seinem Laden. Für ihn kann es nie genug heiss sein. (Bild: wia)

Die Hitze, ein Graus? Zeit für ein neues Mindset! Warum nicht einfach Zug zu Rimini machen, sich den mediterranen Lebensstil aneignen und mit italienischen Drinks bei Laune halten? Wir haben hiesige Südländerinnen gefragt, wie's geht.

35 Grad, die Sonne brutzelt steil vom Himmel runter, das Wasser glitzert. Klingt nach Ferien, ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil. Die aktuelle Hitze ist nicht das, was sich viele Zugerinnen unbedingt wünschen. Nur lässt sich dagegen herzlich wenig tun.

Darum: Warum nicht einfach geniessen? Warum nicht einfach so tun, als wäre man in Rimini oder an der Costa Blanca? Und das, ohne sich dafür durch vollgestopfte Flughäfen zu quälen?

Weil wir Schweizer mit so viel Sonne ganz dusselig werden und nicht so recht wissen, was wir damit anfangen sollen, haben wir die «Profis» gefragt. Süditalienerinnen und Spanier haben uns verraten, was sie bei solchen Temperaturen am liebsten essen, trinken und wie sie ihren Alltag gestalten. Wenn wir uns schon nicht gegen das herrschende Klima wehren können, kann man zumindest versuchen, das mediterrane Lebensgefühl kurzzeitig nach Zug zu holen.

Der Tipp der Süditalienerin: alle halbe Stunde eine kurze Pause

An der Neugasse in Zug führt Cherli De Cocinis einen niedlichen, authentischen italienischen Take-away (zentralplus berichtete). Die aktuellen Temperaturen geniesst sie sehr. «Ich liebe dieses Wetter, dann fühle ich mich lebendig und produktiv», sagt sie. Ihr Tipp: «Wenn man bei der Hitze im Büro arbeiten muss, lohnt es sich, jede halbe Stunde eine kurze Pause von fünf Minuten zu machen.»

Cherli De Cocinis in ihrer Rosticceria «Il Gusto». (Bild: wia)

Aufstehen, etwas trinken oder snacken, dann wieder zurück zur Arbeit. Aber: «Die Pausen dürfen nicht zu lang sein. Sonst befindet man sich plötzlich mitten im Tief, aus dem man nur schlecht wieder rauskommt.»

Das ideale Essen …

Das ideale Mittagessen für alle, die der Italiensehnsucht frönen möchten: Tomaten-Mozzarella-, Reis- oder Rucolasalat oder aber Fisch. Doch auch lauwarme Mahlzeiten mag De Cocinis in diesen Tagen. Die dürfen dann ruhig auch etwas üppiger sein. «Lauwarme Lasagne oder Parmigiana mit Auberginen passt gut zum Wetter. Doch es gibt durchaus auch jene Kunden, die bei 33 Grad heisse Lasagne möchten», sagt sie.

«Lauwarme Lasagne oder Parmigiana mit Auberginen passt gut zum Wetter.»

Cherli De Cocinis, Geschäftsführerin «Il Gusto»

Weniger gut hingegen würden im Moment Süssigkeiten laufen. Ausgenommen vom Glace, das sie im «Il Gusto» verkauft und das in Zürich produziert wird. Abschliessend sagt die Süditalienerin achselzuckend: «Man muss es einfach langsam nehmen und darf nicht vergessen, dieses Wetter zu geniessen.»

«Il Gusto»: Hier holen sich viele Büroarbeiterinnen ihr italienisches Mittagessen oder ihren Espresso. (Bild: wia)

Für ihn kann es nicht genug heiss sein

Nicht genug heiss sein kann es für Gerardo Colicchio, der ein Wein- und Comestibles-Geschäft an der Industriestrasse führt. Ein Glück, denn in seinem kleinen Laden ist es bei unserem Besuch gefühlte 36 Grad warm.

«Für mich kann es nicht genug heiss sein», sagt der Zuger, der im Hochsommer so richtig aufblüht. «Darum reise ich nächste Woche für einen Monat nach Italien. Erst nach Rimini, später in die Nähe von Neapel, wo ich herkomme.» Auch wenn er zugibt: «Mit dem Meer in unmittelbarer Nähe ist die Hitze eine ganz andere und viel angenehmer.»

«Ich trinke im Moment sehr viel italienischen Weisswein.»

Gerardo Colicchio, Wein- und Lebensmittelhändler

Sein Tipp: Viel Trinken. Das ist nichts Neues. Doch Colicchio präzisiert überraschend: «Ich trinke im Moment sehr viel italienischen Weisswein.» Pur oder gespritzt mit Mineralwasser oder Sprite sowie Eis. «Bei meinen Gästen läuft Aperol Spritz im Moment wie verrückt.» Auch analkoholische Apérogetränke wie Crodino empfiehlt er. «Und kalten Kaffee.»

Brasilena heisst das kalabrische Getränk, das viele Italiener in den Sommermonaten gerne trinken. (Bild: wia)

Zum Beweis nimmt er gleich eine kleine Flasche aus dem Kühler. Es handelt sich um das kalabrische Kaffeemischgetränk Brasilena, das er, gemeinsam mit einigen Eiswürfeln, in ein Glas kippt. Wachwerden und abkühlen geht hier in einem. Das leicht kohlensäurehaltige Getränk schmeckt ganz gut. Jedenfalls, wenn man gesüssten Kaffee mag.

Einen italienischen «Italiener» zu finden ist schwer

Wenn Colicchio nicht gerade selber nach Italien reisen kann, stillt er seine Italiensehnsucht, indem er in einem richtig italienischen Restaurant isst. «Leider gibt es in Zug nur noch wenige Pizzerien, die authentisch sind.»

Sein Tipp: «Die ‹Colonia Italiana› wird nach wie vor von Italienern geführt und ist sehr gut. Auch preislich. Hier muss man nicht den halben Lohn für eine Pizza ausgeben wie andernorts.» Doch gelte es, frühzeitig zu reservieren. Das Lokal ist erfahrungsgemäss oft voll. Und Obacht, die «Colonia Italiana» macht derzeit Sommerpause und öffnet erst am 11. August wieder.

Der See als Schweizer Trumpf

Toni Rodriguez, der Präsident des Centro Español in Zug äussert sich zunächst mit praktischen Tipps auf unsere Frage: «Es lohnt sich, mittags die Sonne zu meiden oder aber, auch mal eine längere Mittagspause einzulegen. Wichtig ist, alles ruhig anzugehen und sich nicht stressen zu lassen.»

Der Zuger sagt weiter: «Wer kann, soll sich jeden Tag im See abkühlen. Das Wasser hier ist erfrischend, anders als in gewissen spanischen Badeorten.»

«Ich kann Tinto de Verano in Zug auf der Terrasse geniessen und bin sofort wieder zu Hause in Spanien.»

Toni Rodriguez, Präsident des Centro Español

Kulinarisch setzt Rodriguez eher auf leichte Kost, viel Gemüse und frischen Tomatensalat. Doch wie bereits Colicchio, rät auch er zum Wein. «Die Spanier kennen das Mischgetränk Tinto de Verano. Es handelt sich um kühlen Rotwein, der mit Gaseosa, also Zitronenlimonade, sowie Eis gemischt wird.» Bei ihm löse das erfrischende Getränk immer Heimatgefühle aus. «Ich kann es in Zug auf der Terrasse geniessen und bin sofort wieder zu Hause in Spanien.»

Aber: Auch das Centro Español schliesst seine Türen ab nächster Woche bis am 8. August. Spanische Spezialitäten gibt's jedoch zwischenzeitlich im «La Baricca» in Cham oder in der Xaloc Tapas Bar an der Zuger Poststrasse. Das griechische Pendant, «Olive & Oregano», bietet auf dem Landsgemeindeplatz ebenfalls mediterrane Leckereien an.

Tony Rodriguez, Präsident des Centro Español. (Bild: )
Verwendete Quellen
  • Besuch im «Il Gusto»
  • Persönliches Gespräch mit Gerardo Colicchio
  • Telefongespräch mit Toni Rodriguez
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