Schutz des nordafrikanischen Kulturguts

Rückruf: Zuger sollen Saharastaub beim Ökihof abgeben

Der Saharastaub lässt den Zuger Kolinplatz in dramatischem Licht erscheinen. (Bild: ewi)

Autos, Balkontische, Parkbänke: Nichts bleibt verschont vom Saharastaub, der aktuell wieder von Afrika gen Norden zieht. Jetzt fordert die Regierung die Zuger auf, den Staub einzusammeln und beim Ökihof abzugeben.

Der Saharastaub holt uns wieder ein. Wie so oft im Frühjahr gelangt über den Südwind auch heuer wieder eine homöopathische Dosis eines Sandsturms über die Alpen (zentralplus berichtete). Es ächzt die Asthmatikerlunge, aber auch der Balkonbesitzer, dessen Sitzgelegenheiten mit dem feinen braunen Pulver überzogen sind. Autobesitzer jammern derweil, dass der frisch polierte «Chlapf» plötzlich ganz matt ist.

Was für uns ein kleines Ärgernis darstellt, ist für andere Länder der Verlust eines Kulturguts. Wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (Eda) mitteilt, ist die libysche Regierung besorgt um den Sandbestand im Land. So habe sich das Ortsbild in der Sahara in den letzten vier Wochen bereits erheblich verändert, heisst es aus dem nordafrikanischen Staat.

Ein leichter oranger Schimmer liegt über dem Pilatus in der Luft. (Bild: cbu)

Lybien fordert daher seinen Anteil des Sands zurück, den die für diese Jahreszeit typischen Sandstürme nach Europa getragen haben. Neben Libyen stecken auch Algerien und Ägypten bereits mit dem EDA in Verhandlungen betreffend der Rückführung von Saharasand. Gemäss noch zu definierendem Verteilschlüssel soll der Sand auf die entsprechenden Staaten aufgegliedert werden.

Rückführungsflüge geplant

Der Bund zeigt sich verständnisvoll für die Angelegenheit. Nach eingehenden Beratungen im Bundesrat wurde beschlossen, dass das EDA nun zwei Sandrückführungsflüge von Zürich nach Tripolis zur Verfügung stellt. Ebenfalls hat sich die Swiss grundsätzlich dazu bereit erklärt, einen Teil des Sands auf seinen Flügen von Zürich nach Johannesburg mitzunehmen und über der Sahara abzuladen.

Für die Sammlung des Wüstensands seien die Kantone selber zuständig, schreibt das EDA in der Mitteilung. Die Zuger Direktion des Inneren hat aus diesem Grund ein Konzept erarbeitet, um die Sandsammlung so effizient wie möglich zu gestalten.

Bitte nur gereinigten Staub: Birken in der Sahara unerwünscht

«Die Zuger Bevölkerung wird aufgerufen, sich im Sinne der Solidarität und zum Schutz internationaler Kulturdenkmäler an der Sammelaktion zu beteiligen», schreibt der zuständige Regierungsrat. Und weiter: «Saharastaub auf Oberflächen (wie etwa Balkontischen) wird am besten mit einem trockenen Lappen abgetragen und in verschliessbare Säcke abgepackt. Wichtig ist dabei, dass sich der Saharastaub nicht mit den Blütenpollen vermischt, welche sich aktuell ebenfalls in der Luft befinden.»

Schliesslich wolle man nicht riskieren, dass in der Sahara plötzlich Birken wachsen, sagt der zuständige Regierungsrat Andreas Hostettler schmunzelnd, wird dann aber gleich wieder ernst.

«Mit einem sehr feinen Sieb oder Kaffeefilter kann das Saharastaub-Wasser-Gemisch abgefangen werden.»

Andreas Hostettler, Zuger Regierungsrat

Etwas aufwendiger gestalte sich der Sammelvorgang nämlich bei der Autowäsche. Hostettler erklärt das Vorgehen: «Zunächst träufelt man stellenweise, etwa mit einer Petflasche, Wasser aufs Auto. Mit einem sehr feinen Sieb oder Kaffeefilter kann das Saharastaub-Wasser-Gemisch am unteren Ende des Autos abgefangen werden.» Danach müsse dieses mindestens 24 Stunden zum Trocknen ausgelegt werden, bevor es in einem Tupperware oder einer verschliessbaren Plastiktüte versorgt werden könne.

«Als Sieb dienen alte Schutzmasken hervorragend.»

Andreas Hostettler

Hostettler trumpft denn auch mit einem Lifehack auf: «Als Sieb dienen alte Schutzmasken hervorragend. Aus Sicherheitsgründen sollte der via Schutzmaske aufgefangene Staub jedoch desinfiziert werden, bevor er zur Sammelstelle gebracht wird.»

Ökihof plant Sonderaktion

Abgegeben werden kann der Saharastaub bei allen Zuger Ökihöfen, etwa auch in der Stadt. Der Leiter des Stadtzuger Ökihofs, Urs Hubatka, sagt dazu: «Bereits nach der ersten Saharastaub-Phase vor zwei Wochen haben Dutzende Zuger ihren Sand zu uns gebracht. Unsere Mitarbeiter erkannten den Ernst der Situation und schufen kurzfristig Platz für einen zusätzlichen Container. Dieser befindet sich nun zwischen der Blech- und der PET-Sammeltonne. Mittlerweile haben wir bereits rund 14 Kilo Sand gesichert», sagt Urs Hubatka nicht ohne Stolz.

Am Freitag, dem 1. April, will der Ökihof Zug eine Saharastaub-Awareness-Aktion durchführen. Der mitgebrachte Sand jeder Zugerin wird gewogen. Die eifrigsten Sammler erhalten eine Belohnung. Zu gewinnen gibt es Gutscheine für Sperrgutentsorgungen und viele trendige CDs aus dem Brockenhaussortiment. «Bschiisen» lohne sich übrigens nicht. Die gut geschulten Mitarbeiter des Ökihofs könnten sehr wohl zwischen Tennis- und Wüstensand unterscheiden, so Hubatka mahnend.

Am 2. April transportieren die Kantone den Saharastaub per LKW an den Flughafen Zürich. Von dort aus wird er in die betroffenen Gebiete rückgeführt.

Nachtrag: Mit dieser Geschichte haben wir uns – wie von einigen bereits erahnt – einen 1. April-Scherz erlaubt. Das Regenwetter der vergangenen Tage hat dem Saharastaub sowieso den Garaus gemacht. Immerhin: Wer auf den Scherz hereinfiel und tatsächlich beim Stadtzuger Ökihof mit einer Tüte Saharasand auftauchte, für den gab es dort eine kleine Überraschung zur Entschädigung.

Verwendete Quellen
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