Leben
Was die Kunden verlangen

Luzerner Prepper-Firma wird von Kunden überrannt

Sebastian Kobel und das Team von Prepper 24.ch können sich vor Aufträgen kaum retten. (Bild: PLU)

Corona, Ukraine-Krieg und drohender Blackout: Prepper24.ch mit Sitz in Luzern erlebt momentan eine wilde Zeit. zentralplus trifft den Inhaber und wollte wissen, wie die Luzerner und Zuger Prepper denken.

Zu Beginn der Woche telefonieren wir mit Sebastian Kobel, Inhaber von Prepper24.ch. Wir wollen wissen, wer hinter dieser Firma steckt und was dort im Moment abgeht. Er soll zu unserem Treffen in der Stadt Luzern die beliebtesten Produkte aus seinem Shop mitnehmen.

In unserer Vorstellung türmen sich schon die Stromgeneratoren und Akkus im Büro. Die Angst vor einem Strommangel ist in der Schweiz schon länger ein Thema (zentralplus berichtete). Seit einigen Wochen hat sie sich durch die Nachrichten noch verstärkt.

Warum dir Stromgeneratoren nicht wirklich helfen

«Am meisten Anfragen hatten wir wegen des Ukraine-Krieges», sagt Sebastian Kobel. Die damit verknüpfte Energiekrise, Knappheit von Gas und auch Strom, gibt den Menschen zu denken. Zu unserem Erstaunen liegt da auf dem Bürotisch vor Kobel aber trotzdem kein einziger Generator.

«Es stimmt schon. Die Generatoren waren sehr gefragt», sagt er. Jetzt haben sich allerdings die Bedürfnisse geändert. «Die Leute fragen sich: Wie kann ich kochen, mich ernähren, wenn der Strom nicht mehr fliesst.» Die Herdplatte deiner Mietwohnung lässt sich nicht mit einem normalen Generator betreiben. «Da ist es viel einfacher, sich einen kleinen Gaskocher anzuschaffen.»

Es gibt noch weitere Punkte, die dagegen sprechen, sich ohne klaren Grund einen Generator anzuschaffen. Wenn die ganze Schweiz keinen Strom mehr haben sollte, bringt der Generator auch nicht viel.

Als Beispiel: «Wenn das Handynetz nicht mehr funktioniert, bringt dir auch das geladene Mobiltelefon nicht mehr viel», erklärt Sebastian Kobel. Eventuell könnte man im Winter eine Elektroheizung an den Generator hängen, diese zieht dann allerdings ordentlich «Pfuus». Da braucht es schon die passende Grösse.

Wasserversorgung und Nahrungszubereitung sind Hauptthemen

Die Prepper sind Zeitgenossen, die auf alle Eventualitäten vorbereitet sein wollen. Sie fragen sich, was ein Ereignis alles auslöst und wie sie sich absichern können. Dabei denken sie auch um die Ecke. «Auch wegen eines möglichen Stromausfalls kaufen sich die Leute Wasserfilter», sagt Kobel. Er erklärt, dass es in einigen Häusern ohne elektrische Wasserpumpe nicht genügend Druck auf den Leitungen gibt. «Das heisst, ohne Strom fliesst an einigen Orten kein Wasser mehr.»

Auch ohne Stromausfall kann es schnell gehen und das Wasser ist nicht mehr trinkbar. Ein aktuelles Beispiel aus der Stadt Luzern zeigte dies ja auf (zentralplus berichtete).

Die Filter und die Gaskocher gehen weg wie warme Weggli. Für Sebastian Kobel und sein Team ist es eine Herausforderung, der Nachfrage nachzukommen. «Wir müssen jeden Tag mit den Lieferanten schauen, wer was an Lager hat.»

Die Unternehmer müssen da auch den Horizont öffnen. «Wir mussten beispielsweise eine komplette Europalette mit Gaskartuschen aus Italien beziehen. In der Schweiz und Deutschland gab es schlicht keine mehr.»

Die Gaskartusche braucht Kobel auch selber. Sein Lieblings-Gadget ist ein kleiner Gaskocher. «Der hat so viel Power, dass ich schon im tiefsten Winter in Samedan ohne Probleme ein Fondue kochen konnte.»

Was sind die Prepper für Typen?

Sebastian Kobel befasst sich seit über 20 Jahren mit der Prepper-Szene. «Beim Millennium wurde ich das erste Mal auf die Prepper aufmerksam», sagt er. Damals haben sich vor allem in Amerika Prepper auf den drohenden Weltuntergang vorbereitet.

Die damalige Frage aller Fragen: Was passiert, wenn der Kalender von 1999 auf 2000 wechselt? Heute wissen wir es besser: nichts! «Die Prepper haben sich dennoch auf alles vorbereitet und teilweise ganze Bunker in ihrem Garten ausgehoben.»

Die heutige Schweizer Szene gibt sich sehr bedeckt. «Die Prepper bleiben lieber unter sich.» Kobel kategorisiert für uns trotzdem die Szene. «Es sind Menschen wie du und ich. Gewisse haben Ängste vor einer Katastrophe und wollen vorbereitet sein. Andere sehen dies fast ein bisschen wie ein Hobby. Und dann gibt es noch welche, die auch die Freude an den Gadgets haben.»

Es gäbe wohl mehr Prepper in der Stadt als auf dem Land. «Wer in der Stadt lebt, ist komplett auf deren Infrastruktur angewiesen.» Wer auf dem Land lebt und vielleicht einen eigenen Garten hat, ist schon von Grund auf «selbstständiger».

Kobel selbst hat immer genügend Wasser auf Lager. Und damit dieses nicht schlecht wird, braucht er immer wieder seinen Vorrat für seine Reisen mit dem Camper. So bleiben seine Vorräte frisch.

Was der Bund für Empfehlungen beim Notvorrat abgibt, haben wir hier beschrieben.

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