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LCone, der Rapper zwischen Billig-Vodka und Herzschmerz
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LCone hat seinem Bäumli ein Liebesgeständnis abgegeben. Doch dies ist nicht der einzige Track mit viel Herz auf dem neuen Album des 23-Jährigen. (Bild: Screenshot Youtube)

Erstes Solo-Album des Luzerner Rappers LCone, der Rapper zwischen Billig-Vodka und Herzschmerz

4 min Lesezeit 04.05.2018, 15:47 Uhr

Lange hat er seine Fans auf die Folter gespannt: Der Luzerner LCone aka Livio Carlin. Nun hat er sein erstes Solo-Album veröffentlicht. Als Rapper spricht er Klartext über sein ehemaliges Anheizer-Dasein bei Mimiks, Billig-Vodka, Herzschmerz und sein Schauspieltalent.

Aus seinem «Aaaaschiss» hat er nun eine Platte kreiert: Nach jahrelanger Szenenpräsenz erschien vergangene Woche das lang ersehnte Debütalbum von LCone, mit bürgerlichem Namen Livio Carlin. Er rappt über Alkoholexzesse, aber auch über Herzschmerz. Diesen Freitag tauft er im Treibhaus Luzern seine Platte.

Der 23-Jährige habe schon viel «Aaaaschiss» in seinem Leben gehabt, gibt er zu. Bei der Kanti und der Pädagogischen Hochschule (ja, Carlin wollte tatsächlich einmal Primarlehrer werden) hat er den Bettel hingeschmissen, bis er die Fachmittelschule abgeschlossen hat. Nun moderiert er bei Radio 3FACH und absolviert den Radio-Lehrgang am MAZ. «Ich habe lange Zeit nicht gewusst, was ich generell mit meinem Leben anfangen soll», so Carlin. Doch nun scheint er endlich die Kurve gekratzt zu haben.

«Ab und zue» emotional

Auf seinem neuen Album lässt Livio Carlin die Maske fallen – und zeigt sich von seiner verletzlichen und zerbrechlichen Seite. «In mir steckt halt schon ein Romantiker», zeigt sich Carlin unverblümt.

Im Song «Y» rappt er: «Gsehn üs lache imne Heim, aber beidi hend Demänz – Gsehn üs brüelle nachme Striit, will üsi Liebi kennt keis Änd.» Dieser Track sei Carlins Liebling, denn er sei tiefgründig. Erinnerungen werden bei ihm wach, denn den Song hat er seiner Exfreundin gewidmet.

«Diese sensiblen Tracks widerspiegeln mein wahres Ich.»

Livio Carlin, Luzerner Rapper

Carlin sei nicht altmodisch, wie er selbst sagt. Dennoch verinnerlicht er ein traditionelles Bild der Liebe. Er glaube an die wahre Liebe, an Treue und die perfekte Beziehung. «Y», eine Art «Schluss-Mach-Song», sei seine Art, die Trennung und den Schmerz zu verarbeiten. «Diese sensiblen Tracks widerspiegeln mein wahres Ich.»

Er verstelle sich nicht, weshalb er auch keine Mühe hat, anderen seine emotionale Seite preiszugeben. Und in seine Gefühlswelt blicken zu lassen. «Ich bin authentisch, sage, wie’s mir geht und was bei mir abgeht.»

Der Lieblingssong von Carlin:

Die Maske Carlins

Rappt Carlin, sei er gerne auch mal jemand anderes und eigne sich neue Facetten an. Er flucht viel und gerne. Für diejenigen, die es gerne härter mögen, hat er auch provokative und asoziale Punchlines auf Lager. Doch er betont: «Dieses typisch Machohafte des Raps lebe ich nicht aus. Ich schlüpfe gerne in eine Rolle und haue auf den Putz.»

Es sei es eine Art Maske, die er sich selbst auflege. Der im dörflichen Rothenburg aufgewachsene Carlin habe viele Flausen im Kopf, was er auch in seiner Musik und den meisten Tracks des neuen Albums wiedergibt. 

«Dieses typisch Machohafte des Raps lebe ich nicht aus.»

Livio Carlin

Im Track «Bäumli» komme diese Seite gut zum Vorschein. Er bezirzt einen Baum – geniesst mit diesem ein romantisches Candle-Light-Dinner und stürmt die Tanzfläche des Rokklubs in Luzern: «E Baum verletzt di ned, e Baum de lauft ned wäg, e Baum betrügt di ned und wenn denn höchschtens mitre Schnägg – Bäumli, du bisch mis Träumli.»

Das Aushängeschild von Mimiks?

Diese Tiefgründigkeit, die unverblümte Ehrlichkeit, aber auch der unverwechselbare humoristische und sarkastische Stil Carlins zeichnen LCone aus – und grenzen ihn von anderen ab. Zu Carlins Freundeskreis zählen Mimiks, Marash & Dave. «In diesem 041-Kollektiv ist es mir wichtig, zu wissen, was mich eigenständig macht», so Carlin. Er wolle sich nicht abgrenzen – aber sich nicht alleine durch die Gruppe identifizieren. «Ich finde, ich habe das Ziel erreicht. In letzter Zeit habe ich viel überlegt, was ich selbst darstelle und was mich als Person auszeichnet.»

«Es war eine Stimme in mir, die sagte: ‹Es ist schon geil, aber nicht wegen mir.›»

Livio Carlin

Carlin durfte schon oft für Mimiks als Vorband die Bühne stürmen. War es ihm ein Dorn im Auge, als «Anheizer» von Mimiks zu gelten? «Es war für mich eine super Chance und ein Ansporn zugleich», meint Carlin. «Es ist falsch zu sagen, dass es mich gestört hat. Aber es war eine Stimme in mir, die sagte: ‹Es ist schon geil, aber nicht wegen mir.›» Er sei erst dann mit sich selbst zufrieden gewesen, als er seine eigenen Konzerte hatte und er wusste, dass die Fans das Konzert wegen ihm aufgesucht haben.

«Ich habe viel profitiert von meinen Freunden», so Carlin. «Salopp gesagt, musste ich nun endlich mal den Finger aus dem Arsch nehmen.»

«Ein saublöder Name»

Carlin bleibt sich selbst wie auch seinem Namen treu. «LCone ist schon ein saublöder Name.» Mit 14 Jahren benannte er sich so. Aus seinen Initialen und dem damaligen Hype um den Werbeslogan des «LC1»-Joghurts inspiriert. Vielfach sprechen Leute seinen Namen auch heute noch falsch aus. Carlin nimmt’s mit einem blossen Schulterzucken und schmunzelt. Korrigieren würde er niemanden – vielleicht auch mit ein Grund, weshalb er die PH nach einem Jahr abgebrochen hat.

«Salopp gesagt, musste ich nun endlich mal den Finger aus dem Arsch nehmen.»

Livio Carlin

Vor einem Jahr hat der Mittzwanziger seinen Namen – «ohne Witz jetzt» – in «Primakova Papi» umgetauft. «Das war wieder mal eine blöde Idee», so Carlin. «Primakova Papi – was ist das? Der Papi des Billig-Vodkas vom Coop. Ich weiss nicht, ob man mit 30 Jahren noch stolz darauf sein kann.» Carlin ist und bleibt nun mal LCone. Auf seiner Facebook-Seite könne er den Namen jedoch nicht mehr anpassen: «Jäno.»

LCone im Studio vom Radio 3FACH: Ein Beruf, der wie die Faust aufs Auge passt.

LCone im Studio vom Radio 3FACH: Ein Beruf, der wie die Faust aufs Auge passt.

(Bild: ida)

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