Lausbuben wickeln den Tell in Klopapier – ist es das Ende der Krise?
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Wilhelm Tell in Klopapier gewickelt. (Bild: Leserreporter)

Beim Luzerner Lindengarten Lausbuben wickeln den Tell in Klopapier – ist es das Ende der Krise?

2 min Lesezeit 2 Kommentare 16.08.2020, 17:39 Uhr

Wenn das der Schiller wüsste: In der Nacht auf Sonntag wurde der Tellbrunnen beim Lindengarten Opfer eines Angriffs mit WC-Papier.

Das Werk des Bildhauers Karl Peter Hugo Siegwart zeigt den Wilhelm Tell, «nicht als Figur des Mythos dargestellt, sondern in der Alltagstracht des gemeinen Volkes», wie es im Lexikon zur Kunst in der Schweiz heisst.

Diese Alltagstracht wurde in der Nacht auf Sonntag allerdings durch mehrlagiges WC-Papier ergänzt. «Ein klassischer Teenie-Prank», schreibt ein amüsierter Leserreporter zum Bild. Zu deutsch: ein Lausbubenstreich.

Dieser leichte Kunstfrevel wäre kaum der Rede wert, hätte er nicht eine gewisse gesellschaftliche Komponente: Noch vor wenigen Monaten rissen sich Schweizerinnen und Schweizer in Anbetracht der sich anbahnenden Corona-Krise in den Läden neben Raviolibüchsen auch Familienpackungen von WC-Papierrollen aus den Händen. Die Regale waren teils leergekauft.

Im März wärs noch ein politisches Statement gewesen

Es hat sich mir bis heute nicht erschlossen, weshalb im beginnenden Lockdown ausgerechnet das Klopapier schnell zur grössten Sorge werden sollte. Sagen wir mal so: Im schlimmsten Fall steht in der Nähe eines fast jeden Entleerungsmöbels eine Dusche oder zumindest ein Wasserhahn. Aber bevor sie mit mir im Stile von Mani Matters Version des Schweizer Nationalhelden streiten wollen: Es war wohl etwas Psychologisches hinter diesen Hamsterkäufen.

Insofern könnte man den Lausbubenstreich auch symbolisch deuten. Wäre die Aktion von mutmasslich jungen Tätern aus ebenso mutmasslicher Langeweile vor ein paar Monaten geschehen, hätten viele hinter dem Akt wohl ein politisches Statement vermutet. Heute wage ich zu schreiben: Es war nicht mehr als ein Teenie-Prank.

PS: Für diejenigen, die es noch ein bisschen genauer wissen wollen: Der Tellbrunnen wurde 1911/1912 vom Schweizer Bildhauer Karl Peter Hugo Siegwart (1865–1938) für den Pilatusplatz entworfen. Dort stand er auch von 1912 bis 1935. Wegen des zunehmenden Verkehrs wurde der Tellbrunnen in den Lindengarten verlegt.

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2 Kommentare
  1. CScherrer, 17.08.2020, 10:24 Uhr

    Ist doch gelungen. Vielleicht war’s einfach eine Christo-Gedenk-Aktion.

    1. Remo Genzoli, 17.08.2020, 13:23 Uhr

      👍😅

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