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Late-Night-Show «Deville»: Jetzt fliegen die Fetzen
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«Macht, was ihr wollt, es sieht eh keine Sau»: Dominic Deville in seinem Element.  (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Der Luzerner Dominic Deville zurück im TV Late-Night-Show «Deville»: Jetzt fliegen die Fetzen

7 min Lesezeit 25.11.2016, 05:06 Uhr

Dominic Deville ist aus der Pause zurück: Die zweite Staffel seiner Late-Night-Show im Schweizer Fernsehen läuft an. Zwar fehlt Manuel Stahlberger, dafür gewinnt die Sendung an Drive. Wieso Deville jetzt mehr Selbstvertrauen hat, und wieso er noch lange weitermachen will.

Mittwochabend im Zürcher Club Mascotte, volle Ränge, die Scheinwerfer heizen. Deville tritt im guten Anzug auf, begrüsst das Publikum und gibt die Devise durch: «Macht, was ihr wollt, es sieht eh keine Sau.»

Die Aufzeichnung der fünften Folge der Late-Night-Show «Deville» geht über die Bühne. Am Freitag wird die Episode spätabends über die Fernsehschirme flimmern (siehe Box). Aber es darf doch nicht wahr sein: Sein Sidekick, der St. Galler Komiker Manuel Stahlberger, ist krankheitshalber abwesend – ein Raunen im Publikum. Doch für adäquaten Ersatz ist gesorgt: Dominics Mutter Ingrid Deville. Und um es vorwegzunehmen: Sie meistert das mit Bravour.

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Dominic Deville ist zurück mit seiner Show. «Wir sind wieder da und gehen nicht mehr weg», sagt der Luzerner – und es stimmt: Fünf weitere Folgen stehen an und es geht sogar noch weiter, doch dazu später.

Deville hat Zeit gebraucht

Die ersten vier «Deville»-Folgen im Mai und Juni ernteten mehrheitlich Lob – der Verriss in alten und neuen Medien blieb aus (zentralplus berichtete). Fast etwas unheimlich für den chronisch anarchistischen und lauten Provokateur. «Ich bin überrascht, dass es so wenige negative Rückmeldungen gab. Denn beim Humor kann und will jeder mitreden und es wird selten mit Kritik gespart», sagt Dominic Deville vor dem Start der zweiten Staffel. Es hat was: Mit Humor kann man es gerade in der Konsensschweiz niemals allen recht machen.

«Wir hängen definitiv zu fest an diesem Format, als dass wir es jetzt voll an die Wand crashen würden.»

Dominic Deville

Wenn es Kritik gab, dann die: Die Sendung habe Potenzial, sei aber noch zu verhalten. Deville weiss das: «Das höre ich von Leuten aus den eigenen Reihen. Aber das ist selbstverständlich. Ich musste zuerst meine Bühne finden und mich zurechtfinden, und das hat Zeit gebraucht.»

In der zweiten Staffel werde er mit mehr Selbstvertrauen vor die Kameras treten: «Wir haben uns kennengelernt, jetzt können wir aufs Gaspedal treten und mehr Risiko eingehen», so Deville.

Was macht Dominic Deville, wenn er nicht vor der Kamera steht? Zum Beispiel Zeitung lesen.  (Bild: SRF/Mali Lazell)

Was macht Dominic Deville, wenn er nicht vor der Kamera steht? Zum Beispiel Zeitung lesen.  (Bild: SRF/Mali Lazell)

Das merkt man der neuen Folge an: Deville schwitzt zwar wieder ordentlich, aber das tun auch die Zuschauer auf den Rängen. Deville wirkt befreit, er improvisiert, dreht auf und überspielt kleinere technische Pannen gekonnt.

Das Zerstörungsritual ist passé

Deville gibt Gas – wer nun aber die Rampensau Deville aus alten Tagen erwartet, etwa von den Auftritten mit seiner Punkband Failed Teachers, wird enttäuscht. Der TV-Deville ist ein anderer, man könne Fernsehen nicht mit der Bühne vergleichen. «Es ist viel anspruchsvoller, weil man es so vielen recht machen muss. Ins Publikum springen oder mit dem Baseballschläger hantieren – das geht im TV nicht, und ich finde dieses Zerstörungsritual mit der Zeit auch etwas langweilig», sagt er.

Late-Night-Show «Deville»

Die erste Folge der zweiten Staffel von «Deville» wird am Freitag, 25. November ausgestrahlt: 23.45 Uhr auf SRF 1 und am frühen Abend bereits online unter srf.ch/deville. Danach gibt’s vier weitere Folgen. Zudem wurde kürzlich bekannt, dass es ab 2017 eine dritte Staffel gibt.

Das Provokante und Aggressive hat Deville lange genug gemacht, jetzt sei Zeit für eine neue Rolle. «Wir hängen definitiv zu fest an diesem Format, als dass wir es jetzt voll an die Wand crashen würden. Daran hätten vielleicht ein paar Kollegen aus alten Tagen Freude, dafür die restlichen 98’000 Zuschauer nicht.»

Nun, der Baseballschläger kommt dann trotzdem zu einem fulminanten Einsatz, bei dem die erste Reihe verdutzt die Köpfe einzieht. Denn die erste Sendung legt ein bildgewaltiges Schlussfurioso hin, nach dem es einiges aufzuräumen gibt.

Tiefer in Themen rein

Deville glaubt an das Late-Night-Format und fühlt sich je länger desto wohler darin, das spürt man. Er bietet mit seiner Show zwar nichts Neues, aber er frischt die spröde Fernsehschweiz merklich auf. Bis jetzt ist sein Plan aufgegangen: «Mein erstes Credo war, die alteingesessene Spezies nicht zu verschrecken, dass die nicht alle wegschalten.» Und nun kann er sich mit gewachsener Selbstsicherheit reinknien.

«Wir werden nicht auf Parteien rumreiten wie Giacobbo/Müller. Ich nehme ungern Wörter wie CVP in den Mund.»

Dem Konzept aus der ersten Staffel bleibt er treu: Deville ist Gastgeber und ein bisschen Stand-up-Künstler, es gibt vorgedrehte Einspieler, es gibt den staubtrockenen Sidekick sowie Talk-Gäste und eine kleine Bühne für noch unbekannte Künstler.

Änderungen gibt es in den Nuancen: «Wir werden versuchen, Themen härter ranzunehmen. Wir wollen weniger Zeitungsausschnitte und Photoshop-Witze, dafür tiefer in die Materie reingehen», sagt Deville.

Dominic Deville begrüsst im Mascotte das Publikum und – oh Überraschung! – den Stahlberger-Ersatz.  (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Dominic Deville begrüsst im Mascotte das Publikum und – oh Überraschung! – den Stahlberger-Ersatz.  (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Trump und Beznau kriegen ihr Fett weg

Wird die Sendung jetzt politischer? Jein. «Wir machen weiterhin in erster Linie Blödsinn, auch wenn natürlich alles, was wir machen, irgendwie politisch ist», sagt Deville. «Aber ein Thema muss mir liegen und das ganze Politikdings ist nicht so meins.» Auf Parteien herumzureiten, wie Giacobbo/Müller dies tun, werde er nicht. «Ich nehme ungern Wörter wie CVP in den Mund», sagt er.

So tauchen in der ersten Sendung die momentan dominierenden Themen auf. Das ist zum einen der allgegenwärtige Donald Trump. «Trump ist überall», diese Erkenntnis wird mit einem wunderbaren Clip auf die Spitze getrieben. Zum anderen zieht sich die Atomausstiegsinitiative, über die wir am Sonntag abstimmen, durch die ganze Sendung. Auch hier: Die Gags sitzen, das Team um Deville findet gelungene Zugänge zum Thema.

Gute Gäste sind schwierig zu finden

Gast in der ersten Sendung ist Sänger Baschi. Und wenn es bisher noch etwas zu kritisieren gab, dann waren es die Gäste – die Gespräche waren mal gelungener, mal weniger. Deville weiss: «Es ist sehr schwierig, in der Schweiz gute Gäste zu finden, die nicht schon bei Aeschbacher oder Giacobbo/Müller waren.» Viele seien zwar interessant, gäben aber nicht so viel her.

 

«Baschi interessiert mich, weil er eine Rampensau ist, er ist ehrlich und ist sich für nichts zu schade, das schätze ich sehr», sagt Deville. Zudem sei es spannend, die Fallhöhe zwischen der Person Baschi und seinen Liedern auszuloten.

Und das geht so: «Gölä ist auf dem Abstellgleis, Polo Hofer macht’s auch nicht mehr lange – bist du parat?», fragt Deville. Baschi weiss jederzeit gut zu kontern. Und als sich die beiden schliesslich durch ein Karaoke-Spiel singen, steuert die Sendung einem Höhepunkt entgegen. «Lieder verderben», heisst das Spiel und man erfährt die bittere Wahrheit hinter Gassenhauern wie «Last Christmas», «I Don’t Like Mondays», «Jump» und «Vamos a la playa».

«Weil die Sendung zur Randzeit läuft, machen wir, was wir wollen.»

«Ich will mit Baschi singen, das wollte ich schon immer mal», sagte Deville vor der Sendung. In der nächsten Sendung kommt Fernsehfrau Gülsha, künftig soll es auch Gäste aus dem angrenzenden deutschsprachigen Raum geben – mehr Überraschungen und Unvorhergesehenes.

Das Spiel heisst «Lieder verderben»: Baschi und Deville im Mascotte.  (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Das Spiel heisst «Lieder verderben»: Baschi und Deville im Mascotte.  (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Stahlberger aus dem Spitalbett

Auch Stahlberger hat schliesslich doch noch einen Auftritt: eine absolut köstliche Grussbotschaft aus dem Spitalbett. Es ist zu hoffen, dass Manuel Stahlberger weiterhin an seiner Seite ist. Manche wünschen sich mehr Stahlberger, aber Deville verneint: Ihn mehr miteinzubeziehen, etwa als Co-Moderator, komme nicht infrage: «Stahlberger ist ein ganz eigenes Tierchen, alles, was er macht, kommt von ihm, er geniesst alle Freiheiten und ist gerade deshalb so lustig.» Es sei allerdings noch nicht klar, ob Stahlberger in der dritten Staffel noch dabei ist.

Dass es eine dritte Staffel gibt, wurde kurz vor Start der zweiten Staffel bekannt. Ab Januar 2017 geht’s mit mindestens vier Folgen weiter. Will heissen: Der Versuch ist geglückt, SRF glaubt weiter an den 41-jährigen Luzerner, auch wenn eine Zusicherung darüber hinaus noch fehlt.

Deville ist nicht Giacobbo-Nachfolger

Trotzdem wird Dominic Deville damit nicht, wie in den Medien zu lesen war, zum Nachfolger von Chefsatiriker Viktor Giacobbo. Den Primetime-Sendeplatz am Sonntagabend kriegt Talker Kurt Aeschbacher – Deville bleibt im Randprogramm kurz vor Freitag-Mitternacht. «Genau aus diesem Grund, weil es zur Randzeit läuft, lassen sie uns machen», so Deville.

Der Nischenplatz hat also Vorteile: Deville geniesst die volle Freiheit, vom SRF gibt es kaum Einschränkungen. «Wir machen, was wir wollen.» Dass etwas nicht gehe, habe er nie gehört. «Sie sagen eher: Ihr merkt es dann schon, wenn keine Sau mehr einschaltet.»

Da haben sich zwei gefunden: Baschi und Deville singen Karaoke.  (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Da haben sich zwei gefunden: Baschi und Deville singen Karaoke.  (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Ganz wohl in der Nische

Gute Sendeplätze bedeuten zwar mehr Prestige und mehr Budget. Aber im Grunde genommen wird der Sendeplatz immer unwichtiger. Man schaut die Sendungen vermehrt zeitversetzt auf dem Tablet oder Handy – davon zeugt, dass «Deville» schon vor Ausstrahlung online abrufbar ist.

Deville arbeitet mit einem eigenen kleinen Team. Alles in allem wirken an der Show etwa 15 Leute mit, im engeren Kreis sind es 7. «Unsere Firma» nennt Deville das «handverlesene Team». Kein Leutschenbach-Groove, sondern Personen aus seinem Umfeld schreiben die Gags und spielen bei den Clips mit.

Am Schluss der neusten Sendung fliegen die Fetzen, Deville hat sein Jackett schon längst ausgezogen. Der Entertainer hat seine Rolle vor der Kamera gefunden. Die Rückkehr ist geglückt.

Zum Schluss wurde der Baseball-Schläger ausgepackt.  (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Zum Schluss wurde der Baseballschläger ausgepackt.  (Bild: SRF/Oscar Alessio)

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