Lasst uns Tauben vergiften in der Stadt!
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So kommt’s raus, wenn Sie Tauben auf Ihrem Balkon nisten lassen. (Bild: zVg)

Glosse Lasst uns Tauben vergiften in der Stadt!

4 min Lesezeit 1 Kommentar 02.05.2016, 12:30 Uhr

Wenn Tauben an Hochzeiten fliegen gelassen werden, sieht das klasse aus. Wenn Tauben einem den ganzen Balkon vollscheissen, weniger. Mit Letzterem muss sich unser Autor rumschlagen. Eine Glosse über das tierische Leben in der Stadt Luzern, Gewaltfantasien und ein episches Duell.

Schau, die Sonne ist warm und die Lüfte sind lau,
gehn wir Taubenvergiften im Park!
Die Bäume sind grün und der Himmel ist blau,
gehn wir Taubenvergiften im Park!
Wir sitzen zusamm’ in der Laube,
und ein jeder vergiftet a Taube,
der Frühling, der dringt bis ins innerste Mark
beim Taubenvergiften im Park.

Der österreichische Kabarettist Georg Kreisler hatte einen herrlich schwarzen Humor. Für mich hat Kreislers Klassiker «Tauben vergiften im Park» in den letzten Wochen allerdings seine sarkastische Note verloren. Denn: Jetzt will ich tatsächlich Tauben töten. Ersäufen. Erwürgen. Erschlagen. Zumindest gehen mir solche bislang völlig fremden Gedanken immer öfters durch den Kopf. Und das, obwohl ich ein ausgesprochener Tierliebhaber bin. Ich kuschle mit jedem dahergelaufenen Kampfhund und früher hab ich sogar mal eine verletzte Taube gerettet, erfolgreich zu Hause aufgepäppelt und war dann natürlich auch prompt sehr traurig, als sie zwei Tage nach ihrer Freilassung von der Nachbarskatze gefressen wurde.

Gefiederte Scheisser

Doch die Freude an den Tauben ist zerbröselt. Denn ich und meine Freundin tragen aktuell einen erbitterten Wettstreit aus mit einer frivolen Stadttaubenfamilie. Dieses grundsätzlich sehr putzige Quartett – Mami, Papi und zwei Jungtiere – scheisst uns und unseren Nachbarn in der Luzerner Neustadt munter und wahnsinnig zuverlässig die Balkone voll. Dabei müssen wir neidlos anerkennen, dass diese eigentlich so kleinen gefiederten Freunde der Gattung Columbidae livia innert kürzester Zeit unglaublich viel Gaggi machen können. Und dass sich deren Hinterlassenschaften faszinierend schnell in den Verputz der (neugestrichenen) Balkonwände sowie den Balkonboden fressen können.

So kommt’s raus, wenn Sie Tauben auf Ihrem Balkon nisten lassen.

So kommt’s raus, wenn Sie Tauben auf Ihrem Balkon nisten lassen.

(Bild: zVg)

Der Wettstreit sieht konkret so aus: Wir wollen die Tauben von unseren Balkonen weg, und sie wollen dort bleiben. Besonders am Abend machen sie uns ihre Aufwartung, denn nach einem langen schönen Tag in der Stadt, wo man von dämlichen Touristen gefüttert wird, will ja irgendwo geschlafen werden. Da eignen sich unsere (neuen) Fensterläden perfekt, so wie’s aussieht. Kein Wunder auch, denn eine ältere, sehr, wirklich sehr tierliebende Nachbarin hat die Tauben auf ihrem Balkon brüten lassen. Wer das zulässt, bringt die sturen Esel kaum mehr weg. Mi casa es su casa.

Keine Hasenfüse

Dabei muss man den Tauben zugute halten, dass sie alles andere als Hasenfüsse sind. Denn sie kommen immer wieder. Immer. Egal, wie laut wir auch schreien, klatschen, pfeifen oder uns einfach innerlich wahnsinnig aufregen, wenn wir die Balkontüren aufreissen und sie verscheuen. Sie fliegen weg, und kommen wieder.

So weit weg flüchten Tauben, wenn man sie verjagt ...

So weit weg flüchten Tauben, wenn man sie verjagt …

(Bild: zVg)

 

Das hat dazu geführt, dass, wie eingangs erwähnt, in meinem Kopf Vernichtungsfantasien entstanden sind. Ich gehe nicht ins Detail, aber es geht da ganz schön brutal zu und her zwischen mir und den «Ratten der Lüfte», wobei es für die Tauben immer, wirklich immer, furchtbar böse endet.

Zum Affen machen

In den letzten Tagen scheinen das die Tauben nun aber glücklicherweise langsam zu realisieren. Ich glaub, sie spüren instinktiv die tödliche Gefahr, die von mir ausgeht, wenn ich nur mit den Unterhosen bekleidet auf den Balkon stürme und sie mit dem Wasserspritzer zu vertreiben versuche. Weil man sich so für die Nachbarn prima zum Affen machen kann und weil meine Freundin etwas Angst hat vor diesen ausgeklügelten Tötungsfantasien, sind wir nun alle froh, dass sich die Lage zu beruhigen scheint.

Vorstadt-Hornochsen

Wobei: Jetzt, wo es wieder wärmer wird, kreucht eine andere Stadtplage aus ihren Löchern. Limitierte Vorstadtbubis, die zeigen wollen, wie sensationell viel Krach ihre frisierten Autos machen können. Vollgas geben, abbremsen. Vollgas geben, abbremsen. Mitten im Zentrum. Immer und immer wieder. Blödheit in Reinkultur und die Frage: Warum scheissen Tauben eigentlich nie auf diese Hornochsen drauf, dann wären die Vögel wenigstens zu etwas gut?

Ja, der Frühling, der Frühling, der Frühling ist hier,
gehn wir Taubenvergiften im Park!
Kann’s geben im Leben ein grössres Plaisir
als das Taubenvergiften im Park?
Der Hanserl geht gern mit der Mali,
denn die Mali, die zahlt’s Zyankali,
die Herzen sind schwach und die Liebe ist stark
beim Taubenvergiften im Park …
nimm für uns was zu naschen –
in der anderen Taschen!
Gehn wir Taubenvergiften im Park!

PS: Tauben vergiften oder sonstwie um die Ecke bringen ist in der Schweiz übrigens verboten! Wer sachdienliche Hilfe oder Infos bei der Taubenabwehr braucht, der kann sich auf dieser Webseite der Stadt Luzern ausführlich informieren.

Und hier können Sie sich das Lied von Georg Kreisler zu Gemüte führen:

Hinweis: Mehr Taubenbilder, schöne und weniger schöne, teilweise sogar ziemlich gruselige, finden Sie hier in unserer Slideshow:

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1 Kommentare
  1. Astrid Niederberger, 02.05.2016, 12:56 Uhr

    Sehr treffender Artikel – vielen Dank! 🙂
    Stimmt, Tauben darf man nicht vergiften, aber die Eier darf man kompostieren, gemäss der Stadtverwaltung… 🙂

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