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«Lasst es uns ein einziges Mal machen, als eine Art Kunstprojekt»
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Motiviert: Prominente Sportler unterstützen die journalistischen Edelfedern beim «besten Sportmagazin der Welt». (Bild: Screenshot Website / zvg )

Neues Sport-Magazin «No. 1» sucht Geld «Lasst es uns ein einziges Mal machen, als eine Art Kunstprojekt»

6 min Lesezeit 1 Kommentar 10.12.2017, 15:21 Uhr

Braucht die Welt ein neues Sportmagazin? Ja, findet der Berner Kabarettist und Journalist Bänz Friedli. An seiner Seite kämpfen Zentralschweizer Sportcracks wie Lara Dickenmann, Dominique Gisin, Ariella Kaeslin, Viktor Röthlin und viele profilierte Schreiber um die Lesergunst von «No. 1». Doch wieso geht’s erst in einem Jahr los?

Die Schweiz hat ein Sportmagazin verdient, findet eine Gruppe Sportfans und Sportler/innen. Das beste der Welt soll es werden. So dick, dass man zum Lesen Ferien nehmen muss. So schön, dass man darin wohnen will. So spannend, dass man es nicht aus der Hand legen kann. So wünschen sich die Initianten ein Experiment und lancierten ein Crowdfunding. Dabei sind auch Sportler aus der Region, etwa die Krienser Fussballerin Lara Dickenmann oder die Luzerner Ex-Turnerin Ariella Kaeslin.

Das Heft erscheint nur einmal, Ende 2018. Und kann nur jetzt gekauft werden. «No. 1» will auf gesichtslose Statistiken, seelenlose PR-Inszenierungen, immer gleiche Spielberichte verzichten – und stattdessen von unerhörten Hintergründen, (un)vergessenen Helden und ewigen Duellen erzählen. Und das auf dicken 144 Seiten.

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Nur, wieso sollte uns das interessieren? Ungeduldig fragten wir Mitinitiator Bänz Friedli (siehe Box), er steht gewohnt gewitzt Red und Antwort:

zentralplus: Herr Friedli, es lebe der Sport! Vorfreude herrscht: Bald soll es ein neues Heft zu den schönsten Nebensachen der Welt geben. Doch «No. 1», das «beste Sportmagazin der Welt», soll erst im Dezember 2018 erscheinen. Das erinnert an Peach Webers Anlauf, seit Jahren, das Hallenstadion zu füllen. Gibt’s Parallelen?

Bänz Friedli: Das ist ein grandioser Vergleich! Die meisten Schweizer Künstler peilen ja das Hallenstadion an, um sich gross zu machen: Gölä, Pippo Pollina, Divertimento … – alle wollen sie das Hallenstadion in ihrem Palmarès führen können. Aber der Peach hat das vor Jahren schon angekündigt, als Jux, völlig selbstironisch: einmal im Leben im Hallenstadion spielen. Es soll ja seine letzte Vorführung werden. Ist übrigens längst ausverkauft, und jetzt soll’s sogar eine zweite Show geben.

Schreiben und Bühnen bespielen

Bänz Friedli (52) ist ein Berner Wortkünstler, der schreibt und Bühnen bespielt. Für «20 Minuten» verfasste er die Kolumne «Pendlerregel», im Migros-Magazin ist der Hausmann meistgelesener Kolumnist der Schweiz. Und wo es ein Mikrofon gab, nahm und nimmt er es willig zur Hand. Im zarten Alter von 20, da andere sich um Ausgang, Frisuren und Autos kümmern, wurde er in der Gemeinde Wohlen im Nordwesten von Bern in den SVP-lastigen Gemeinderat gewählt. Seine Kabarettprogramme sind legendär, 2015 erhielt er den Salzburger Stier, den Oscar für deutschsprachige Kleinkunst. Friedli ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Zürich.

zentralplus: Bitte keine Show, wir wollen über Sport reden!

Friedli: Gerne. Auf «No. 1» übertragen heisst das: Wir machen ein Magazin aus purer Freude, reiner Leidenschaft. Niemand von uns soll daran einen Rappen verdienen. Und, ja, «das beste Sportmagazin der Welt», so etwas muss ja auch ironisch gemeint sein. 

zentralplus: Nach der Onlinezeitung «Republik» versucht sich auch Ihr Medien-Projekt «No. 1» mit Crowdfunding. Läuft’s sportlich an?

Friedli: Wir sind sensationell gestartet, nach zweieinhalb Tagen war die Hälfte des Geldes beisammen, jetzt stehen wir schon bei rund 80’000 Franken. Aber es braucht noch einiges, um die Summe bis zum 21. Dezember zusammenzubekommen.

zentralplus: Sie peilen 100’000 Franken Startkapital an. Wieso so hohe Kosten für ein einziges Heft?

Friedli: Damit es ein richtig schönes Magazin wird. Das Geld ist vor allem für Druckkosten und Gestaltung vorgesehen. Wir vom Kernteam arbeiten alle gratis, aber es werden Spesen anfallen und vielleicht externe Mitarbeitende und Fotograf/innen bezahlt werden müssen. Dafür, was uns vorschwebt, ist dieses Budget eher gering. Aber, eben: Es ist ein Liebhaberprojekt. 

«Es geht um den grossen Wurf: das Heft, das wir alle immer schon hätten lesen wollen.»

zentralplus: Ein einzelner Marathon statt viele tägliche Sprints. Wieso dieses Konzept?

Friedli: Ihr Bild mit Sprint und Marathon gefällt mir. Ich war ja früher selber Sportreporter und habe Kurzberichte fürs Radio und die Lokalpresse verfasst. Ich schätze die täglichen Leistungen aller Sportjournalisten im Land überhaupt nicht gering. Der Drittelsbericht eines Hockeymatches am Radio ist eine Disziplin, das grosse Heft, das wir planen, eine andere. Nun geht es um den grossen Wurf: die Geschichten, die wir immer schon schreiben wollten; das Heft, das wir alle immer schon hätten lesen wollen. 

zentralplus: Sie und Ihre Mitstreiter Christof Gertsch oder Benjamin Steffen sind als Edelfedern der «NZZ am Sonntag» und des «Magazins» bekannt. Und der Inhalt?

Friedli: Sicher soll die Schreibe im Vordergrund stehen, also Geschichten mit grossem Schnauf, die man so richtig gerne liest. Dazu besondere Bilder und ein tolles Layout. Einige Kostproben geben wir bereits auf unserer Website mit Kolumnen und einem Podcast. Es sind längere Gespräche um und über den Sport, etwa mit Pedro Lenz oder Lara Dickenmann; dazu geben Ursina Haller, Dominique Gisin und Ariella Kaeslin verblüffende Einblicke ins Leben einer Spitzensportlerin.

Engagiert: Bänz Friedli (Mitte) an einer Redaktionskonferenz mit Viktor Rüthlin und Ariella Kaeslin.

Engagiert: Bänz Friedli (Mitte) an einer Redaktionskonferenz mit Viktor Rüthlin und Ariella Kaeslin.

(Bild: zvg)

Wir liefern jetzt schon Inhalte, weil wir nicht nur leere Versprechungen geben wollten. Aber das grosse Heft wird natürlich ausführlicher und noch gepflegter. Weil sich ein solches Heft in einem kleinen Markt wie der Schweiz niemals rechnet, kamen wir auf die Idee: Lasst es uns ein einziges Mal machen, als eine Art Kunstprojekt. Zur Freude!

zentralplus: Sie sind ja als Berner YB-Fan und sehr fussballaffin: Welche Story würden wir denn dieser Tage über den FCL aus Ihrer spitzen Feder lesen können?

Friedli: Huii, schwierig. Vielleicht, dass die Innerschweiz fussballerisch ein bisschen in einer Blase lebt, in einer … wie sagt man? «Bubble»?

«Als Gäste-Fan wird man in der Bossard-Prunkhalle beim EVZ wie ein Schwerverbrecher behandelt …»

zentralplus: Schöner und witziger Steilpass. Nebst den Tschuttibuben um Babbel interessiert sich unsere Region auch stark für die harten Jungs des EV Zug. Welchen Titel würden Sie da setzen?

Friedli: Da freu ich mich einfach, ehrlich gesagt, dass wir mit unseren Langnau Tigers dort neulich gewinnen konnten. Als Gäste-Fan wird man in der Bossard-Prunkhalle übrigens wie ein Schwerverbrecher behandelt … 

zentralplus: Was für Stories könnten wir sonst noch aus Zug und Luzern erwarten?

Friedli: Ich bin selber gespannt. Die Themen sind ja noch nicht festgelegt. Es müssen nicht immer die grossen Klubs und die gängigen Namen sein, dies steht fest. Unser Sportbegriff ist ein weit gefasster. 

zentralplus: Wo lassen Sie sich inspirieren? «Corriere dello Sport»? «11 Freunde»?

Friedli: «11 Freunde» lese ich sehr gern. Auch, weil es meist so elegant und humorvoll geschrieben ist, rein von der Sprache, der Schreibe her, dass ich sogar Artikel lese, deren Thema mir gar nicht so nahe liegt. Und sonst … Wir möchten ja nicht grossspurig klingen, aber: Unser Magazin soll so werden, wie es noch nie eines gab. Die Vorbilder liegen eher in der angelsächsischen Literatur.

zentralplus: Wer ist Ihr Zielpublikum?

Friedli: Alle, die Sport als Teil ihres Lebens betrachten, und zwar als aktiv Sporttreibende genauso wie als Sportkonsumenten und Fans. Die aber vielleicht kritisch sind und gern etwas mehr erfahren als die Kurzstatements der Fussballer nach einem Tor: «’ch bin froh, dass iich dee Mannschaft hann chönne hälfe …!»

zentralplus: Legendäre Sprüche für die Ewigkeit. Gibt es auch Ihr Magazin für die Ewigkeit online – oder nur als Printausgabe?

Friedli: Nur Print, völlig old school. Das wird ein Magazin, das man gern in den Händen hält. 

zentralplus: In welcher Auflage, zu welchem Preis?

Friedli: Die Auflage bestimmen die Anzahl Leute, die sich jetzt bis zum 21. Dezember für 25 Franken ein Heft reservieren. Zu kaufen wird es nicht sein – man muss es jetzt kaufen und bekommt es dann in einem Jahr ausgeliefert. 

«Wir Sportler erbringen Spitzenleistungen, aber wir sind keine Helden. Auch wir haben Sorgen, Ängste und Nöte.»

Ariella Kaeslin, Luzerner Ex-Turnerin

zentralplus: Ihr Team besteht auch aus Sportcracks, die Innerschweiz ist sehr prominent mit vier (Ex-)Profis vertreten. Was machen die eigentlich für Ihr Magazin?

Friedli: Sie haben uns bisher unglaublich wertvolle Inputs gegeben. Aspekte aufgezeigt, auf die wir selbst als gestandene Sportjournalisten nie gekommen wären. Ariella Kaeslin ist durch und durch Sportmensch und dem ganzen Rummel gegenüber dennoch sehr kritisch eingestellt. An einer Redaktionssitzung sagte sie den wichtigen Satz: «Wir Sportler erbringen Spitzenleistungen, aber wir sind keine Helden. Auch wir haben Sorgen, Ängste und Nöte.» Und eine Dominique Gisin mit ihrem Esprit, ihrer Liebe zur Kultur und ihrer Intelligenz – sie studiert Physik – ist eine unglaubliche Bereicherung. Sie werden in den wenigsten Fällen selber schreiben, aber bestimmt im Heft vorkommen. Lassen Sie sich überraschen!

Ausgezeichnet: Bänz Friedli mit dem Oscar der deutschsprachigen Kleinkünstler, dem Salzburger Stier.

Ausgezeichnet: Bänz Friedli mit dem Oscar der deutschsprachigen Kleinkünstler, dem Salzburger Stier.

(Bild: hae)

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1 Kommentare
  1. Markus Estermann, 10.12.2017, 19:26 Uhr

    Ein Link zum Projekt hättet ihr ja schon setzen dürfen, sonst ist die ganze Werbung umsonst 😉
    https://www.100-days.net/de/projekt/no-1