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«Lassen Sie es unsere Sache sein»
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Luzern: Villen, die keiner nutzen will? «Lassen Sie es unsere Sache sein»

4 min Lesezeit 23.11.2015, 05:00 Uhr

Vier majestätische alte Villen stehen zwischen Pauluskirche und Eichhof an der Obergrundstrasse. Nur eine davon scheint jedoch genutzt zu werden. Die drei anderen stehen verlassen an bester Lage, was vielen Luzernern immer wieder auffällt. zentral+ hat nachgeforscht.

Die Wege mit Laub zugedeckt, keine Vorhänge und kein Licht in den Fenstern, keine Klingelschilder. Die Tore sind verschlossen, teilweise sogar zusätzlich gesichert, man kann die Grundstücke nicht betreten. Die schönen Villen an der Obergrundstrasse 95 bis 101 und der Umschwung scheinen ausgestorben.

Beziehungsweise drei davon. In der Nummer 97 – im Rhynauerhof – ist der Verein Selbstsorge Luzern zu Hause. Dieser nutzt das Haus als Büro und für verschiedene Veranstaltungen und Institutionen wie ein Café. Zu den Nachbarhäusern kann man hier keine Auskunft geben. Die drei grossen, beeindruckenden Nachbarhäuser an dieser guten Lage stehen tatsächlich leer.

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Die Besitzer mauern

Das Haus Nummer 95 gehört einer Dame, die das Haus seit einer Weile nicht mehr selber nutzt und auch nicht auffindbar ist. Vor dem Haus steht eine Mulde, wir fragen bei den erwachsenen Kindern der Besitzerin nach. Die Tochter, die sich um das Haus kümmert, wimmelt ab. «Es ist noch nichts spruchreif», sagt sie am Telefon. Doch es scheint auch noch keine konkreten Pläne zu geben. Denn von Seiten der Familie ist man offen gegenüber Interessenten. Ob zum Kauf oder zur Miete wird jedoch nicht gesagt. Auf Immobilien-Plattformen ist das Haus jedoch derzeit nicht zu finden.

Die Eigentümerabfrage ergibt, dass die beiden anderen Gebäude im Besitz der Bodum Invest AG sind – Nummer 99 und 101. Dort gestaltet sich die Nachfrage schwierig. Man wird freundlich, aber direkt abgewiesen. «Ich kann Ihnen nur sagen, dass wir keine Auskunft geben. Bitte lassen Sie es unsere Sache sein», kommt die Antwort postwendend.

Dagegen kann man nichts tun. Denn es geht theoretisch niemand etwas an, was ein Eigentümer mit seinen Häusern macht. Leer stehen lassen – das ist allein die Entscheidung der Hausbesitzer.

Wann nimmt die Stadt Kontakt auf?

Im Sommer 2013 wurde die Juso-Initiative «Zwischennutzung statt Baulücke» vom Volk abgelehnt. Nach der Ablehnung kommunizierte Manuela Jost in einer Mitteilung, man werde den Dialog mit privaten Grundeigentümern in Bezug auf das Thema vorantreiben. Wurde das beispielsweise im Fall der drei Gebäude an der Obergrundsstrasse gemacht?

«Wir sind mit den beiden Grundeigentümern im Gespräch.»
Manuela Jost, Baudirektorin Stadt Luzern

Baudirektorin Manuela Jost erklärt: «Was die genannten Liegenschaften anbelangt, sind wir mit den beiden Grundeigentümern im Gespräch bezüglich der Möglichkeiten von baulichen Veränderungen für die weitere Nutzung der Gebäude.» Was das konkret bedeutet, wird nicht gesagt.

Jost erklärt: «Wenn wir auf einen längeren Leerstand aufmerksam werden, dann interessieren uns die Pläne und Absichten.» Man nehme in solchen Fällen Kontakt zum Eigentümer auf. So, wie es bei den drei Villen an der Obergrundstrasse geschehen ist.

«Der Dialog mit den Grundeigentümern ist uns deshalb wichtig, um sie auch bezüglich der Möglichkeit einer allfälligen Zwischennutzung aufmerksam zu machen und sie dafür zu sensibilisieren», betont Jost. Selbstverständlich bleibe es aber immer die Entscheidung eines jeden Grundeigentümers, wie er seine Liegenschaft nutzen will – oder ob überhaupt.

Sie stehen in der Schutzzone

Die Häuser sind im provisorischen Bauinventar aufgelistet. Das bedeutet, dass sie, sobald es definitiv wird, als «erhaltenswert» oder gar «besonders erhaltenswert» gelten. Somit müsste jedesmal bei Baugesuchen das Bauinventar konsultiert werden.

Alle vier Gebäude stehen zudem in der Ortsschutzzone B. Das heisst konkret: «Die Schutzzone B bezweckt die Erhaltung schützenswerter Stadtteile, Bauten und Gärten. Als wichtige Bestandteile des Stadtbildes und der Stadtentwicklung sind sie in ihrem Gesamtbild und in ihrer Primärstruktur zu erhalten.» Das heisst konkret, dass in dem Falle in einer Reihe von alten Einfamilienhäusschen nicht ohne weiteres ein riesiger moderner Block gebaut werden könnte.

Aber: «Der Stadtrat kann Abbrüche ausnahmsweise bewilligen, wenn eine Sanierung aus statischen Gründen nicht möglich oder aus wirtschaftlichen Gründen unverhältnismässig wäre.» Ein kleiner Zusatz, welcher immer wieder zu Ärger und Vorwürfen führt.

Denn bei solchen Fällen wird den Eigentümern teilweise vorgeworfen, sie liessen Gebäude absichtlich verlottern, um später einen Abbruch aufgrund von «unverhältnissmässigen Sanierungen» begründen zu können.

Man kann nur hoffen, dass das bei den drei schönen Gebäuden an der Obergrundstrasse nicht der Fall sein wird.

Was ist Ihre Meinung zu den leerstehenden Villen an der Obergrundstrasse?

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