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«Lass mich endlich fallen»
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Der Klassiker an der Määs schlechthin. Das Riesenrad vor dem KKL. (Bild: les )

Reportage von der Määs «Lass mich endlich fallen»

4 min Lesezeit 04.10.2015, 17:01 Uhr

Nervenkitzel auf dem Inseli. Seit diesem Samstag ist wieder Määs. Und es gibt ein besonderes Highlight: den 80 Meter hohen Freifallturm. Ein rasender Reporter berichtet über den Nervenkitzel. Und seinen Mageninhalt.

Die Määs gehört zu Luzern wie die Kapellbrücke oder das Löwendenkmal. Ich wollte wissen, was dieses Jahr für den grössten Gänsehautfaktor sorgt und stürzte mich am Samstagabend ins Getümmel.

Knutschende auf dem Riesenrad

Eigentlich bin ich Angsthase statt Adrenalinjunkie. Und um etwas in die Gänge zu kommen, beginne ich mit etwas Klassischem: dem Riesenrad. Schade bin ich alleine unterwegs, das Pärchen in der Gondel vor mir geniesst die romantische Atmosphäre sichtlich. Knutschen auf dem Riesenrad scheint noch immer der Renner zu sein, auch im nahenden Pensionsalter. Mich begleitet leider nur ein chinesischer Tourist. Ausgerüstet mit einem Selfiestick macht er Hunderte Fotos der Stadt. Auch mich berührt der schöne Anblick.

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Wenn sich der Magen dreht

Der Skilift ist dieses Jahr auch wieder an der Määs. Vor dem KKL steht das Karussell, wo man sich in einen Sessel setzt. Der Start ist gemächlich, langsam geht es im Kreis herum. Irgendwann hebt man ab – oha, das Tempo nimmt zu. Trotzdem kann man die Aussicht auch hier geniessen. Wenn auch immer nur kurz. Boah, langsam wird mir schwindlig. Ich bin froh, als die Fahrt vorbei ist, fast schlecht wurde mir. Dieses flaue Gefühl im Magen muss schnell weg. Mein Grundsatz lautet: Flucht nach vorn. Essen gegen die Übelkeit.

Alles, was das Herz begehrt. In Sachen Ernährung kommt man an der Määs voll auf seine Kosten.

Alles, was das Herz begehrt. In Sachen Ernährung kommt man an der Määs voll auf seine Kosten.

(Bild: les)

Für Naschkatzen ist die Määs definitiv ein Schlaraffenland. Zuckerwatte, Schaumerdbeeren, Lakritze. Ich gönne mir alles. Und nicht nur das oberkünstliche Zeugs, sondern auch die Klassiker. Magenbrot, gebrannte Mandeln, Nidletäfeli. Alles gehört für mich zur Määs. Auf die Linie achten, denkste. Mampfen bis zum Umfallen. Und sowieso, etwas Boden schadet nie. Schliesslich gehört auch das Biertrinken zum bunten Treiben auf dem Inseli.

Der Swiss Tower. Freier Fall aus 80 Metern.

Der Swiss Tower. Freier Fall aus 80 Metern.

(Bild: les)

Der Freifallturm

Und da steht er also, der sagenumwobene Swiss Tower. 80 Meter hoch, schon beim Schauen besteht die Gefahr einer Nackenstarre. Aktuell bewegen sich die gefüllten Sitze nach oben. Und dann schweben sie über der Stadt. Die 24 Mutigen. Ziemlich lange sogar, denn es dauert, bis der Countdown ertönt. Drei, zwei, eins, Schrei. Sie sind wieder unten. Zuschauen ist spektakulär, aber ich will es selber erleben, also nichts wie los.

Man sitzt relativ gemütlich in diesem Schalensitz. Und von oben ist man gesichert, passieren kann also nichts. Ist mir wichtig, denn ein mulmiges Gefühl habe ich definitiv. Zum Glück erfolgt bereits der Start, wir werden die 80 Meter in die Höhe gezogen. Wieder denke ich, welch wunderschöne Stadt Luzern ist. Meine Beine baumeln frei in der Luft. Besser den Blick in die Ferne schweifen lassen, statt gerade nach unten, denn es ist verdammt hoch.

Nervenkitzel pur

Mann, Spannung erzeugen, ok, aber die Zeit in der Höhe wird langsam zur Qual. Lasst uns endlich fallen, denke ich, und bereits ertönt der Countdown. Wahnsinn, die neben mir schreien schon, obwohl noch gar nichts geschehen ist. Ich muss zugeben, mein Herz rutscht mir gerade auch in die Hosen. Und rumms, schon fallen wir. Ich halte mich fest, Luft angehalten, Gesicht erstarrt. Drei, vier Sekunden, dann ist der ganze Spass vorbei. Gefühlt bin ich noch immer in der Höhe, nur mein Körper schnellte in die Tiefe. Schlimm, mein Magen beginnt zu rebellieren. Bin ich froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Tief einatmen und kurz erholen, weitermachen.

Schöne Aussichten und Gekreische. Wir haben die Fahrt auf dem Swiss Tower gefilmt:

Etwas daneben steht die Pegasusbahn. Ein Arm, der hoch in die Luft wirbelt. Die Sitze − nicht fixiert − drehen sich ebenfalls wild. Die Leute kreischen. Ich verzichte, der Freifallturm war genug Adrenalin für heute. Ich muss an mein Wohlbefinden denken. Deshalb vergnüge ich mich mit etwas anderem.

Da wird einem vom Zuschauen übel. Zu rasant wirbelt die Pegasus die Passagiere durch die Luft.

Da wird einem vom Zuschauen übel. Zu rasant wirbelt die Pegasus die Passagiere durch die Luft.

(Bild: les)

Volltreffer am Schiessstand

Die Suche nach einer Begleitung fürs Riesenrad kann beginnen.

Die Suche nach einer Begleitung fürs Riesenrad kann beginnen.

(Bild: les)

Es gibt jede Menge Kilbispiele. Ich weiss eigentlich, dass es fast unmöglich ist, beim Büchsenwerfen, Schiessen oder Körbewerfen das grösste Plüschtier zu gewinnen. Trotzdem reizt es mich immer wieder. Ich versuche mich beim Bogenschiessen. Mit vier Pfeilen drei Ballone zu treffen, scheint machbar.

Bogen spannen, Pfeil loslassen. Schön fliegt er nach vorne und steckt im Brett – zwischen drei Ballonen, Ziel verfehlt. Auch der zweite geht daneben. Dann, wieder ein Rohrkrepierer. Und zum Schluss ein Kunstschuss, Ballon zerplatzt – Volltreffer. Naja. Aber: Es gibt einen Trostpreis. Eine Rose. Schön, ich komme mir vor wie der Bachelor. Ich will mehr und schiesse weiter, der Strauss wächst, das Portemonnaie leidet. Irgendwann verleidet es mir an der Määs. Als Rosenkavalier mache ich mich auf ins Luzerner Nachtleben – das nächste Mal will ich ja mit Begleitung auf das Riesenrad.

 

Sehen Sie die Bogenschiessversuche im Video:

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