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Langes Warten auf die Baubewilligung – ein Betroffener erzählt
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In der Werkstatt baut Thomas Niederberger die Elemente für seinen Escape-Room. (Bild: giw )

Auch die Politik wird in der Stadt Luzern aktiv Langes Warten auf die Baubewilligung – ein Betroffener erzählt

4 min Lesezeit 2 Kommentare 05.07.2018, 12:01 Uhr

Die Stadt Luzern steht seit Längerem in der Kritik, für die Erteilung von Baugesuchen zu viel Zeit zu benötigen. Dies hat auch Thomas Niederberger erfahren, der an der Baselstrasse ein Spiellokal eröffnen will. Sein Enthusiasmus ist mittlerweile einer Portion Frustration gewichen.

FDP, CVP, SVP und Grüne wollen, dass der Stadtrat Baugesuche effizienter abhandelt und die seit Jahren massiv überschrittenen, gesetzlichen Fristen einhält. Sie verlangen vom Stadtrat einen Bericht, der aufzeigen soll, wie die Behandlung von Baugesuchen massgeblich beschleunigt werden kann (zentralplus berichtete).

Erstunterzeichner Rieska Dommann (FDP) erklärt: «Die langen Wartezeiten sind seit Jahren ein grosses Thema in der Branche.» Er stelle grosses Unbehagen fest. Ein Vorstoss der SP verlangt höhere Gebühren und mehr Personal. Das zielt laut Dommann in die falsche Richtung: «Einfach mehr Personal einzustellen, kann nicht die Lösung sein. Erst braucht es eine saubere Analyse der Situation.» Dies soll der geforderte Bericht liefern, der politisch breit abgestützt ist.

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Verzögerung von fünf Monaten

Immer wieder hört man von Beizern, die lange warten mussten. Kein Beizer zwar, aber einer, der diesen Prozess gerade durchgemacht hat, ist Thomas Niederberger. Er plant an der Baselstrasse 25 einen Escape-Room (zentralplus berichtete) und musste wegen der Umnutzung des Erdgeschosses ein Baugesuch einreichen. Niederberger zögert, ob er seine Verstimmung in der Presse publik machen soll. Er fürchtet, dass die Stadt seine künftigen Anliegen negativ beantworten könnte. Doch schliesslich erzählt er seine Geschichte dennoch.

«Ich wollte ursprünglich im April eröffnen – jetzt wird es wohl September», sagt Niederberger. Wenn ihn ein Kollege nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, dass es für die Umnutzung ein Baugesuch brauche, hätte er einfach losgelegt. «So überreichte ich das Dossier persönlich am 7. Februar der Stadt Luzern, welches notabene überhaupt keinen Anlass für Kritik gab.» Am 21. März lief die Einsprachefrist ohne Einsprachen ab. Seither wartet er und ärgert sich.

So soll der Eingang zum Escape Room «The Riddle» an der Baselstrasse aussehen.

So soll der Eingang zum Escape-Room «The Riddle» an der Baselstrasse aussehen.

(Bild: fotorealistische Darstellung Baugesuch)

Drohung wirkte 

Niederberger legt die Korrespondenz mit der Stadt vor. Erst am 9. Mai wurde er wieder kontaktiert. «Die ganzen sieben Wochen ist gar nichts passiert und ich habe auch keine Informationen über den aktuellen Stand erhalten, ohne nachzufragen», sagt er. Und der Inhalt des Schreibens ist nicht erfreulich. Das Problem sind die Parkplätze vor dem Haus. Aufgrund des Behindertengleichstellungsgesetzes wird das Trottoir erhöht. Aus Gründen der Verkehrssicherheit darf die Zufahrt in die Kantonsstrasse und die Wegfahrt von der Kantonsstrasse künftig nur noch vorwärts erfolgen. Es ist der Kanton Luzern, der diese Begehrlichkeiten geltend machte, da es sich um eine Kantonsstrasse handelt. Die Baubewilligung sei nicht zu erteilen, bis die Situation mit den Parkplätzen geregelt sei. «Das hat alles nichts mit meinem Lokal zu tun», moniert Niederberger.

Die Liegenschaft gehört der Remimag. Diese setzte sich zur Wehr. «Sie haben der Stadt einen eingeschriebenen Brief geschickt, in dem sie Klartext gesprochen haben», erzählt Niederberger. Er legt den Brief vor. «Der Kanton hat das (die Parkplatzsituation) einzig und allein mit dem Eigentümer zu regeln, Herr Niederberger hat hier keinerlei Einfluss. Ihm die Bewilligung nicht zu erteilen, taxieren wir als Nötigung.» Diese Drohung scheint gewirkt zu haben, am 11. Juni trudelte die Baubewilligung bei Niederberger ein. Er fügt an, dass er nicht verstehen kann, warum es über vier Monate für eine reine Umnutzung benötige. «Es werden an den Räumlichkeiten keine baulichen Änderungen vorgenommen. Unter dem Strich wird lediglich der Zweck des Mietobjektes geändert», sagt er.

Laien sind schnell überfordert 

Konkrete Vorwürfe an die Stadt Luzern will Niederberger keine machen. «Die Leute haben sehr detailliert – ja fast peinlich genau gearbeitet.» Es sei ihm schon so vorgekommen, dass man ja keine Fehler machen wolle. «Das Ganze ist auch unglaublich kompliziert. Persönlich war ich in diesem Prozess überfordert, ich hatte einen Architekten zur Seite, der für mich das Dossier ausgearbeitet hat. Alleine wäre es für mich unmöglich gewesen», gibt Niederberger zu. So gehe es wohl etlichen Personen auch, die etwas bewegen wollen. «Ich kann mir schon vorstellen, dass manch einer auf das Prozedere verzichtet und einfach mal loslegt.»

Trotzdem ärgert Niederberger die Verzögerung. Er wirkt erschöpft: «Anfänglich hat man sehr viel Enthusiasmus für ein Projekt, die formellen Angelegenheiten trüben die Vorfreude aber.» Er sei nun schon sehr froh, dass der positive Entscheid vorliege. Nun kann er sich voll auf den Umbau konzentrieren und die Weiterentwicklung seines Rätselraums vorantreiben. Für das Verfahren muss Niederberger rund 1’400 Franken hinblättern. 

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2 Kommentare
  1. Mario Stübi, 05.07.2018, 12:17 Uhr

    Journalistischer Tipp: die Gegenseite (Stadt Luzern) zu den Vorwürfen Stellung nehmen lassen (oder ausführen, warum sie dies nicht kann/will).

    1. Linus Estermann, 05.07.2018, 15:43 Uhr

      Hoi Mario, die Stadt nimmt üblicherweise zu hängigen Vorstössen keine Stellung. Eine Anfrage blieb auf jeden Fall unbeantwortet. Das hätte man erwähnen können, da gebe ich dir recht.

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