Gesellschaft

Tag eins nach den heftigen Regenfällen
Land unter in Kriens

  • Lesezeit: 4 min
Jakob Peter vor seinem Haus im Obernau inmitten der Hinterlassenschaft des Unwetters.
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Jakob Peter vor seinem Haus im Obernau inmitten der Hinterlassenschaft des Unwetters. (Bild: tob)

Die Überschwemmung von gestern Nacht zeichnet das Krienser Ortsbild. Schlamm, Äste und Geröll liegen auf den Strassen. Überall wird deshalb getrocknet und geputzt. Ein Besuch vor Ort zeigt aber: Die Aufräumarbeiten werden noch lange dauern.

Durch das Land von Bauer Jakob Peter zieht sich eine breite Schneise. Stundenlange Regenfälle verwandelten die kleinen Bäche im Hochwald und im Eigental-Gebiet in Schlammlawinen. Sie trugen Äste, Steine und loses Geröll ins Wohngebiet Obernau und weiter bis nach Kriens.

Entlang des kanalisierten Krienbachs sind die Spuren auch einen Tag später noch deutlich zu sehen. Auf der Krienser Hauptstrasse liegen Schmutzpartikel und kleine Äste. Die betroffene Bevölkerung entlang des Krienbachs ist damit beschäftigt Hauseingänge zu säubern, Einrichtungsgegenstände und die Garagen zu trocknen.

Zusehen und Fotos machen

Das erste Haus, welches in der Gemeinde Kriens von der Überschwemmung getroffen wurde, war jenes von Landwirt Jakob Peter. «Ich war gar nicht zu Hause, aber ich hätte sowieso nichts dagegen ausrichten können – höchstens zusehen und ein paar Fotos machen.»

Die Zufahrtsstrasse wurde unterspült, sein Haus ist momentan nur noch zu Fuss erreichbar. Eine Nachbarin hilft beim Aufräumen im Garten. «Aber weit kommen wir so nicht. Wir brauchen Schaufelbagger und mehr Personal, besonders für den Landschaden.» 

Wer die finanziellen Folgen des Unwetters zu tragen hat, darüber will sich Jakob Peter in den nächsten Tagen schlau machen. Eine Überschwemmung wie diese, habe er allerdings noch nie erlebt im Obernau.

Ungefähr zehn Meter unterhalb von Jakob Peters Haus beginnt die Wohnsiedlung. Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen, ordentlich aneinandergereiht. Jeder hier hat die Überschwemmung miterlebt, wirklich betroffen davon sind jedoch nur wenige Häuser.

Betroffene sind in den Ferien

Pascal Zihlmann wischt vor seinem Dreifamilienhaus das Wasser vom Gehweg. «Knietief versanken wir gestern Abend hier im Wasser.» Der Krienbach fliesst direkt neben seinem Haus vorbei. «Innerhalb von wenigen Minuten war der gesamte Vorplatz überflutet.» Seine Nachbarn weilen beide in den Ferien. Ihre Kellereinrichtung steht vor dem Haus zum trocknen an der Sonne. «Aber das wird man alles wegwerfen müssen, wir warten noch auf die Mulde», sagt Pascal Zihlmann. Wie es im Haus des Nachbarn aussehe, wisse er nicht. «Vermutlich ist es auch im Inneren nicht trocken geblieben.»

Wieder etwas trockener sieht es dagegen im Schulhaus Obernau aus, welches am unteren Ende der grossen Wohnsiedlung steht. Gestern versank die Aula im Wasser, heute blasen Bautrockner Luft in den grossen Raum im unteren Stock des Gebäudes. Vor dem Eingang zur Aula aber liegt noch immer eine zentimeterhohe Schlammschicht. Ebenso auf dem Park- und Pausenplatz des Schulhauses.

Hohe Schadenskosten

Zwar konnte die Feuerwehr das Wasser gestern Abend noch aus dem Schulgebäude pumpen, dennoch wird eine umfassende Renovation nötig sein. Die Böden sind aufgeweicht und müssen ziemlich sicher ersetzt werden. «Wie hoch der Schaden ist, kann man momentan noch nicht sagen, dazu müssen zuerst sämtliche Schadensmeldungen an die Gebäudeversicherung weitergeleitet werden», sagt der Krienser Feuerwehrkommandant Andreas Vonesch. Er geht aber davon aus, dass der Sachschaden sehr hoch ausfallen werde.

Andreas Vonesch stand mit seinen Kollegen bis um fünf Uhr morgens im Einsatz. Nicht im Obernau, aber in einer Tiefgarage mitten in Kriens. Durch das mitgetragene Gebinde, staute sich der Krienbach an engen Durchläufen wie Brücken oder Tunneleingängen. An mehreren Stellen trat er deshalb auch im Dorfzentrum über seine künstlichen Ufer und überflutete Keller, Tiefgaragen und Häusereingänge.

Rettet die Autos


Markus Birrer ist gerade damit beschäftig seine Garage im Erdgeschoss des grossen Wohnhauses zu säubern. «Ich wohne seit 40 Jahren hier und habe einige Überschwemmungen miterlebt, aber so extrem war es mit dem Wasser noch nie.» Um ihn herum wird geputzt und aufgeräumt. Mancherorts stehen ganze Kellerinventare im Freien.

Sobald die Feuerwehr ihre Arbeit erledigt hat, sind die Aufräumarbeiten Sache der Hausverwaltung. Allerdings organisieren sich die Bewohner weitestgehend selbständig. Besonders beliebt macht sich, wer eine Wasserpumpe im Keller stehen hat. Eine schmale Treppe am Ende des Vorplatzes führt in die besagte Tiefgarage.

Das Wasser des gleich daneben gelegenen Krienbachs floss hier die Stufen hinunter und zerbracht das Glasfenster in der Tür. Innert Minuten füllte sich die Tiefgarage mit Schlamm und Wasser. 

«Mir blieben knapp zehn Minuten, um meine beiden Autos aus der Garage zu fahren», sagt Martin Lazri. Beim ersten Auto stand ihm das Wasser bis zum Knöchel, beim zweiten fast bis an die Knie.

Nicht jeder hat sein Fahrzeug rechtzeitig in Sicherheit bringen können. «Meine beiden Roller blieben leider in der Garage. Die werde ich nicht mehr gebrauchen können», sagt ein weiterer Anwohner. Aber so sei sie halt, die Natur. Unberechenbar.

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