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Lagerbier ist für Langweiler – Luzerner Festival setzt auf Vielfalt
  • Regionales Leben
Möglichst viele verschiedene lokale Biere unter die Leute bringen – das will das neue Bierfestival.  

Prost: Bis zu 50 lokale Biersorten wirds geben Lagerbier ist für Langweiler – Luzerner Festival setzt auf Vielfalt

6 min Lesezeit 1 Kommentar 26.01.2017, 17:45 Uhr

Ein Trend nimmt Fahrt auf: Das erste Luzerner Bierfestival auf dem Bauernhof hinter der Museggmauer will das lokale «Brautum» fördern. Bis zu 50 Biersorten von einem Dutzend Kleinbrauereien wird es zu testen geben. Ausgerechnet eine Luzerner Brauerei muss aber in die Röhre gucken.

Jeder kennt das: Wer in einem Restaurant oder einer Bar ein Bier trinken will, muss sich meistens mit einer sehr, sehr überschaubaren Auswahl begnügen. 80 Prozent des in der Schweiz getrunkenen Biers ist Lagerbier. Für kleine lokale Brauereien ist es oft sehr schwierig, ihre Produkte ins Sortiment der Gastrolokale aufnehmen zu lassen.

Hier will der Verein zur Förderung der Biervielfalt Luzern ansetzen. Letztes Jahr gegründet, besteht er aktuell erst aus zwei Personen: aus Laura Kopp und ihrem Partner Ambros Wolfisberg. Kopp sagt: «In der Zentralschweiz gibt es über 60 registrierte Brauereien. Wir möchten, dass die Leute deren Biere im gemütlichen Rahmen kennenlernen können.» Deshalb organisiert der Verein am 13. Mai das erste Luzerner Bierfestival. «Im Idealfall ermutigt das die Gastronomen, ihr Biersortiment etwas mit Spezialbieren zu erweitern», hofft Kopp.

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GLP-Präsidentin und Bierexpertin

Die 43-jährige Laura Kopp hat eine spezielle Beziehung zum Bier. Sie ist Verwaltungsratspräsidentin der Luzerner Brauerei, die das «Luzerner Bier» herstellt – das mit dem Zweifinger-Logo. Vor Kurzem hat sie sich auch deshalb zur Bier-Sommelière (Bierexpertin) ausbilden lassen.

«Bei 500 Besuchern wären wir auf der sicheren Seite.»

Laura Kopp, Organisatorin Bierfestival Luzern

Kopp amtet zudem bis April 2016 als Präsidentin der kantonalen GLP, bis Ende Jahr sass auch sie für die städtischen Grünliberalen im Stadtparlament. Dort hat sie vor einem Jahr mittels Interpellation angeregt, dass die Stadt in den städtischen Betrieben mindestens ein Bier einer lokalen Brauerei ins Angebot aufnehmen soll. Der Vorstoss erntete allerdings mehr Kritik («Schnapsidee») als Zuspruch (hier geht’s zum Artikel) und verschwand in der Schublade.

Zwischen Alpakas und Hochlandrindern

Das erste Luzerner Bierfestival wird auf dem Kulturhof Hinter Musegg stattfinden. Auf dem Bauernhof hinter der Museggmauer bieten am 13. Mai etwa ein Dutzend Kleinbrauereien aus der Zentralschweiz ihre Gerstensäfte feil. Drei bis vier verschiedene Biere darf jede Brauerei präsentieren. Insgesamt können die Besucher also 35 bis 50 Biere testen. Und wer mal austreten will, kann sich die rund um den Hof parkierten Alpakas, Hochlandrinder, Zwergschweine, Hühner und Ziegen anschauen (hier haben wir darüber berichtet).

 

Hier, auf dem Hof hinter der Museggmauer, findet das Bierfestival statt.

Hier, auf dem Hof hinter der Museggmauer, findet das Bierfestival statt.

(Bild: zVg)

Damit sich der Aufwand für Kopp und ihren Partner lohnt, sollten mindestens 200 bis 300 Besucher auf den Musegg-Bauernhof kommen. «Bei 500 Besuchern wären wir auf der sicheren Seite.» Einen grossen Einfluss werde sicher das Wetter haben – wenn’s regnet und/oder sehr kalt ist, könnte es eng werden.

Doch falls das Festival ein Erfolg wird, soll es in den Folgejahren Fortsetzungen geben. «Dann möchten wir auch lokale Biere ausserhalb der Zentralschweiz ins Programm aufnehmen», verrät Kopp.

Dass Bierfeste im Volk beliebt sind, hat die Jubiläumsfeier des Luzerner Biers gezeigt.

Dass Bierfeste im Volk beliebt sind, hat die Jubiläumsfeier des Luzerner Biers 2016 gezeigt.

(Bild: zVg)

Testen Ja, saufen Nein

Damit das Festival nicht (zu sehr) in eine Sauferei ausartet, müssen die Besucher Eintritt bezahlen. Für 25 Franken kriegen sie ein Degustationsglas und fünf Jetons. Pro Jeton können sie an den Ständen einen Deziliter Bier testen. Nach jedem Bier wird das Glas ausgewaschen. Wer sich für eine Sorte begeistert, kann diese vor Ort natürlich kaufen. Durstige und/oder Neugierige können auch mehr Jetons erwerben.

«Auch in der Schweiz entsteht langsam eine Bewegung in der Bierwelt: Immer mehr vielfältige Bierstile, immer weniger langweiliges Lagerbier», sagt Kopp. Lagerbiere, wie jene etwa von Heineken, zu denen auch Eichhof gehört, unterstehen dem Reinheitsgebot. Ausser Hopfen, Malz, Hefe und Wasser darf da nichts rein. «Die aus den USA zu uns kommende Craft-Bewegung kämpft gegen dieses Reinheitsgebot. Gerade die kleinen Brauereien trauen sich immer mehr, auch mal Zutaten wie Gewürze oder Orangenschalen ins Bier zu tun», weiss Kopp.

Laura Kopp eröffnet die Feier zum 5-Jahres-Jubiläum des Luzerner Biers.

Festival-Organisatorin Laura Kopp 2016 bei der Eröffnung des 5-Jahres-Jubiläums des Luzerner Biers.

(Bild: zVg)

Die Bierexpertin schwärmt von der Vielfalt an Bieren, von den verschiedenen Unter- oder Obergärigen, von den Hellen und Dunkeln, vom bitteren indischen Pale Ale, das nach Zitrus schmeckt, und von Stout und Porter, die sich dunkler und köstiger präsentieren. «Speziell sind die Belgier, die machen ganz spannende Biere, die haben einen ganz eigenen Braustil entwickelt», sagt Kopp.

«Unsere Gäste wollen meist gar kein anderes Bier.»

Ruedi Stöckli, Präsident Gastro Luzern

Biere unabhängiger Brauereien sind hierzulande aber immer noch ein Nischenprodukt. Bei Coop beträgt ihr Anteil immerhin ein Fünftel, wie der Grossverteiler auf Anfrage schreibt. Über alle Händler betrachtet ist es jedoch deutlich weniger: «Der Marktanteil beträgt schätzungsweise 8 Prozent», sagte Alois Gmür, Braumeister der Brauerei Rosengarten und Präsident der IG der unabhängigen Brauereien Schweiz, kürzlich gegenüber zentralplus.

56 Liter Bier pro Person

Anbei noch ein paar Facts zum Schweizer Biermarkt:

  • Als unabhängige Brauereien gelten jene, die nicht dem Heineken- oder Carlsberg-Konzern angehören.
  • Zu Heineken gehören Calanda, Eichhof, Ittinger, Ziegelhof.
  • Zu Carlsberg gehören Feldschlösschen, Gurten, Hürlimann, Warteck, Walliser Bier, Cardinal, Eve.
  • 2014 tranken die Schweizer 4,66 Millionen Hektoliter Bier.
  • Das sind 56 Liter pro Kopf. 1995 waren es noch 60, 1990 gar 71 Liter. 
  • Dagegen steigt die Zahl der Brauereien stark an: 2014 waren es 483, 2008 rund 270, bis 2000 weniger als 100.
  • Schweizer Bier ist kein Exportschlager: 63’621 Hektoliter gingen 2014 ins Ausland. Importiert wurden 1,2 Millionen Hektoliter. Das ist die 20-fache Menge.

Lob und Bedenken vom Gastropräsidenten

Mehr lokale Biere in unseren Beizen und Bars – tönt doch eigentlich gut. Was sagt der Luzerner Gastroverband dazu? Präsident Ruedi Stöckli wirtet seit 30 Jahren im Landgasthaus Strauss in Meierskappel. Er lobt: «Dieses Festival ist eine gute Sache. So lernen die Besucher neue lokale Biere kennen.» Laut Stöckli ist es durchaus unterstützenswert, auch kleinere Brauereien zu fördern. Ob die Beizer deren Produkte dann ins Sortiment aufnehmen, sei jedoch ihnen überlassen. «Die Erfahrung zeigt, dass unsere Gäste meistens gar kein anderes Bier wollen als jenes, das sie sonst immer trinken.» Hinzu komme ein weiteres Hindernis: «Ein Eichhof oder Feldschlösschen ist viel länger haltbar als die meisten dieser anderen Biere von kleinen Brauereien.» Letzere seien oft nur zwei, drei Monate haltbar – werden sie nicht rechtzeitig verkauft, was oft vorkomme, müssen sie auf eigene Kosten entsorgt werden. 

Der Nachahmer bleibt draussen

Und zum Schluss noch dies: Am ersten Luzerner Bierfestival explizit nicht eingeladen sind die Macher vom «Lozärner Bier.» Kopps Stadtluzerner Brauerei liegt sich mit dem frechen Nachahmer wegen des doch sehr, sehr ähnlichen Namens bekanntlich seit Längerem in den Haaren.

Links der Nachahmer (Sitz in Littau, gebraut in Bern), rechts das Original (Sitz im Alpenquai, gebraut in der Stadt Luzern).

Links der Nachahmer (Sitz in Littau, gebraut in Bern), rechts das Original (Sitz im Alpenquai, gebraut in der Stadt Luzern).

(Bild: zVg)

Ist der Ausschuss des in Littau beheimateten Rivalen folglich als Tritt in den Hintern zu verstehen? Kopp sagt dazu nur: «Wir wollen erstens nur unabhängige Kleinbrauereien, grosse haben keinen Platz. Und zweitens wollen wir nur solche, die alles selber brauen – das ist beim ‹Lozärner Bier› nicht der Fall, die lassen im Kanton Bern für sich brauen.» Seitens des «Lozärner Biers» will man sich dazu nicht äussern.

Bierliebe.ch – Luzerner Versand setzt auf die Kleinen

Laura Kopp ist nicht die Einzige, die sich für kleine, lokale Brauereien einsetzt. 752 Brauereien gibt es in der Schweiz. Aber: «Die meisten Leute trinken stets dasselbe Bier», sagt der Luzerner Raphael Kuhn. «Wir wollen aufzeigen, welche Vielfalt es hier gibt.» Deshalb hat Kuhn den Versand «Bierliebe» ins Leben gerufen. Und da steckt viel Herzblut drin. Jeden Monat verschickt er eine Auswahl an seine Abonnenten. Das Kriterium: Es müssen unabhängige Brauereien sein. In der Zentralschweiz zählen unter anderem das Baarer, Entlebucher, Luzerner und das Seetaler Bier sowie das Stiär Biär Schattdorf, Rosengarten Einsiedeln oder die neu gegründete Brauerei Beckenhof Sursee dazu (hier gehts zum Artikel).

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1 Kommentare
  1. Matthias Mai, 27.01.2017, 13:48 Uhr

    Sehr gute Idee. Leider kommen evtl. viele nicht wegen der Eintrittsregelung. Will man mit seinem Partner gehen, der evtl. kein Bier trinkt, heisst das 50 Franken für 0,5 dl und 2 Gläser. Auch wenn man die Jeton sicher auch in Nichtalkoholisches einlösen könnte. Sicher gibt es rechts und links noch etwas Programm aber das ist mir leider nicht 50 Franken für 2 Wert. Interesse ist da, aber nicht zu diesem und jeden Preis. Leider……