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Länger arbeiten bei Siemens
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Die Mehrarbeit passe gut zum Neubauprojekt der Siemens-Division Building-Technologies in Zug, sagt CEO Matthias Rebellius. (Bild: zvg )

Starker Franken Länger arbeiten bei Siemens

3 min Lesezeit 2 Kommentare 26.03.2015, 18:37 Uhr

Fünf Stunden länger pro Woche sollen die Arbeitnehmer der Schweizer Siemens-Division in Zug arbeiten. Das sei das Ergebnis der Verhandlungen mit der Gewerkschaft, sagt der neue CEO. Und passe trotzdem zu den Millionen-Investitionen, die Siemens in Zug plant.

Kaum angetreten muss der neue CEO der Siemens Building Technologies schon schlechte Nachrichten überbringen. «Es war die erste Kaderbesprechung, und ich hätte mir das schon anders gewünscht», sagt Matthias Rebellius, der seit Januar im Amt ist. «Aber ich glaube, ich konnte den Mitarbeitern gut darlegen, dass der Schritt notwendig ist.» Die Siemens-Division mit Sitz in Zug führt Mehrarbeit ein: Bis Oktober 2015 sollen die Mitarbeiter statt wie bisher 40 Stunden pro Woche nun 45 Stunden pro Woche arbeiten. Grund für den Entscheid sei der starke Franken.

45 Stunden pro Woche sind die nach Arbeitsgesetz höchste zulässige Arbeitszeit. Rund 1400 Mitarbeiter sind davon betroffen, die meisten von ihnen arbeiten in Zug. Lehrlinge und Arbeiter im Stundenlohn seien ausgenommen. Ab Oktober werde die Arbeitszeit wieder leicht reduziert und auf 43 Stunden festgelegt. Dem Management wird der Urlaub für die nächsten zwei Jahre um zehn Tage gekürzt und es erhält reduzierte Bonuszahlungen.

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«Gefasst aufgenommen»

Das sei das Ergebnis der Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung. «Wir hätten auch eine durchgehende 44-Stunden-Regelung einrichten können», sagt Rebellius, «wie das zum Beispiel die V-Zug gemacht hat. Wir fanden aber diese Abmachung für uns passender.» Wie ist die Stimmung in der Belegschaft? «Die Mitarbeiter sehen, dass sie eine Last mitzutragen haben. Sie haben das sehr gefasst und gut aufgenommen. Ich habe auch darlegen können, dass das ein Entscheid für den Standort ist: Wir sehen auch die positiven Effekte des Standortes Schweiz – gerade, dass man solche Massnahmen ergreifen kann, dass die Mitarbeiter-Innovativität und Produktivität grösser ist als in anderen Ländern.»

Die Erhöhung der Arbeitszeit sei auch nicht vergleichbar mit einer Lohnkürzung. «Das haben uns auch die Mitarbeitervertreter so gesagt. Eine Lohnkürzung hat einen ganz anderen psychologischen Effekt. Eine Lohnkürzung wäre auch sehr schwierig zu vermitteln gewesen, die Akzeptanz wäre viel geringer.»

«Braucht längeren Schnauf»

Ziel der Stundenerhöhung sei es, die anfallende Arbeit möglichst ohne Neueinstellungen, Überzeiten oder externe Ressourcen zu bewältigen, schreibt die Siemens-Division in ihrer Medienmitteilung. Durch diese Verbesserung der Produktivität könnten externe Dienstleistungsverträge abgebaut und Produktentwicklungen beschleunigt werden. Ob sich aber bis Oktober die Lage tatsächlich verbessert hat, darüber wolle er nicht spekulieren: «Wir fällen diesen Entscheid nicht aufgrund einer Währungsspekulation.» Die Massnahme soll den Übergang erleichtern, wie das auch der Fall gewesen sei, als der Euro auf 1.20 Franken gefallen ist. «Damals haben solche Massnahmen geholfen, zu kompensieren. Das geht allerdings nicht in einem Jahr, das braucht einen längeren Schnauf.»

Für die Abteilung Fertigung gilt die Änderung allerdings nicht. Hier würden andere Lösungen gesucht. Drohen Entlassungen? «Dazu können wir noch nicht mehr sagen. Für die Fertigung werden in den kommenden Wochen Optionen geprüft», schreibt Benno Estermann, Sprecher der Siemens. «Ziel ist eine dauerhafte und tragfähige Lösung, welche die Konkurrenzfähigkeit der Produktion am Standort Zug sichert.»

Ein weiteres Problem

Wenn Arbeitszeiten erhöht werden, vermuten Gewerkschaften dahinter schnell einen allgemeinen Abbau der Arbeitnehmerrechte. Das verneint Rebellius: «Das kann ich so nicht ausmachen», sagt er. «Wir wollen auch nicht einfach die Last auf die Mitarbeiter abschieben.» Die Bereiche, die für den Schweizer Markt zuständig seien, seien von der Regelung auch nicht betroffen. «Es bringt nichts, beim Vertrieb in der Schweiz Mehrarbeit einzuführen», sagt Rebellius. Trotzdem käme auch da ein Problem auf die Siemens Schweiz zu: «Die Mitbewerber geben Euro-Rabatte weiter, da müssen wir auch mithalten.»

Noch kurz vor dem Antritt von Rebellius hatte die Siemens-Division verkündet, sie wolle in den Standort Zug investieren und das Siemens-Areal ausbauen. Wie passen diese Investitionen nun zur Mehrarbeit? «Das passt sehr gut», sagt Rebellius. «Mit den heutigen Massnahmen haben wir gezeigt, dass wir eine langfristige Standortstrategie fahren und die Grossinvestition für den neuen Hauptsitz wie geplant realisieren.»

 

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2 Kommentare
  1. Patrick Dihr, 01.04.2015, 11:42 Uhr

    Ich bin mit dem Artikel von Sven mehr als einverstanden. Gefragt, ob’s passt, wurde niemand. Es wird hier einfach behauptet. Wenn’s keine grosse Gegenwehr gab, dann ist das evtl. auch stille Resignation und Unverständnis über einen Entscheid, der so nicht tragbar und fassbar ist. Auch ich (ebenfalls Mitarbeiter der Siemens BT in Zug) habe mit vielen Kollegen gesprochen. Allesamt sind sehr negativ eingestellt und ich habe mehr als eine überaus sarkastische Antwort bekommen. Wer also behauptet, das Ganze wurde gut aufgenommen, der ist entweder blind und unwissend oder er lügt.

    Für den Entscheid spricht eigentlich nur der aktuelle Zahlenfokus so ziemlich vieler CEO’s – unter Ausblendung der Mitarbeiter.
    Dagegen spricht so einiges und lässt auch viele Fragen offen:
    – Ich wüsste zum Beispiel gerne, wie der aktuell starke Dollar die Euro-Schwäche ausgleicht (und Siemens BT macht verhältnismässig sehr viel Umsatz in den USA)
    – Ich wüsste gerne, weshalb genau der Sommer für die Korrektur herhalten muss – psychologisch ein schwerer Tiefschlag für ein Jahresziel? Für die Bonis der Mangager, dass die 10 % “Verzicht” bis Ende Geschäftsjahr ausgeglichen werden können?
    – Wie schaut’s damit aus, dass die BT sowieso sehr viele (oder vielleicht auch fast alle?) Dienstleistungen im Euroraum bezieht und die damit auch sehr viel günstiger geworden sind? Ist das in der Rechnung mit drin?
    – Ich wüsste gerne, wie sich die Minderzeit an Freiheit sich auf die Gesundheit der Mitarbeiter und der damit verbundenen vermehrten Abwesenheiten durch Krankheit auswirken.
    – Auch die von Sven erwähnten 4 Wochen Mehrleistung der Mitarbeiter vs. der einen Woche vom Management lässt mehr Fragen offen als es Antworten beschehrt.
    – Herr Rebellius meint, er konnte den Mitarbeitern gut darlegen, dass dieser Schritt notwendig sei. Ich meinerseits sah in den Folien mehr Widersprüche und Fragen als Klarheiten. Aber wahrscheinlich ging’s mir ja zu schnell…

    Einige Fragen sind gestellt; viele weitere Fragen bleiben.
    – Zum Beispiel (und danach höre ich auf) die, der Abwälzung der Unternehmerischen Risiken auf die Mitarbeiter. Was geschieht denn, wenn das Gegenteil stattfindet? Ok, es gibt etwas mehr Bonus – für die einen. Ich hätte dann gerne die 35 Stunden Woche. Anstelle der 45 Stunden – was übrigens einer Lohneinbusse von 12,5 % gleichkommt. 12,5 % mehr Lohn bei 40 Stunden würde ich natürlich auch nehmen. Aber solche Zahlen sind ja nicht mal im Traum auszudenken – zumindest nicht in den Köpfen der Mitarbeiter. In den Köpfen der Manager leider schon…

    Ich höre nun auf darüber nachzudenken – das tut nicht gut. Und damit gehöre ich dann wohl zu denen, die das “sehr gefasst und gut aufgenommen” haben.

  2. Sven Humphrey, 26.03.2015, 21:27 Uhr

    Wenn man sich den Artikel durchliest könnte man meinen, dass Matthias Rebellius (CEO Siemens BT) die Belegschaft informiert hätte. Informiert wurde von ihm persönlich das Management (die keine Arbeitszeiterhöhung in Kauf nehmen müssen, weil sie keine Stunden aufschreiben). Der grosse Rest wurde vor vollendete Tatsachen gestellt mittels seiner zweiten offiziellen E-mail Kommunikation (die erste war eine Kommunikation zu Reiserestriktionen).

    Woher bitte schön will der Herr Rebellius denn wissen, dass die Mitarbeitenden einsehen, die Last mittragen zu müssen? Hat er überhaupt mit irgend einem Mitarbeitenden ausserhalb des Managements gesprochen? Ich nenne das Augenwischerei. Denn ich (selber Mitarbeitender) habe bisher noch keinen einzigen gehört, der die Massnahmen gutheissen würde. Im Gegenteil, die Aufregung ist riesig.

    Vor drei Monaten wurden die besten Jahreszahlen der Firmengeschichte (Siemens Building Technologies) kommuniziert. Heute, drei Monate später müssen die Mitarbeitenden die massive Erhöhung von 40 auf 45 Stunden in Kauf nehmen, damit die hoch gesteckten Ziele erreicht und konsequenterweise die hohen Boni für das Management ausbezahlt werden können.

    Ziel ist keineswegs, die anfallende Arbeit möglichst ohne Neueinstellungen, Überzeiten oder externe Ressourcen zu bewältigen. Diverse Mitarbeitende haben zig Überstunden angehäuft, wofür die Firma Rückstellungen vornehmen muss. Mit dieser Massnahme reduzieren sich die Überstunden, weniger Rückstellungen müssen bilanziert werden und voila, schon sieht alles viel schöner aus in den Bilanzen.

    Bis Ende Jahr ist der Beitrag eines normalen Mitarbeitenden eine Mehrleistung von knapp 4 Wochen. Das Management leistet natürlich auch einen Beitrag. Sie verzichten grosszügigerweise auf 1 Woche Extraurlaub (welche sie wegen der Mehrarbeit zusätzlich erhalten). Die Bonus-Reduktion ist ebenfalls Augenwischerei. Schliesslich wird der Bonus ja vom Management festgesetzt.

    Bravo Herr Rebellius. Bravo Siemens Building Technologies. So baut man sich ein Image.