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Kurz und knapp und bitte nicht Kevin
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Vornamen sind beinahe immer mit Assoziationen verbunden. Im schlimmsten Fall, wie bei Adolf oder Judas, sollte man sich die Namensgebung seines Kindes nochmals überlegen. (Bild: Natalie Boo/AURA)

Qual der Wahl – Beliebteste Luzerner Vornamen Kurz und knapp und bitte nicht Kevin

4 min Lesezeit 2 Kommentare 19.07.2016, 12:32 Uhr

Noah und Sophia heissen aktuell die meisten frischgeschlüpften Luzerner. Ein Trend der sich seit einigen Jahren hält: Kurze Namen dominieren und Individualität scheint äusserst wichtig. Diese nimmt aber teilweise abstruse Züge an.

Früher hiessen die Knaben Hans, Walter oder Ernst, die Mädchen Anna, Marie oder Maria. Tausende Kinder wurden 1920 in der Schweiz auf einen dieser drei Namen getauft. Auch Adolf war damals ein häufiger Name. Seine Popularität begann jedoch Anfang des Zweiten Weltkriegs zu sinken. Trotzdem kamen in den 1950er Jahren noch jedes Jahr Dutzende von Adolfs auf die Welt. Heute ist der Name tabu – so wie auch Judas, der als «böse» gebrandmarkt ist. Bei Mädchen hingegen sind keine solchen «bösen» Vornamen bekannt. Hier werden eher «billige» oder «dümmliche» Namen wie Chayenne oder Shakira aussortiert.

Hans ist als Kindername schon lange kein Thema mehr, während Anna sich immer wieder an die Spitze setzt. Im Kanton Luzern führen 2015 Noah und Sophia die Rangliste der Vornamen an. Allgemein dominieren in Luzern, wie auch schweizweit seit einigen Jahren sehr kurze Vornamen (siehe Box unten).

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Je häufiger, desto beliebter, desto häufiger

Neben dem Trend zu kurzen anglophonen und skandinavischen Namen kehren seit etwa zehn Jahren traditionelle Vornamen in die Statistiken zurück. Seien es Kurzformen aus der griechischen-, römischen-, der Bibelgeschichte oder aus der eigenen Familiengeschichte. 

Wissenschaftlich erwiesen ist auf jeden Fall: Je öfter wir einen Namen hören, desto besser gefällt er uns, desto mehr Kinder tragen ihn, bis eine Sättigung eintritt und die Häufigkeit wieder abnimmt. So tauchen gewissen Vornamen in Wellen immer wieder sehr häufig auf, um danach wieder auf den hinteren Plätzen der Ranglisten zu verschwinden.

Der Drang nach Einzigartigkeit

Während die einen Eltern also einen möglichst gängigen Namen für ihren Nachwuchs wählen, gibt es einen anderen Trend, der sich weltweit beobachten lässt: die Individualisierung. Ein möglichst einzigartiger Name soll es sein. Das zeigt sich oftmals in kreativen Auswüchsen der Schreibweise. Soll es denn jetzt Lynn, Lin oder doch eher Lïnn sein? Und seit Prominente ihre Kinder Jimi Blue, Fifi Trixibelle, Heavenly Hiraani Tiger Lily und Pixie Frou-Frou nennen, traut man sich auch beim Fussvolk öfters mal was.

 

Immer wieder lustig: Listen der abstrusesten abgelehnten und erlaubten Vornamen.

Immer wieder lustig: Listen der abstrusesten abgelehnten und erlaubten Vornamen.

Dürfen die das?

Auf Schweizer Standesämtern ist die Akzeptanz für aussergewöhnliche Vornamen vergleichsweise sehr gross: Sämtliche Namen, auch neu erfundene, dürfen eingetragen werden. Allerdings steht in der Gesetzgebung (Art. 37c): «Die Wahl der Vornamen ist grundsätzlich frei, jedoch dürfen die Interessen des Kindes nicht offensichtlich verletzt werden.»

So offensichtlich braucht es aber gar nicht zu sein. Denn zahlreiche Studien belegen, dass es Menschen mit aussergewöhnlichen Namen im Leben schwerer haben. Männer mit seltenen Namen landen häufiger in psychiatrischen Kliniken und hinter Gittern. Und auch in der Schule sollen sie mehr Probleme haben, bestätigte schon eine vielzitierte Studie der Harvard-Universität aus dem Jahr 1948.

Der arme Kevin

Kinder mit einem Vornamen hatten es eine Weile so richtig schwer: Die Kevins. Der Grund für die bekannten Vorurteile ist in deutschsprachigen Ländern, dass der Name, wie auch Justin, Dennis, Mandy und Chantal, als typisch für eine sozial tiefe Schicht angesehen wird. In der Schweiz gibt es dazu zwar keine harten Daten. In anderen Ländern aber ist nachgewiesen, dass Eltern aus der Unterschicht ihre Kinder häufig nach Prominenten taufen. Dafür hat sich mittlerweile sogar ein «Fachausdruck» durchgesetzt: der Kevinismus.

Sophia und Noah auf dem Siegertreppchen

Sophia/Sofi(j)a/Shofija steht im Jahr 2015 an der Spitze der Mädchennamen im Kanton Luzern. Mit 33 Nennungen wurde der Vorname sogar häufiger vergeben als im Vorjahr, als er bereits die Spitzenposition bekleidete. Mit 29 Nennungen folgt Lia/Lya/Liya an zweiter Stelle. Ebenfalls beliebt waren die Namen Elin(e)/Elyn(e)/Ellyn sowie An(n)a, Elena und Mia/Mya.

Bei den Knaben wird die Rangliste der meistgewählten Vornamen im Jahr 2015 erstmals seit 2012 wieder von Noa(h) angeführt. Er löst mit 36 Nennungen Juli(j)an vom ersten Platz ab, der aktuell an 15. Stelle rangiert. Auf dem zweiten Platz folgen Dario und Leon mit jeweils 29 Nennungen. Ebenfalls häufig gewählt wurden die Namen Jan(n)/Yan(n) sowie L(o)uis und Raphael/Raf(f)ael.

In der Deutschschweiz liegt insgesamt Mia vor Lara und Emma. Bei den Knaben nahm Noah vor Leon und Luca den ersten Platz ein. In der französischen Schweiz dominieren Emma, Eva und Léa. Bei den Knaben lag Gabriel an der Spitze, gefolgt von Liam und Lucas. Im Tessin nahmen 2014 Leonardo, Gabriel und Liam sowie Giulia, Sofia und Emma die Spitzenpositionen ein.

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2 Kommentare
  1. Hansueli W. Moser-Ehinger, 19.07.2016, 15:31 Uhr

    In der Schweiz gibt es (Irrtum vorbehalten: seit 1876) keine Standesämter. Sie heissen Zivilstandsämter –weil sie eben (im Gegensatz zu umliegenden [Ex-]Monarchien nicht den Stand, sondern den Zivilstand registrieren.
    hansueli w. moser-ehinger, basel

    1. Jana Avanzini, 20.07.2016, 09:28 Uhr

      Vielen Dank Herr Moser-Ehinger für die Anmerkung. Da bin ich wohl einem Germanismus aufgesessen.