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Kuriositäten aus dem Amtsblatt
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Durchforstet man das Amtsblatt, trifft man auf die eine oder andere Überraschung. (Bild: Montage zentral+ )

Trouvaillen aus dem Zuger Handelsregister Kuriositäten aus dem Amtsblatt

4 min Lesezeit 02.11.2015, 07:27 Uhr

Das Zuger Amtsblatt kommt zwar staubtrocken daher, birgt aber bei genauerer Inspektion so einige Leckerbissen. Blättert man durchs gedruckte Handelsregister, kommt manch Sonderbares zum Vorschein.

Kämpft man sich durch die dünnen Seiten des Zuger Amtsblattes, erhält man einen guten Überblick darüber, was sich in diesem kleinen Kanton alles an Vereinen, Stiftungen und Firmen tummelt. Und gerade bei Letzteren gibt es viele Sonderbarkeiten zu verzeichnen. Mit Vorliebe werden Zuger Firmen mit Begriffen wie «Trust», «Investment», «Capital» «Real Estate» und «Solution» angereichert.

Wer würde einer Firma namens «Investment Capital Solution Trust AG» nicht blind vertrauen? Und das ganz unabhängig davon, was diese eigentlich tut. Erscheint zudem noch ein «Swiss» im Titel, steigt die Vertrauenswürdigkeit ins Unermessliche.

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«Ich hätte gern einmal das Öl-Bohr-Set für Anfänger, bitte»

Wir durchforsten nun also die blaue Wochenbibel und finden, dass Zugs Stereotypen gut abgedeckt sind. Um die Rohstoffhändler beispielsweise kommt man nicht herum. Um «Pan Minerals Oil & Gas AG», «Petroplus International B.V.» oder aber die «United Oilfield Service AG». Was die tun? Bei Letzterer können Sie sich melden, falls Sie in Ihrem Garten nach Öl buddeln wollen und dafür eine Bohrausrüstung brauchen. Sucht man jedoch nach einer Webseite, um eine solche Bestellung aufzugeben, landet man lediglich bei einer polnischen Firma mit ähnlichem Namen, die wenig vertrauenswürdig scheint.

Daneben finden sich eine ganze Menge an IT-Buden, Immobilienfirmen und Finanzdienstleister. Und so einige kryptische Einträge. Die «Select Charles Dickens AG» beispielsweise lässt im ersten Moment jedes Buchhändlerherz höherschlagen, entpuppt sich jedoch auf den zweiten Blick als Firma, die den Betrieb eines Binnenkreuzfahrtschiffes regelt. Das Gleiche gilt für die «Select William Shakespeare AG», die ihren Sitz ebenfalls in Zug hat.

«Ring Girls» gesucht

Und auch wenn wir keinen Rhein und keine Donau haben und erst recht kein Meer: Mit Kreuzfahrtschiffen kennt sich die Zuger Wirtschaft offenbar aus. Die «Sea Chefs Cruises Worldwide GmbH» rekrutiert Personal für verschiedene Hochseeschiffe. Derzeit sind beispielsweise Floristen gesucht. Blumen arrangieren zwischen Sansibar und Madagaskar? Das wär doch was.

Machen wir einen kurzen Abstecher, weg von den Firmen und hinein in die Vereins- und Stiftungslandschaft. Wie uns das Amtsblatt mitteilt, löst sich der Baarer Verein «World Combat Federation» auf. Das klingt nach blutigen Faustkämpfen. Befragt man das Internet nach dem vielversprechenden Namen, trifft man einzig auf eine gleichnamige Vereinigung aus North Carolina, die auf Mixed Martial Arts Kämpfe in Nordamerika hinweist. Die suchen übrigens noch «Ring Girls». Es dürfte sich bei dieser Adresse jedoch kaum um den Baarer Verein handeln. Leider. Als Ring Girl holt man sich auf Facebook bestimmt eine Menge Neider.

Und wer steckt hinter der Baarer Stiftung «Goldene Tage Sapporo 1972»? Niemand Geringeres als Ex-Skirennfahrer Bernhard Russi im Präsidium. Ausserdem sitzen im Stiftungsrat Schweizer Wintersportgrössen wie Hausi Leutenegger, Albert Giger, Edy Hubacher oder Marie-Theres Nadig. Neu mit von der Partie ist Sportmoderator Matthias Hüppi, der den verstorbenen Berufskollegen Sepp Renggli ersetzt.

Die Stiftung bezweckt die «Aufrechterhaltung und Förderung des sportlichen-olympischen Gedankengutes, insbesondere des sportlichen Teamgeistes in Erinnerung an die grossen sportlichen Erfolge der Olympischen Winterspiele 1972 in Sapporo». Drei Mal das Wort «sportlich» in einem Satz. Da muss also was dran sein. Die Stiftung unterstützt ausserdem ehemalige Sportler, welche durch Krankheit oder Unfall in eine Notlage geraten sind.

45’000 Euro für eine Woche Yachtmiete

Zurück zur Firmenlandschaft. Seinen Vorurteilen gerecht wird der Kanton Zug mit dem Firmensitz der «Aurum Invest Group AG», die Luxusyachten und Yachtzubehör kauft, verkauft und vertreibt. Derzeit gibts ein Sonderangebot: Eine Woche Yachtmiete während des Filmfestivals in Cannes für läppische 45’000 Euro. Dafür kriegt man die 44 Meter lange «Mephisto», einen Zweimaster, auf dem 14 Gäste beherbergt werden können. Jede der sechs Kabinen ist mit einem DVD-Player ausgestattet. Ist ja auch wichtig, wenn man während des Filmfestivals kommt, dass man sich im Bett die Filme nochmals zu Gemüte führen kann.

Etwas geerdeter gehts bei der «John Lennon Bus Europe GmbH» zu und her. Der Bus, der eigentlich mehr Lastwagen ist, tingelt als mobiles Aufnahmestudio durch Europa mit dem Ziel, Musik-, Video-, und andere Ausbildungsprogramme für Jugendliche zu fördern.

Mister und Miss Schweiz halten den Kopf fürs Klo hin.

Mister und Miss Schweiz halten den Kopf fürs Klo hin.

(Bild: Printscreen von «Swiss Po Clean AG»)

Der Eintrag der Firma «Swiss Po Clean AG» irritiert. Kann es wirklich sein, dass sich ein Unternehmen so nennt? Oder ist wohl der italienische Fluss gemeint, dem mittels AG zu besserer Wasserqualität verholfen werden soll? Nichts da, es geht um den Po, wie wir in alle aus dem sitzenden Alltag kennen. Ein Geschäft, in dem es ums Geschäft geht quasi. Dusch-WCs werden hier unter anderem vertrieben. Die Firma wirkt mit ihrer Blogspot-Webseite etwas handgestrickt. Der Ex-Mister-Schweiz Tim Wielandt und Ex-Miss Sonia Grandjean, die gemeinsam für einen Closomat werben, vermögen uns jedoch zu überzeugen.

Ausserdem steht da «Swiss» im Namen. Da kann nur Gutes drin stecken.

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