Kurios: Ebikon setzt bewusst auf wenig robusten Strassenbelag
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Die Sanierung der Schlösslistrasse in Ebikon steckt in den letzten Zügen. (Bild: ios)

Pläne für die Schlösslistrasse gekübelt Kurios: Ebikon setzt bewusst auf wenig robusten Strassenbelag

2 min Lesezeit 5 Kommentare 13.08.2021, 05:00 Uhr

Die Sanierung der Schlösslistrasse wurde von langer Hand geplant und schrittweise umgesetzt. Jetzt, kurz vor Abschluss, wurde es nochmals hektisch. Eine kurzfristig geplante Änderung des Strassenbelags sorgte für eine Einsprache. Der Gemeinderat fackelte daraufhin nicht lange und blies die ganze Übung sofort ab. Was ist da passiert?

Die Sanierung der Schlösslistrasse in Ebikon steht kurz vor dem Abschluss. Fast so wie ursprünglich geplant – und trotzdem völlig anders als vorgesehen. Grund dafür ist der allerletzte Arbeitsschritt einer solchen Strassensanierung.

Die Arbeiten an der Schlösslistrasse dauern schon seit über einem Jahr an (zentralplus berichtete). Wichtiges Element und letzter Schritt bei der Sanierung ist das Auftragen des lärmarmen Deckbelags, auch Flüsterbelag genannt. Dieser soll für weniger Strassenlärm sorgen. Die Beschaffenheit dieses Belags sorgte nun für einen einigermassen kuriosen Vorgang, ganz am Schluss des Projekts.

Vorgesehener Belag weist Mängel auf

Rückblende: Die schwersten Arbeiten an der Schlösslistrasse wurden bereits Ende Januar abgeschlossen. Im Mai hätte der Flüsterbelag des Typs «SDA4» (Semi Dichter Asphalt) eingebaut werden sollen. Es ist der gleiche Flüsterbelag, der 2017 bereits an der angrenzenden Adligenswilerstrasse eingebaut wurde. Dort entdeckte die Gemeinde Ebikon im vergangenen Frühjahr aber «diverse Risse und Ausbrüche», wie es damals in einer Mitteilung hiess.

Der Gemeinderat kam zu folgendem Schluss: «Wie sich herausstellt, ist der Flüsterbelag zu wenig widerstandsfähig, um an der Schlösslistrasse in nachhaltiger Weise verbaut werden zu können. Die Schlösslistrasse ist aufgrund ihres Gefälles von 6 bis 11 Prozent doch wesentlich anspruchsvoller als die Adligenswilerstrasse.»

Die Lösung sah der Gemeinderat in einem anderen Belagstyp. Dieser trägt den Namen «SDA8» und soll zwar widerstandsfähiger sein – jedoch auch etwas weniger lärmschluckend. Dieser Umstand löste eine Kettenreaktion aus.

Auf Einsprache erfolgt Blitzrückzug

Für den Einbau des neuen Deckbelagtyps legte der Gemeinderat Anfang Juli eine Änderungsauflage öffentlich auf. Prompt ging seitens des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) eine Einsprache ein.

Und noch prompter – noch während der laufenden Einsprachefrist – zog der Gemeinderat das Projekt zurück. Stattdessen wird auf der Schlösslistrasse aktuell nun doch der angeblich «zu wenig widerstandsfähige» SDA4-Belag eingebaut.

Was war denn das bitte?

Verband kämpft gegen Pflichtentbindungen

Tatsache ist, dass der VCS bei solchen Sanierungsprojekten schon seit Längerem kritisch hinschaut. Das Stichwort, weswegen der Verband bei der Schlösslistrasse Einsprache einlegte, lautet: «Erleichterungen». Solche wollte der Ebikoner Gemeinderat im Rahmen der Auflage vom Kanton beantragen.

Dies, weil der SDA8-Belag eben weniger Lärm schluckt und gewisse Anwohner immer noch von übermässigem Lärm belastet werden, auch nach Abschluss der Sanierung. Mit der Erleichterung wird die Gemeinde von der Pflicht entbunden, weitere Massnahmen zur Lärmsenkung ergreifen zu müssen.

«Seit Längerem ist bundesgerichtlich geklärt, dass solche Erleichterungen nur im Ausnahmefall und als ‹ultima ratio› erteilt werden dürfen.»

Dominik Hertach, Geschäftsführer der Luzerner VCS-Sektion

Genau dagegen hat der VCS Einsprache erhoben. «Seit Längerem ist bundesgerichtlich geklärt, dass solche Erleichterungen nur im Ausnahmefall und als ‹ultima ratio› erteilt werden dürfen. Zuvor müssen sämtliche Massnahmen zur Senkung des Strassenlärms ergriffen werden, welche technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar sind», schreibt Dominik Hertach, Geschäftsführer der Luzerner VCS-Sektion, in einer Mitteilung.

Gemeinde kommt auf Option 1 zurück

Roland Beyeler ist Kommunikationsbeauftragter der Gemeinde Ebikon. Er bestätigt auf Anfrage, dass die Änderungsauflage für den Einbau des SDA8-Deckbelags nach der eingegangenen Einsprache des VCS umgehend zurückgezogen wurde.

«Der Gemeinderat gewichtet den zeitnahen Lärmschutz der betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner an der Schlösslistrasse höher als die kürzere Lebensdauer des Deckbelags.»

Roland Beyeler, Kommunikationsbeauftragter der Gemeinde Ebikon

Der Grund dafür sei, dass eine Prüfung der Einsprachepunkte den Deckelbelagseinbau um viele Monate verzögern würde. «Der Gemeinderat gewichtet den zeitnahen Lärmschutz der betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner an der Schlösslistrasse höher als die Lebensdauer des Deckbelags SDA4», begründet Beyeler den Entscheid. Da der SDA4-Belag ja bereits bewilligt war, konnte man umgehend wieder auf diesen zurückgreifen. Das Vorgehen wurde auch im Gemeindeinfoblatt «Ebikon Aktuell» kommuniziert.

Knackpunkt Tempo 30

Dass dem Belags-Typ ein derart hoher Stellenwert zukommt, dass er einem umfassenden Sanierungsprojekt ganz am Schluss den Stecker zieht, mag erstaunen. Mit Blick auf die verkehrsrechtlichen Auswirkungen, die mit dem Anbringen des einen oder anderen Belags verbunden sind, wird man sich dessen Bedeutung indes rasch bewusst. Denn je nach Belags-Typ muss auch über das künftige Temporegime geredet werden.

Deutlich wird somit, dass die Tempo-30-Frage ein wesentlicher Knackpunkt in diesem Streit ist. Für den VCS ist klar, dass bei der Schlösslistrasse der Einbau eines lärmarmen Belags nicht ausreicht, damit die Immissionsgrenzwerte nicht überschritten werden. In Kombination mit der Einführung von Tempo 30 könnten jedoch alle Anwohnerinnen und Anwohner vor übermässigem Lärm geschützt werden, ist sich der VCS sicher und beruft sich dabei auch auf ein Gutachten, das die Gemeinde Ebikon hat erstellen lassen.

Dieser Interpretation des Gutachtens widerspricht Beyeler: «Unsere Experten können diese Korrelation nicht bestätigen. Mit dem Einbau des Deckbelags SDA4 werden die Immissionsgrenzwerte unterschritten und die Anwohnerinnen und Anwohner von übermässigem Lärm geschützt.»

Durch den unvermittelten Rückzug des Projekts weiche die Gemeinde der Diskussion um Tempo 30 aus, wirft der VCS der dem Ebikoner Gemeinderat vor. Der Verband sah in der Folge jedoch davon ab, den Entscheid des Gemeinderats verwaltungsrechtlich anzufechten – auch aufgrund der sehr kurzen Fristen.

Auf der Schlösslistrasse wird durch den Einbau des Deckbelages nun ein Schlussstrich unter die Geschichte gezogen. Sollte der Belag sich aber – wie vom Gemeinderat im Frühjahr noch befürchtet – als zu anfällig erweisen, ist dieser Schlussstrich wohl lediglich temporärer Natur.

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5 Kommentare
  1. Fischer Beat, Luzern, 13.08.2021, 18:14 Uhr

    … und wenn der neue Deckbelag eingebracht ist, lasst bitte alle Schachtdeckel unter dem neuen Deckbelag und passt sie nicht der Oberkante von eben diesem neuen Flüsterbelag an. Sonst fahren alle Fahrzeuge wieder über diese Deckel und hat mit Flüstern nichts mehr zu tun. Ich kann nicht verstehen wieso man bei einer so grossen Strassensanierung die Schachtdeckel nicht in die Mitte der jeweiligen Fahrbahnen plant bzw. versetzt.

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  2. Karl-Heinz Rubin, 13.08.2021, 15:34 Uhr

    Ebikon. bleibt halt Ebikon.
    Gemeinderäte gewählt vom Fasnachtskomitee und vom Fussballclub, geführt von einem Musiklehrer..
    Tunnelprojekte oder Straßenbau..
    Alles kein Problem.
    Der Steuerzahler wird’s richten..

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  3. rotsanne, 13.08.2021, 14:03 Uhr

    Wie entwickelt sich die Situation, wenn sich zukünftig noch der Lastwagenmehrverkehr zur geplanten Aushub-Deponie Stuben die Schlösslistrasse hoch- und runterbewegt? Tempo 30 hat nebst der Lärmreduktion noch viele weitere positive Aspekte und sollte daher unbedingt umgesetzt werden, unabhängig vom Belags-Typ, wie z. B. Verringerung der Zahl und Schwere der Unfälle, Verminderung von Luftschadstoffen u.a. – siehe http://www.laerm.ch/de/laerm-und-ruhe/leiser-mobil-sein/tempo-30/tempo-30.html

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  4. Paul, 13.08.2021, 09:54 Uhr

    Tempo 30 und sda4 funktioniert nicht. Die Selbstreinigung vom Belag geht nicht. Nach 4 Jahren ist der Belag gleich laut wie der „normale“, da die Poren verstopft sind. ……

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  5. Thomas Meyer, 13.08.2021, 08:59 Uhr

    Ein weiterer Bock vom «parteilosen» (eigentlich ist er ja CVPler) Gemeinderat Bienz. Es ist ein Debakel, was in Ebikon läuft. Seit Jahren vertrödelt man Zeit mit der unsinnigen Tunnel-Idee. Daneben bleibt die Sanierung des wegen Naphtalin geschlossenen Schulhauses Höfli auf der Strecke (seit über 3 Jahren ist es geschlossen, eine Sanierung ist nicht in Sicht). Die Umgestaltung des Schmiedhof-Areals kommt auch nicht in die Gänge.

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