Kunstausstellung in Luzern ist eine runde Sache
  • Kultur
  • Rezension
Die Besucherinnen irren durch Tausende von Kreisen (Bild: Joke Lustenberger)

«Kreise ziehen. Konstellation Nr. 1» Kunstausstellung in Luzern ist eine runde Sache

3 min Lesezeit 09.10.2021, 11:58 Uhr

Am Freitagabend wurde die Ausstellung «Kreise ziehen. Konstellation Nr. 1» von Stella Pfeiffer im B74 Raum für Kunst eröffnet. Die Künstlerin, die sich oft am Medium der Zeichnung orientiert, schafft auf kleiner Fläche eine eindrückliche räumliche Erfahrung.

Sie hängen an der Wand, von der Decke oder breiten sich auf dem Boden aus. Unzählige Chinapapierrollen oder Leinwände sind im Ausstellungsraum des B74 Raum für Kunst ausgebreitet. Darauf sind mit Tusche gezeichnete Kreise, die sich in ihrem Radius und dem Abstand zueinander unterscheiden.

Auch wenn die Form des Kreises ständig wiederholt wird, weisen sie eine natürliche Unregelmässigkeit auf. Es entsteht ein wirres Bild, durch welches die Besuchenden in einer Art Finken irren. Die Menschen sind durch die optische Wirkung der in schwarz und weiss gehaltenen Zeichnungen gleichzeitig verwirrt, irritiert, aber auch sehr fasziniert.

Die Zeichnung im Fokus

Die Berner Künstlerin Stella Pfeiffer stellt ihre Werke m B74 Raum für Kunst, einer Galerie an der Baselstrasse, aus. Nach der Schule für Gestaltung in Olten studierte sie an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern. Heute lebt und arbeitet sie in Kriens. In ihrer künstlerischen Praxis steht die Zeichnung im Mittelpunkt, wobei sie in ihrer Arbeit darüber hinaus auch Aspekte der Performance oder der Lyrik aufgreift. Neben zahlreichen Gruppenausstellungen folgt mit «Kreise ziehen. Konstellation Nr. 1» ihre 12. Einzelausstellung.

Die Künstlerin Stella Pfeiffer befasst sich schon seit Längerem mit dem Element des Kreises. Während sie in einer vorherigen Arbeit aber den Stein als Ausgangspunkt für das Zeichnen von Kreisen gewählt hat, fällt dieser in der aktuellen Ausstellung weg und der Kreis steht im Fokus.

Von Reizüberflutung zu meditativer Ruhe

Stella Pfeiffer schafft es, mit wenigen bildnerischen Materialien und Werkzeugen – Tusche, Chinapapier und Leinwände – einen leeren Raum zu füllen und zu erweitern. Das Element des Kreises, welcher Unendlichkeit symbolisiert, verstärkt diese Wirkung. Es entsteht eine Fülle an Reizen, die fast eine Überforderung der Sinne ist. Darin nimmt der grosse, schwarze Tuschekreis, der an der hinteren Wand des Raums hängt und erst sichtbar wird, nachdem man durch einen Vorhang von Chinapapier getreten ist, die Rolle eines Ruhepols ein.

Die Unruhe, die durch tausende Kreise im Ausstellungsraum herrscht, steht im Kontrast zur Wirkung, die der Kabinettraum auslöst. Der bis auf einen weiteren, grossen Tuschekreis leere Raum wirkt im Gegensatz zum anderen Ausstellungsraum ruhig und fast schon meditativ.

Raumgreifendes Werk

Wie viele Meter Chinapapier im Ausstellungsraum hängen und wie viele Kreise darauf gezeichnet wurden, lässt sich kaum sagen. Auch bleibt offen, ob die Sammlung an Kreisen erweitert werden soll, denn mit dem Ausstellungstitel «Kreise ziehen. Konstellation Nr. 1» deutet die Künstlerin vielleicht eine Fortsetzung an. Der Künstlerin Stella Pfeiffer scheint es aber auch nicht so sehr darum zu gehen, die Besuchenden an eine Auseinandersetzung mit dem Entstehungsprozess heranzuführen und Fragen zum Einsatz der künstlerischen Mittel zu beantworten, auch wenn einige Besuchende sich wundern, wie lange die Künstlerin an den vielen Kreisen gezeichnet hat.

Vielmehr geht es wohl darum, eine Erfahrung auszulösen, bei welcher die Gesamtheit der uns umgebenden Wirklichkeit bewusst wahrgenommen und dadurch hinterfragt wird. Diese Erfahrung ist ein Zusammenspiel zwischen Objekt und Raum. Die Arbeit der Künstlerin endet also nicht auf der mit Kreisen gefüllten Papierfläche, sondern dehnt sich im ganzen Raum aus.

Die Ausstellung ist vom 9. Oktober bis 30. Oktober 2021 zugänglich. Zum Abschluss der Ausstellung wird vom 28. bis 30. Oktober 2021 eine Klanginstallation durch den Klangkünstler Urban Mäder errichtet. Zusätzlich findet am Freitag, 29. Oktober 2021, um 19.30 Uhr ein Konzert statt. Die Künstlerin ist jeweils am Freitag und Samstag anwesend und beantwortet die Fragen der Besucher.

Du bist noch kein Möglichmacher? Als Möglichmacherin kannst Du zentralplus unterstützen. Mehr erfahren.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare

Mach jetzt zentralplus möglich

Unterstütze mit einem freiwilligen Abo

Schon über 350 Personen stehen ein für Medienvielfalt in der Zentralschweiz. Denn guter Lokaljournalismus kostet Geld. Mit deinem freiwilligen Abo machst du zentralplus möglich. Wir sagen danke. Hier mehr erfahren