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Kunst unter Strom: Absurdität statt Glanz
  • Kultur
  • Rezension
«Muscle of Calvani» von Ylena Katkova. (Bild: Milena Koller)

Neue Ausstellung in der Luzerner Kunsthalle Kunst unter Strom: Absurdität statt Glanz

2 min Lesezeit 12.01.2018, 16:03 Uhr

In der Kunsthalle in Luzern findet aktuell eine Ausstellung mit dem Titel «Aus Strom» statt. Neun Künstler aus dem In- und Ausland präsentieren ihre experimentellen künstlerischen Arbeiten. Mit Mainstream hat dies wenig zu tun.

Speziell ist das Wort, das einem beim Versuch, die Ausstellung «aus Strom» zu beschreiben, als Erstes in den Sinn kommt. «So richtig Kunst» beziehungsweise so wie man sich Kunst als Nichtkünstler wohl vorzustellen hat, fällt mir als Zweites ein. Teils schwer verständlich, etwas abstrus, irgendwie sinnlos und doch witzig, interessant und faszinierend. Je länger man sich in der Ausstellung bewegt, umso mehr sieht man, nimmt man wahr und verweilt man vor der einen oder anderen Installation.

Da sind beispielsweise Daniel Imbodens drei Ausstellungsstücke «schwarz weiss denken», «Fremdbeeinflussung» oder «Kommunikation», die allesamt den Blick des Betrachters mehrmals auf sich lenken und durch Design und Kunstfertigkeit bestechen. Andere Installationen verzaubern weniger durch Design und Glanz, sondern mehr durch Witz und Absurdität. Yoan Mudrys Schuhroboter stehen hierbei ganz oben auf der Liste.

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Die Künstler und ihre Arbeiten

Die Jüngste im Bunde, Viola Clementide aus dem Kanton Thurgau, kombiniert Kinetik mit Klang, indem sie mittels in Bewegung versetzter Fundgegenstände und Alltagsmaterialien Klangensembles mit surrealem Charakter erzeugt. Ihr Werk «Heimchen und Kirschnase auf Rädern» hat dabei ganz besonders das Interesse der Aussstellungsbesucher angezogen. David Herren hingegen, ebenfalls Thurgauer, arbeitet ohne Klang, dafür mit Elektrik. Das Ergebnis sind interaktive Installationen, die auf Licht und Bewegung reagieren. Kinetik bleibt damit auch hier ein Thema.

Daniel Imbodens Werk «Fremdbestimmung».

Daniel Imbodens Werk «Fremdbestimmung».

(Bild: Milena Koller)

Die Zugerin Anina Hug kehrt dafür wieder zum Klang zurück und baut alte Kassettenrekorder zu Theremins um, während die Luzernerin Livia Müller mit Heubüschel bestückte Eisenkonstruktionen von Besuchern durch Bewegungssensoren in Schwung bringen lässt. Dies, um nur einige der jeweils völlig anders gearteten Kunstwerke und Künstler zu nennen, die in der Kunsthalle auf vergleichsweise kleinem Raum präsentiert werden und ausstellen.

Kunstcharakter und Publikum

Die grosse Bandbreite an Kunstprodukten, die es an der Vernissage diesen Donnerstag zu sehen gab, hat auch ein breites Publikum angezogen. Von Jung bis Alt war alles anwesend. Allerdings war das Durchschnittsalter im deutlich jüngeren Bereich anzusiedeln als dies in grösseren Mainstream-Museumsausstellungen sonst üblich ist. Das führt zum Schluss, dass Kunst und Publikum wohl auch hier logischerweise eine Wechselbeziehung führen. Kunst, die nicht Mainstream ist, lockt ein Publikum abseits der Massen an. Dies führt ihrerseits wiederum zu einer Steigerung der künstlerischen Atmosphäre im Raum. Kurzum empfiehlt sich die Ausstellung «Aus Strom» für alle, die gerne einmal Kunst atmen möchten und sich vom Credo «Kunst muss schön sein» auch einmal trennen können. 

Ein Besucher betrachtet die Kunst von David Herren.

Ein Besucher betrachtet die Kunst von David Herren.

(Bild: Milena Koller)

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